Samstag, 17.04.2021

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Zoff um Betreuungsbedarf: Wie viele Kindergartenplätze braucht Pegnitz?

Bei der Feststellung der Bedarfsplanung für Kitas kam es im Pegnitzer Stadtrat zum Schlagabtausch - 14.01.2021 17:21 Uhr

In Troschenreuth ist eine Notgruppe im alten Heieis-Haus nahe dem Kindergarten untergebracht. Der Raum wird für Projektarbeiten mit maximal zehn Kindern verwendet. Das Foto stammt aus dem Jahr 2018 bei der Eröffnung.

14.01.2021 © Foto: Archiv/Ralf Münch


Der jetzige Meinungsstreit in der exakt einstündigen Ratssitzung dürfte dabei nur ein Vorgeplänkel um die Auseinandersetzungen sein, wenn in der nächsten Stadtratssitzung am 27. Januar nicht über nackte Zahlen, sondern über die Detailplanung bei den Kinderbetreuungseinrichtungen im Stadtgebiet gesprochen wird.

Klipp und klar erklärte Helmut Dettenhöfer in der später ausufernden Diskussion: "Uns läuft die Zeit davon." Nur noch in diesem Jahr gebe es 90 Prozent Zuschuss für den dringend notwendigen Erweiterungsbau in Troschenreuth. Schließlich seien bereits jetzt 83 000 Euro an Planungskosten für das Vorhaben ausgegeben worden.

"Die Förderkulisse endet dieses Jahr", erklärte er weiter. Deshalb müsse baldmöglichst der Spatenstich erfolgen. In Troschenreuth gibt es die einzige Mischgruppe aus Kinderkrippe und Kindergarten. Diese Notgruppe werde in diesem Kindergartenjahr außerhalb der Lockdown-Zeiten von zehn bis 14 Kindern besucht. Für Dettenhöfer war aber auch klar: "Wir brauchen auch in Bronn eine weitere Gruppe."

In einer elfseitigen Sitzungsvorlage der Verwaltung war nach einem komplizierten Berechnungsschlüssel empfohlen worden, "im Stadtgebiet die Planungen für ein Haus für Kinder voranzutreiben." Diese solle drei Krippen, zwei Kindergarten- und zwei Hortgruppen aufnehmen.

Laut Bedarfsplanung brauche man 88 Krippenplätze und 38 Kindergartenplätze, trug der Bürgermeister dieses Berechnungsergebnis vor.

Waldkindergarten in Buchau

In Buchau entstehe aktuell ein Waldkindergarten, sagte er weiter. Dieser werde Nierhoff zufolge in einem Bauwagen untergebracht. Aufgrund seiner pädagogischen Konzeption könne er "nicht vollumfänglich die Schaffung einer Kindergartengruppe erfüllen." Die maximale Gruppengröße betrage hier zehn Kinder.

Nierhoff glaubt auch, dass der Waldkindergarten "einen weiteren Einzugskreis" habe. Dort würden wohl auch viele Gastkinder betreut.

Akribisch war von der Verwaltung aufgelistet worden, aus welchem geographischen Bereich die Kinder in den vergangenen fünf Jahren von 2016 bis 2020 stammten. Damit sollte überprüft werden, ob in den einzelnen Ortsteilen "unverhältnismäßig viele Kinder" aus dem Stadtgebiet Pegnitz betreut werden. Oder umgekehrt. Ergebnis: "In den Kindertageseinrichtungen in den Ortsteilen werden auch tatsächlich überwiegend Kinder aus den Ortsteilen oder deren nächster Umgebung betreut."

Die Pegnitzer Geburtenzahlen sanken von 2010 bis 2019 von 120 auf 107. Nierhoff: "Sie blieb nahezu stabil.


"Herumtollen im Neuschnee: Ein Besuch im Auerbacher Waldkindergarten 


In der Diskussion verwies Stadtrat Manfred Vetterl (CSU) auf den künftigen Rechtsanspruch bei Kinderbetreuungsplätzen. Susanne Bauer (GU) glaubt nach Rücksprache mit FachkollegInnen aus dem sozialen Bereich, dass es wegen Corona zu einem "Geburtenboom" kommen könne und mehr Bedarf entstehe. Claus Spieler (FW) sah bei der Diskussion vorrangig "Betreuungsbedarf im Kernstadtbereich".

Und Hans Hümmer (FWG) machte mit Blick auf die maroden Gemeindefinanzen seinem Ruf als oberster Sparfuchs alle Ehre. Er glaubt, "dass von Pegnitz Kinder nach Troschenreuth rausgefahren werden". Seiner Meinung nach müsse man bei der Bedarfsanerkennung "deutlich runter gehen".

Werner Lappat (CSU) ließ sich davon wenig beeindrucken. Er verwies auf den 30 Jahre alten Troschenreuther Kindergarten. In den "veralteten Räumen" gebe es kein Büro und keinen Sozialraum für das eingesetzte Personal.

Vehement wandte sich Hümmer dagegen, "Defizite zu fördern". Statt kirchlicher Träger sollte man wie in Pottenstein externen Trägern eine Chance geben. Das klappe in Pottenstein genauso wie in Nürnberg.

Gegenargument von Manfred Vetterl gegen die Aussagen von Hans Hümmer: "Falsche Aussagen werden auch durch ständige Wiederholungen nicht wahrer." In der Stadt Pegnitz gebe es keine zusätzlichen Defizite bei der Kinderbetreuung, die finanziert werden müssten.

FRANK HEIDLER

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