Bienen

Zu kalt, zu nass: Imker aus der Region ziehen Wetter-Bilanz

13.10.2021, 15:00 Uhr
Den 29 Bienenvölkern von Anton Herzing geht es gut und das ist das Wichtigste für den Imker. „Es geht mir weniger um den Ertrag als um die Gesundheit der Bienen und anderer Insekten“, sagt er.

Den 29 Bienenvölkern von Anton Herzing geht es gut und das ist das Wichtigste für den Imker. „Es geht mir weniger um den Ertrag als um die Gesundheit der Bienen und anderer Insekten“, sagt er. © Foto: Martin Burger

Der Herbst hat die Region fest im Griff und die Thermometer gehen gerade in den Nächten in den Minusgrad-Bereich. Zeit für die Bienen, sich umzustellen, verrät Bio-Imker Anton Herzing aus Büchenbach. So werden die Sommerbienen nun allmählich von den Winterbienen abgelöst. Die einen lebten nur 35 Tage und sammelten den Blütenstaub. Die anderen sorgen für eine wohlige Wärme im Bienenstock und bleiben bis in den März. "Die laufen ständig hin und zurück, transportieren dabei Nahrung und erzeugen dadurch Wärme." So überlebe ein Bienenstock auch Minusgrade, und das den gesamten Winter hinweg.

Trocken und heiß

Anton Herzing sorgt sich sehr um seine schwarz-gelben Freunde. Gerade die vergangenen drei Jahre seien sehr trocken und heiß gewesen. Nun kam ein sehr feuchtes Jahr. "Es geht mir immer nur um das Tierwohl. Wir brauchen die Bienen und die restlichen Hautflügler. Der Honig ist das Nebenprodukt der sonst auch wichtigen Bienen." Deshalb mache er sich auch nichts aus der eher mageren Ernte in diesem Jahr.

Rund 520 Kilo Honig erzeugten seine 29 Bienenvölker über das gesamte Jahr. Es sei nicht unbedingt optimal gewesen, aber im Vergleich zum vergangenen Jahr, als es nur 210 Kilo waren, auch kein schlechtes. Bereits Ende September habe Anton Herzing keinen Honig mehr für seine Kundschaft gehabt, weil der Ertrag gering ausfiel. "Wir haben unsere Kunden auf Mai vertrösten müssen, doch dann waren der April und der Mai ebenfalls so verregnet und die Bienen sind kaum geflogen."

Doch in der Gesamtheit könne er das Ganze auch nicht nur am schlechten Wetter ausmachen. Seine Völker leben nicht alle am selben Ort – vier der 29 Stöcke befinden sich zum Beispiel an einem Lehrpfad. Es mache schon einen Unterschied, wo die Bienen leben und was sich in ihrer Nähe befinde. Natürlich sei das Wetter ein Faktor, aber eben nur einer von vielen. "Wir hatten drei Jahre eine Trockenperiode und jetzt hatten wir ein nasses Jahr. Da ist wieder alles anders."

Solange es seinen Bienen gut gehe, sei er zufrieden. Trotzdem musste er den Preis für ein Glas Honig etwas anheben und auch in den Regalen der Supermärkte werde wohl der Preis steigen, ist sich Anton Herzing sicher. Deutschlandweit sei der Ertrag nicht hoch gewesen.

Das weiß der mehrfach ausgezeichnete Imker und hat gleich noch einen Tipp für die vielen Honig-Liebhaber: "Nur guter Honig kristallisiert an der Oberfläche, wenn er länger steht. Viele Käufer schreckt das ab, dabei zeigt die Kristallisation, dass es ein qualitativ hochwertiger Honig ist."

Auch in Pottenstein merkte man den Bienen an, dass das Wetter nicht ideal war. Bernhard Lang vom Bienenzuchtverein Pegnitz hegt und pflegt seit seiner Kindheit die verschiedensten Bienenvölker. "Früher, als ich noch etwas jünger war, da hatte ich bis zu 60 Völker. Jetzt sind es noch zwölf", erzählt der 69-Jährige. "Zum Jahr 2021 kann ich sagen, dass die Menschen in den vergangenen Jahren sonnenverwöhnt waren." Die Sommer waren heiß und trocken.

Doch das sei keine optimale Ausgangslage für Honigbienen, weiß der Imker. So bevorzugen Bienen eher mild-warmes Wetter mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. Gerade in der Frühlingszeit sei es in diesem Jahr zu kühl und zu nass gewesen. In diesem Zeitraum beginne jedoch die sogenannte Haupttracht, in der die Bienen mehr als eine Pflanzenart anfliegen. "Es gab aber im April noch Nachtfrost und viele Blüten sind erfroren."

Neben der minimalen Ausbeute bei der Frühjahrstracht fiel zudem auch die Waldtracht sehr schlecht aus. Diese sei deshalb von besonderer Bedeutung, weil sie eigentlich ergiebiger sei als die Blütenhonigtracht. Neben dem schlechten Wetter identifiziert Lang hier ein viel größeres Problem: die Klimaerwärmung.

"Nicht nur der verregnete Sommer macht es den Bienen schwer, sondern auch das Waldsterben." Verschiedene Insekten ernähren sich vom zuckerhaltigen Pflanzensaft der Eichen, Kiefern, Fichten, Lärchen und von den Tannen. Diese Bäume sondern dann wiederum Honigtau ab, der von den Bienen aufgesammelt werden kann. Die heißen Sommer und die stetig steigenden Temperaturen setzten aber den Bäumen enorm zu.

Niedrigerer Ertrag

Im Juli wurde zwar das Wetter etwas Bienen-freundlicher, doch leider wieder zu heiß für die Blütenwelt, erklärt Lang. "Die Nektarabsonderung der Pflanzen funktioniert bei großer Hitze einfach nicht so gut und die Trockenheit setzt den Blüten ebenfalls zu. Wenn der Nektar nicht gut fließt, dann ist der Ertrag natürlich schlechter." Alles in allem bestätigt Lang die Aussagen seines Kollegen aus Pegnitz: "Es war kein gutes Jahr für den Honigertrag. Die Bienen hatten es sehr schwer".

Der Züchter Bernhard Lang ist Mitglied des Imkerkreisverbands sowie des Bienenzuchtvereins Pegnitz. Auf dem Foto präsentiert er an der Belegstelle Hufeisen eine Königinnenzuchtstation.

Der Züchter Bernhard Lang ist Mitglied des Imkerkreisverbands sowie des Bienenzuchtvereins Pegnitz. Auf dem Foto präsentiert er an der Belegstelle Hufeisen eine Königinnenzuchtstation. © Archivfoto: privat

Die Frage, ob Wespen oder Hornissen vom Wetter profitierten, verneint der Vollblut-Imker und ahnt, worauf diese abzielt. "Es ist ein Irrglaube oder Ammenmärchen, dass Wespen Bienen jagen oder ganze Stöcke töten können. Ein gesunder Bienenstock kann sich gut gegen Angreifer wehren", sagt Imker Lang. "Wenn ein Bienenvolk geschwächt ist oder eben nicht gesund, dann könnte ein Angriff funktionieren, aber Wespen haben keine Chance gegen einen intakten Stock."

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