Samstag, 31.10.2020

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Zu aufwendig und unwirtschaftlich: Kein Nahwärmenetz in Plech

Entwicklungen der vergangenen zwei Jahre kippen das Projekt - 18.10.2020 08:55 Uhr

Gebäudetechniker Roland Goetz und Bürgermeister Karlheinz Escher lassen sich von Architektin Cordula Breitenfellner (von links) die drei Solarkollektoren erklären, die den Keller des Rathauses leicht mit warmer Luft heizen und ihn somit trocken halten.

© Foto: Klaus Trenz


Das ganze Projekt sei von Anfang an ziemlich auf Kante genäht gewesen. Die Länge der Leitung war ausgereizt, die Wirtschaftlichkeit für Interessenten nur mit einem nicht unumstrittenen jährlichen Zuschuss der Marktgemeinde zu den Betriebskosten in Höhe von 30 000 Euro darstellbar.

Hohe Kosten für die dazu gehörenden Bauarbeiten

Dass man dafür die sich in gutem Zustand befindliche Schulstraße zumindest zum Teil aufreißen hätte und zudem noch die Staatsstraße (Hauptstraße) hätte queren müssen wäre dabei schon "unheimlich teuer" geworden, erklärt der Ingenieur für Energie- und Gebäudetechnik Roland Goetz. Dabei hätte die rund 800 Meter lange Nahwärmeleitung einige Wärmeverluste gehabt. Die Länge der Leitung sah Goetz von Anfang an sehr kritisch, als man die Vorplanungen für das Projekt im Juni 2018 im Gemeinderat ausbreitete.

Vor über zwei Jahren war noch ein weiterer Faktor ausschlaggebend für die Überlegung des Gemeinderats, mit einer dezentralen Heizungsanlage ein Signal für regenerative Energien zu setzen und mit einer Hackschnitzelheizung in der Schule auch noch der einheimischen Waldwirtschaft eine Verdienstmöglichkeit zu schaffen: Der Ölpreis. "Zu der Zeit, als wir mit den Planungen anfingen, lag der bei rund 90 Cent pro Liter", sagt Goetz. Jetzt liege er bei der Hälfte, sagt der Planer: Der derzeitig niedrige Ölpreis ist kontraproduktiv, da die Wärmeabnehmer bei der geplanten Lösung höhere zukünftige Kosten akzeptieren müssten."

Hinzu komme noch der Umstand, so Escher, dass die Tiefbaupreise in den vergangenen zwei Jahren angezogen haben. Selbst wenn sich das noch rechnen würde, dürfte keiner der Interessenten an einem Wärmenetz abspringen. "Bei nur einer Absage funktioniert das Ganze nicht mehr", so Goetz. Die momentane Förderkulisse sei dem Projekt auch nicht zuträglich, ergänzt Architektin Cordula Breitenfellner. Auch in diesem Bereich sei die Gemeinde "ausgebremst" worden.

Das Thema Nahwärme ist allerdings noch nicht ganz vom Tisch. Sowohl das Rathaus, als auch die Schule werden in den nächsten Jahren wohl eine neue Heizung brauchen. Rund um die Schule kann sich Goetz durchaus noch ein "kleines regionales Netz" vorstellen. Grundsätzlich gelte, so Goetz, dass möglichst kurze im Grünbereich verlegte Fernleitungen mit großer Wärmebelegungsdichte automatisch zu minimalen Baukosten und geringen Wärmeverlusten bei guter Wirtschaftlichkeit führten.

Auch für die Heizung des Rathauses lässt man sich noch die Option eines "teilzentralen kleinen Bereiches" offen. Gegenwärtig heizt man dort noch mit der alten Ölheizung und einem "provisorischen" kleinen Öltank. Dort eine Hackschnitzelheizung unterzubringen wäre für Escher, Goetz und Breitenfellner wünschenswert aber gegenwärtig nicht machbar, weil der Platz fehlt. Dies ginge nur, wenn das alte, unbewohnte Nachbargebäude endlich für die Marktgemeinde zu kaufen wäre. Dann könnte man dort auch eine Hackschnitzelheizung inklusive Lager unterbringen und zudem noch das Gemeindehaus und eventuell interessierte Privathaushalte in Rathausnähe mit Nahwärme heizen.

Heizung nötig im Gemeindehaus

Pfarrer Christoph Weißmann wartet jedenfalls noch ab. Allerdings sieht er in den nächsten zwei bis drei Jahren in Sachen Heizung Handlungsbedarf. Das Plecher Gemeindehaus sei noch das einzige verbliebene Gebäude im Besitz der Kirchengemeinde, das nicht mit regenerativer Energie beheizt wird. Die dortige Ölheizung wird in absehbarer Zeit gegen eine umweltfreundlichere ausgetauscht werden.

Der Kindergarten Plech war zunächst mit in den Planungen für ein Nahwärmenetz ein Thema. Allerdings hatte man diesen Gedanken bereits im Mai vergangenen Jahres aufgegeben. Planer Goetz errechnete zu hohe Wärmeverluste in der langen in der Straße zu verlegenden Leitung zum Kindergarten. Dazu kam, dass sich von den Privathaushalten an der Badstraße kaum jemand fand, der sich für einen Anschluss an die Nahwärmeleitung interessierte.

Im Kindergarten sollen eine Photovoltaikanlage, Wärmedämmung und eine Wärmepumpe den Verbrauch der neuen Ölheizung reduzieren. "Wir müssen jetzt vor allem für das Rathaus eine Lösung finden", so Escher.

KLAUS TRENZ

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