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Zu groß gedacht: Trainer der Schwimmfreunde muss Verein verlassen

Die Pegnitzer Schwimmfreunde trennen sich nach nur sieben Monaten von ihrem Trainer. - 01.08.2020 14:55 Uhr

Etwa 20 Kinder (acht davon bei einer Trainingseinheit im Februar im Bild) trainierte Andreas Behrend in der ersten und zweiten Mannschaft der Schwimmfreunde.

© Archivfoto: Klaus Trenz


Auch Andreas Behrend selbst hielt für möglich, dass es im Sommer schon wieder vorbei sein könnte mit seinem Engagement bei den Schwimmfreunden. Acht Jahre hatte der ehemalige Olympia-Schwimmer nicht mehr als Schwimmtrainer gearbeitet. Doch weil er zurück nach Pegnitz kam, wo er einen großen Teil seiner Kindheit verbracht hatte, und es einen Schwimmverein gab, der nicht locker ließ, sagte er zu.

"Ich bin nicht besonders kompromissbereit", beschrieb er sich im Februar bei einem Besuch der Nordbayerischen Nachrichten im Cabriosol. Er wollte hier Jugendliche formen, die regelmäßig bei der Bayerischen Meisterschaft schwimmen. Einen Förderverein gründen. Die Schwimmfreunde zu einer bekannten Adresse ihres Sports in der Region machen. "Ich will im Verein überall mitreden", kündigte Behrend an. Er schränkte aber ein: "Wir schauen bis zum Sommer, wie es klappt. Falls es vorwärts geht, bleibe ich dabei."

Aus dem Verein ist zu hören, dass sich Behrend tatsächlich so verhalten habe, wie er es angekündigt hatte: nicht besonders kompromissbereit und sehr meinungsstark. Allerdings trennt sich der Verein nun von ihm, nicht umgekehrt. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht", sagt Vorsitzende Susann Bauer, "wir hatten schon gehofft, dass wir in der Arbeit miteinander mehr Kompromisse finden würden."

Es war tatsächlich vorwärts gegangen – trotz Corona. Behrend schöpfte die Lockerungen stets aus. Schwimmer aus seinen beiden Mannschaften verabredeten sich zu Videokonferenzen und sahen einander über ihre Smartphones dabei zu, wie sie Kraftübungen wie Liegestützen oder Kniebeugen machen. Dann gab es noch Ausdauerläufe und als im Mai wieder das Training im Freien in Kleingruppen erlaubt war, trafen sich die Schwimmer auf der Sportanlage des Gymnasiums zur Leichtathletik. Seit einigen Wochen sind sie wieder im Wasser. Die Pegnitzer waren einer der ersten Schwimmvereine Bayerns, die von ihrer Kommune ein Hygienekonzept zur Wiederaufnahme ihres Sport genehmigt bekamen. Verfasser des Konzepts: Andreas Behrend.

Die erste Mannschaft trainierte zuletzt sechs Mal pro Woche im Cabriosol, die zweite vier Mal. Zu viel für den Geschmack der Vereinsführung und wohl auch mancher Eltern. Vor allem in Hinblick auf eine Zeit, in der die Jugend trotz Corona wieder mehr schulische Verpflichtungen haben soll.

Dem Vernehmen nach dachte Andreas Behrend einfach zu groß für die Schwimmfreunde und ließ sich von Gegenmeinungen nicht beirren. Bei den Schwimmfreunden gewannen sie den Eindruck, dass es Behrend mit seinen Vorstellungen und Methoden vor allem darum ging, die Leistungsstarken zu fördern. "Wir sind aber ein Verein für alle", sagt Susann Bauer. Fachlich könne sie Behrend nichts absprechen, im Gegenteil: "Wenn er mit den Besten Bayerns trainieren könnte, mit jungen Schwimmern, die sich aufopfern wollen – das könnte funktionieren."

Aktuell befinden sich die Schwimmfreunde in ihrer dreiwöchigen Sommerpause. Danach soll es trotz unbesetzter Trainerstelle weitergehen. Unter anderem werde ihre Tochter Sandra einspringen, sagt Bauer. "Wir werden es schaffen, eine gewisse Zeit zu überbrücken. Wir suchen aber ab sofort einen neuen Trainer."

Dass Verein und Behrend vielleicht doch noch auf einen grünen Zweig kommen, ist äußerst unwahrscheinlich. "Es gibt kein Zurück mehr", sagt Andreas Behrend. "Die Leute im Verein wissen zwar, wie man einen Pizzaabend macht, aber nicht, wie Sport geht." Er habe von Anfang an gesagt, dass es eine Phase "train to train" geben wird, also eine Zeit, in der die Schwimmer hart an sich arbeiten müssen, um überhaupt fit zu werden – trainieren, um zu trainieren. "Die Schwimmfreunde wussten immer, dass es mir um Leistung geht. Um Leistung auf einer breiten Basis, aber um Leistung." Ausdrücklich zufrieden war Behrend mit dem Austausch zwischen der Stadt und der Betreibergesellschaft des Cabriosols GMF. "Wir haben zusammen Lösungen gesucht und gefunden. Ich bin davon überzeugt, dass in Pegnitz viel mehr gehen würde."

MARCEL STAUDT

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