Kunstprojekt

Workshop: Weidenloher Schüler gestalten Scheunenwand

29.7.2021, 09:00 Uhr
„Mit unserem Bild wollen wir Aufmerksamkeit erregen und zu Dialogen zwischen den Bürgern und Generationen beitragen“, sagte Jugendbeauftragte Maria Dreßel.

„Mit unserem Bild wollen wir Aufmerksamkeit erregen und zu Dialogen zwischen den Bürgern und Generationen beitragen“, sagte Jugendbeauftragte Maria Dreßel. © Foto: Rosi Thiem

Seit einigen Tagen sind die jungen Leute schon am Werkeln. Dazu gab es extra eine Schulbefreiung. Um die 550 verschiedenen Farbdosen standen fein säuberlich in einer Reihe, gut sortiert nach einzelnen Farbtönen. Langsam nimmt das Wandbild, das vorher beim ersten Workshop gemeinschaftlich ausgesucht wurde, Gestalt an.

"Ganz außen haben wir den Mond mit der Peace-Flagge", zeigte der 15-jährige Marlon Ulbrich. "Wir haben uns für eine weiße Friedensflagge entschieden, weil wir neutral bleiben wollten. Für unsere Region wählten wir die Fachwerkhäuser und die Felsen." Ein Fluss trennt die Kontinente. Links befindet sich Europa, darüber fährt ein Indianer mit dem Kanu, daneben steht eine Asiatin und sitzt ein afrikanisches Kind. "Die Welt ist eins", stellte Professional Graffiti Artist Michael Schoberth, der das Projekt begleitet, vor: "Wir haben bewusst ein farbiges Kind, eine jugendliche Asiatin, einen Indianer mittleren Alters und einen älteren Europäer gewählt, um alle Altersgruppen und Herkünfte vorzustellen, die auf der Welt vertreten sind. Da schließen wir den Bogen, die Welt ist eins", zeigte er auf die bereits halbfertige, künstlerische Darstellung der Jugendlichen aus Weidenloh, Kühlenfels, Trägweis und Waidach. Die zwölfjährige Mila Ulbrich, die ie über ihren Bruder dazugekommen war, freute sich: "Es ist auf jeden Fall besser, als vor dem Laptop zu sitzen und die Finger tun überhaupt nicht weh, wie anfänglich befürchtet wurde." Ihr Bruder Marlon hätte nach diesem Projekt gerne mehr Wände. Dem stimmte auch der 14-jährige Sebastian Brunner zu: "Zuerst hatte ich keine Lust, mitzumachen, nun denke ich, das könnten wir gerne öfter tun." Der gleichen Meinung ist Jakob Krellner. Der 15-Jährige: "Ich finde das geil, zu lernen, wie Graffiti wirklich funktioniert. Hier lernen wir einiges, das macht echt Bock."

Johannes Schriefer, der schon fleißig beim Verputzen dabei war, konnte dies nur bestätigen. Seine Schwester Maria, die sonst mit Bleistift zeichnet, war ebenfalls begeistert, eine neue Technik auszuprobieren: "Und vor allem – es ist legal und cool", grinste die begabte Künstlerin. Dem älteren fränkischen Darsteller mit Bier auf der Wand wird in den nächsten Tagen farbiges Leben eingehaucht. Die Jugendlichen wissen inzwischen, dass es verschiedene Sprühneigungen und diverse Sprühköpfe gibt, um dem taffen Franken und der zarten Asiatin Leben einzusprühen.

Das diesjährige Projekt stammt aus der Ideenschmiede von der Jugendbeauftragten der Stadt Pottenstein, Maria Dreßel. Das Zeichnen mit der Dose wird gefördert im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben".

Maria Dreßel holte sich im Vorfeld Informationen und bei den Anträgen und Vorschlägen in einem Workshop bezog sie auch die Jugendlichen mit ein. "Die Jugendlichen sind unsere nächsten Stadt- und Gemeinderäte. Wir haben sie von Anfang an mit einbezogen. Zusammen haben wir um unser Geld für dieses Projekt gekämpft", zeigte die rührige Stadträtin auf und lobte die Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring. Am Anfang machte sie einen Aufruf an die Bürger, um freie Wände zur Verfügung gestellt zu bekommen. Ein einziger Vorschlag kam – dieser aus Weidenloh. In mehrtägiger Vorarbeit wurde die renovierungsbedürftige Wand vorbereitet, um eine Bearbeitung möglich zu machen. Eckschutzschienen wurden angebracht und neu verputzt. Jacek Lachmann und Matthias Deinlein leisteten hier viele Stunden ehrenamtliche Vorarbeit. "Das Geld liegt auf der Straße, man muss es nur holen", empfand Maria Dreßel. "Die Jugendarbeit in den Gemeinden ist genauso wichtig, wie die Wasserversorgung oder andere Bereiche. Es geht um unsere Zukunft." Sollten noch freie Wände angeboten werden, würden sich die Jugendlichen freuen. Maria Dreßel war begeistert: "Mit unserem Bild wollen wir Aufmerksamkeit erregen und zu Dialogen zwischen den Bürgern und Generationen beitragen. Mit diesem Projekt wollen die Jugendlichen die Gemeinde begeistern, um sich mit dem Thema Vielfalt der Kulturen gemeinsam auseinandersetzen und greifen mit dem Graffiti-Bild aktiv in die Öffentlichkeit ein", legte Dreßel offen. "Dadurch setzen sie ein Zeichen. Bei zusätzlichen Gesprächen mit den Bürgern verfestigen sich bei den Jugendlichen die Werte der Weltoffenheit und Toleranz. Hierdurch wird auch der Zusammenhalt der Gemeinde nachhaltig gestärkt."

Keine Kommentare