Wutrede von Waischenfelder Gärtnerin geht viral

15.2.2021, 17:50 Uhr
Die Discounter dürfen Blumen verkaufen, Christine Kraus, die vor sechs Jahren die Gärtnerei Wolf in Waischenfeld gepachtet hat, darf weder in ihren Laden noch in ihre Gewächshäuser Kunden lassen.

Die Discounter dürfen Blumen verkaufen, Christine Kraus, die vor sechs Jahren die Gärtnerei Wolf in Waischenfeld gepachtet hat, darf weder in ihren Laden noch in ihre Gewächshäuser Kunden lassen. © Foto: Thomas Weichert

Initialzündung für ihren Clip war ihr Einkauf in einem großen Lebensmitteldiscounter, in dem sie erstaunt feststellen musste, dass dieser Markt sein Blumenangebot auf über zehn Quadratmeter Größe enorm ausgebaut hatte und die Menschen dicht gedrängt um die Blumenständer herumstanden und sich sogar Blumensträuße zum Valentinstag binden lassen konnten.

"Da steht Blumenkübel an Blumenkübel mit Frühlingsblühern und Rosen", so Kraus. "Da habe ich dann endgültig die Faxen bekommen", sagt die gelernte Floristin, die weder in ihren Laden noch in ihre Gewächshäuser Kunden reinlassen darf. Call & Collect darf sie zwar anbieten, doch da rufen nur ganz wenige Kunden und sehr zögerlich an. Außerdem sei das ganz schwierig, weil die Kunden die Blumen einfach vorher anschauen wollen und spontan dann auch mehr kaufen.

Im Moment ratlos

"Hallo grüßt Euch, heut‘ muss ich ein paar klare und ernste Worte an Euch richten." So beginnt ihr sechsminütiger Clip. Die vielen Steine, die ihr in den sechs Jahren in den Weg gelegt wurden, habe ihr und ihrem Mann, der einer ihrer fünf Mitarbeiter ist, die Freude am Beruf und an den Kunden nicht verdorben. "Wir betreiben das Ganze leidenschaftlich und mit viel Herzblut und können auch tatsächlich davon leben", sagt die 49-Jährige, die das Geschäft noch bis zu ihrer Rente weiterführen will. Nun sei sie jedoch ratlos, wenn sie beobachtet, was momentan bei den Discountern abläuft und wenn sie von der Politik hört, dass es für den Einzelhandel erst Lockerungen geben soll, wenn sich nur noch 35 Menschen von 100.000 mit dem Virus anstecken. 

Der handwerkliche Mittelstand werde durch das Verhalten der großen Supermarktketten sehr geschwächt. "Man sollte wirklich überlegen, ob man nicht etwas gegen diese Ungerechtigkeit, gerade in der jetzigen Zeit, tun kann", so Kraus, die an die Politik appelliert, neue Hygienekonzepte zu erarbeiten, damit auch die kleineren Läden möglichst noch vor dem 7. März öffnen dürfen.

Einkauf wird zum Ausflug

Im Supermarkt werde Einkaufen zum Event, zum Familienausflug. "Keiner achtet dort auf irgendwelche Abstände, das ist alles egal", macht Kraus ihrem Ärger weiter Luft. Rein rechnerisch dürfte sie nur in ihren Laden 12,5 Personen gleichzeitig reinlassen, um die Abstände zu wahren. Nach der aktuellen Coronaverordnung dürften die Discounter ihr Angebot im Nonfood-Bereich gar nicht ausweiten. "Machen es aber trotzdem und niemanden interessiert es, keiner kontrolliert es", zeigt sich Christine Kraus sehr verärgert. Es sei eine große Ungerechtigkeit, dass die Discounter in dieser Zeit so einen großen Reibach machen und sie dürfe ihre Kunden nicht in ihre Geschäftsräume reinlassen.

"Stellt euch doch mal vor, es gibt keine Gärtner und keine Floristen mehr. Glaubt ihr, der Discounter macht für euch den Trauerschmuck oder verschönert eure Hochzeit und andere Familienfeste?", fragt Kraus in ihrem Video und betont, dass man früher die Wurst beim Metzger, das Brot beim Bäcker und die Blumen beim Gärtner gekauft hat. 

Wenn es den Gärtner nicht mehr gibt, gehe einiges an Kultur verloren. "Ich fürchte, dass sehr schwierige Jahre auf uns zukommen", so Kraus, denn nur für das Finanzamt könne sie nicht arbeiten. Es müsse Pacht bezahlt werden, die Löhne und vor allem auch das Heizöl. Schon der erste Lockdown im vergangenen Frühjahr habe das Ostergeschäft total verhagelt. Wenn es jetzt wieder so kommt, droht die Schließung der traditionsreichen Gärtnerei Wolf, die es schon seit mehr als 50 Jahren gibt. Für immer. "Ich liebe meinen Beruf, er macht mir richtig viel Spaß und es würde mir deshalb sehr schwer fallen, wegen finanziellen Problem aufhören zu müssen. Wenn es sich aber nicht mehr lohnt, müssen wir zumachen", so Kraus.

Vom Staat bekam sie bisher keine Überbrückungshilfen. Ihr Betrieb "Lieblingsstücke Gärtnerei Wolf" hat Kunden von Bayreuth bis Forchheim und die mochten vor allem auch ihre Events. So im letzten Aprilwochenende die "Kräutertage" oder im Advent die Adventsausstellung. "Lieblingsstücke" nennt sie ihre Gärtnerei deshalb, weil sie früher viel mit "Filzdesign" gemacht hat und damit auf Kunsthandwerkermärkten unterwegs war. "Ich hoffe, dass es bis Ostern wieder aufwärts geht und wir die Frühlingsblüher an den Mann bringen können, denn was bis Ostern nicht verkauft ist, müssen wir wegschmeißen", betont Christine Kraus verzweifelt.

INFO: Zum Video unter: https://www.facebook.com/watch/?v=865160814217745

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