Donnerstag, 21.01.2021

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Wölfe streifen inzwischen durch Ortsränder

Ein tagsüber durch Ortschaften streifender Canis Lupus sorgte kürzlich bei Bürgern für Aufregung - 08.01.2021 15:40 Uhr

Höchstwahrscheinlich ein Tier aus dem im Veldensteiner Forst lebenden Wolfsrudel streifte kürzlich am helllichten Tag durch Horlach und Mosenberg. Das Foto zeigt einen im Truppenübungsplatz Grafenwöhr lebenden Wolf.

08.01.2021 © Foto: Archiv/Gerald Morgenstein


Immer öfter wird das Tier in Wald und Flur gesichtet, manchmal auch in Wohnsiedlungen, obwohl er die Begegnung mit dem Menschen in der Regel eher scheut. Wolfsichtungen lösen bei manchen Freude, bei anderen Unmut und Angst aus. Erst vor gut einer Woche, am Dienstag, 29. Dezember 2020, wurde ein Wolf im Pegnitzer Ortsteil Horlach gesichtet.

An jenem Tag streifte das Tier laut Augenzeugenberichten scheinbar unaufgeregt am Horlacher Schützenheim vorbei durch das Hinterdorf und dann in Richtung Neubaugebiet.


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Während einige Einwohner zwar überrascht waren, aus sicherer Entfernung Fotos machten und gelassen blieben, verständigten andere besorgte Bürger die Polizei. Die konnte aber Entwarnung geben: "Von dem Tier ging keine Gefahr aus", hieß es.

Gleiche Situation an Silvester in Mosenberg, einem Ortsteil der Marktgemeinde Neuhaus: Auch hier bewegte sich ein Wolf mitten durch die Ortschaft — und das gegen Mittag, unbeeindruckt von filmenden und fotografierenden Anwohnern.

Das für den Wolf zuständige Landesamts für Umwelt (LfU) teilte dazu mit: "Wölfe sind zwar grundsätzlich vorsichtig und meiden Menschen, jedoch nicht menschliche Infrastrukturen (Straßen, Wege). In ihrer Raumnutzung passen sich Wölfe normalerweise an die Aktivität des Menschen an. Bereiche ihres Streifgebietes, in denen tagsüber viele Menschen anzutreffen sind, werden nur in der Nacht genutzt. Im Schutze der Dunkelheit laufen sie durchaus auch unmittelbar an bewohnten Häusern vorbei."

Ähnliches Verhalten kenne man auch von Rehen und Füchsen. Der Wolf sei von Natur aus vorsichtig und weiche Menschen aus. Im Einzelfall könnten besonders Jungtiere dem Menschen gegenüber unerfahren und neugierig sein. "Dies stellt aber keine Gefährdung des Menschen dar. Seit der erneuten Anwesenheit von Wölfen in Deutschland hat es keinen Angriff auf Menschen durch Wölfe gegeben."

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Nicht gerade begeistert vom Wolf ist Karl-Heinz Inzelsberger. "Uns sind da komplett die Hände gebunden", sagt der Vorsitzende der Jägervereinigung Pegnitz. Der Wolf stehe unter Naturschutz und sei nicht Bestandteil des Jagdrechts. "Wir werden uns hüten, diesem Tier zu nahe zu kommen." Es sei aber schon grenzwertig, wenn der Wolf am helllichten Tag durch die Dörfer laufe. "Wenn er zu zutraulich wird, ist das nicht in Ordnung." Der oberste Jäger im Bereich Pegnitz verweist auch auf den Jagdtrieb des Raubtiers. "Es ist Wahnsinn, was da im Veldensteiner Forst abgeht. Die Wölfe reißen jede Menge Wild und sind auch für das Weidevieh wie das Schaf gefährlich."

Inzelsberger befürchtet beim Wolf eine ähnliche Entwicklung wie beim Biber. "Erst wird er aufwendig angesiedelt und dann muss man Tausende Euro für Entschädigungszahlen ausgeben, um die Schäden, die die Tiere anrichten, auszugleichen." Mit Geld allein könne man das aber nicht abtun. "Hier ist die Politik gefordert", betont der Vorsitzende.


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Kritiker der Wolfsansiedlung in Deutschland fordern seit langem, die Tiere stärker zu bejagen. Dadurch würden diese lernen, dem Menschen aus dem Weg zu gehen und seinen Nutztieren nicht zu nahezukommen. Nur dann könne es auf Dauer ein friedliches Nebeneinander geben.

Wie das Umwelt-Landesamt bestätigt, nutze der Wolf die für ihn am leichtesten zugängliche Nahrung. Deshalb gelte es, vor allem Schafe und Ziegen auf extensiv genutzten Flächen zu schützen. Schutzmaßnahmen sind Zäune, Behirtung und der Einsatz von Herdenschutzhunden. LfU und Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) entwickeln und erproben derzeit entsprechende Maßnahmen.

Seit der Wolf in Deutschland wieder heimisch geworden ist, gibt es Konflikte, weil er Nutztiere reißt oder in der Nähe von Menschen auftaucht und dabei bedrohlich wirkt.

So gab es bereits Vorschläge, Wölfe dem Jagdrecht zu unterstellen, um den Bestand zu regeln. Diese Überlegungen sind aber heftig umstritten. Bislang ist der Lupus nach deutschen und europäischen Gesetzen äußerst streng geschützt. Es ist verboten, Wölfe zu fangen oder zu töten. In Ausnahmefällen können sie jedoch geschossen werden. Das sieht der bayerische Aktionsplan Wolf vor.

 

UDO FÜRST

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