Ganztagsbetreuung

Zukunft des Bartl ungewiss

Volontärin beim Verlag Nürnberger Presse
Jana Vogel

Volontärin Lokalredaktion Pegnitz

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10.10.2021, 15:56 Uhr
Die Menschen hinter dem Schülercafé Bartl (von links): Heiner Falk, Leiterin Pascale Ittner, Pfarrerin Gerlinde Lauterbach und Dekan Markus Rausch von der evangelischen Kirchengemeinde Pegnitz.

Die Menschen hinter dem Schülercafé Bartl (von links): Heiner Falk, Leiterin Pascale Ittner, Pfarrerin Gerlinde Lauterbach und Dekan Markus Rausch von der evangelischen Kirchengemeinde Pegnitz. © Foto: Klaus Trenz

Kaum ist der Unterricht vorbei, spazieren die Schüler durch die Tür des kleinen Hauses hinter der Bartholomäuskirche, die Augen fest auf die Theke gerichtet. "Was gibt es heute zu essen?", lautet dann oft die erste Frage an Pascale Ittner, die an einem der runden Tische in dem mit großen bunten Kunstwerken dekorierten Zimmer Platz genommen hat. Seit mittlerweile 20 Jahren ist sie nicht mehr wegzudenken von diesem Ort, dem Schülercafé Bartl.

Von Förderschule bis Gymnasium

Hier kommen jeden Tag Kinder aus allen weiterführenden Pegnitzer Schulen zusammen, 18 sind es in diesem Schuljahr – von der Förderschule bis zum Gymnasium. Im Rahmen der Ganztagsbetreuung an bayerischen Schulen bekommen sie ein Mittagessen, eine Hausaufgabenbetreuung und ein buntes Programm an Aktivitäten für die freien Stunden danach. Und das mittlerweile schon so lange, dass nun eine Jubiläumsfeier ins Haus steht.

Streng genommen sind es schon fast 27 Jahre, seitdem der damalige Dekanatsjugendreferent Bernd Brinkmann die Idee eines offenen Jugendtreffpunktes in die Tat umsetzte. "Er hat damals den ganzen Mittag Schüler in Pegnitz herumlaufen sehen", berichtet Ittner, "und festgestellt, es gibt kein Angebot für sie, wo sie sich nach der Schule aufhalten oder ein warmes Essen bekommen können."

Mit dem Bartl schuf die evangelische Kirchengemeinde einen Ort, an dem die Jugendlichen auf ihren Bus warten, sich die Zeit am Billardtisch vertreiben oder den Computer nutzen konnten. Dort wurden ganze Abizeitungen geschrieben, weiß Ittner. Zuletzt wurde der offene Betrieb immer weniger, hauptsächlich die fest für die Ganztagsbetreuung angemeldeten Kinder kamen. Daran ist auch Corona Schuld.

Viele Sorgen durch Corona

Überhaupt hat die Pandemie vieles schwierig gemacht für das kleine Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen im Bartl. Monatelang war das Café komplett geschlossen, während die Kosten weiterliefen. Interessenten für die Betreuung im neuen Schuljahr konnten nur mühsam per Mail informiert werden. Und auch die eigentlich für Mai 2020 geplante Feier zum 25-jährigen Jubiläum fiel dadurch ins Wasser.

Dabei ist der Jahrestag für Pascale Ittner durchaus ein Meilenstein: "Ich bin schon stolz, dass wir uns trotz der Ganztagsangebote an den Schulen so lange gehalten haben." Einfach sei die finanzielle Lage für das Bartl aber nicht. Das Schülercafé wird durch Zuschüsse von Freistaat, Landkreis und der Stadt Pegnitz gefördert, erklärt Pfarrerin Gerlinde Lauterbach. Auch von externen Gruppen, die sich dort treffen dürfen, gibt es regelmäßige Spenden. "Alle Zuschüsse zusammen reichen bei Weitem nicht, um die Kosten, vor allem für das Personal, zu bezahlen", betont Dekan Markus Rausch.

Zudem würden die Zuschüsse an freie Träger seit Jahren zunehmend gekürzt, da immer mehr Fördergelder an schulische Angebote flössen, sagt Rausch. Die fehlenden finanziellen Mittel steuert die evangelische Gemeinde in Pegnitz als Träger der Einrichtung bei und versucht, einen Teil davon durch Spenden zu refinanzieren. Auch das ist durch Corona noch schwieriger geworden, als es ohnehin schon war.

"Natürlich waren auch vor langer Zeit schon Jahre dabei, in denen man wegen der Anmeldezahlen schlaflose Nächte hatte", berichtet Ittner. Doch nun wird es zunehmend schwieriger, die 14 in Vollzeit betreuten Kinder zu bekommen, die für eine Förderung durch den Staat nötig sind. Und so kann die Leiterin nur von Jahr zu Jahr planen und nicht versprechen, dass es das Café in weiteren 25 Jahren noch gibt – auch wenn sie hofft, dass sie noch lange dabei sein kann.

"Das Besondere am Bartl sind die Kinder, die vielen Erlebnisse mit den Jugendlichen, die jedes Jahr ganz neu sind", erklärt Ittner. Vieles bleibt aber auch gleich. Gerade was die liebsten Freizeitbeschäftigungen der Kinder angeht, habe sich in den vergangenen Jahrzehnten eigentlich nichts verändert: "Draußen im Hof mit dem Fußball kicken, oder auf den Basketballkorb werfen", berichtet Fabian, der es sich am Tisch nebenan zum Essen gemütlich gemacht hat. "Oder auch Tischtennis spielen, das machen wir nachmittags am Liebsten."

Der Achtklässler kannte das Schülercafé bereits durch seinen älteren Bruder, nun ist er selbst schon im zweiten Jahr hier. "Das Schöne am Bartl ist, dass es hier so familiär ist, man fühlt sich wohl", erzählt er. Dazu trägt neben Pascale Ittner ein ganzes Team bei.

Freude und gute Nerven

Im Moment gibt es vier Ehrenamtliche, die bei der Hausaufgabenbetreuung und bei den Projekten unterstützen, hinzu kommen Studierende vom sozialen Zweig der Fachoberschule in Bayreuth und jedes Jahr ein Freiwilliger im Sozialen Jahr. Derzeit ist es Peter Rattel, der in der Küche hilft, um die hungrigen Mäuler zu stopfen und den wissenden Retter bei der Hausaufgabenbetreuung spielt. "Bei Physik scheitere ich", erzählt Ittner, "aber Peter hat gerade Abitur gemacht und ist darin ganz fit." Um im Schülercafé mitzuhelfen, brauche es vor allem Freude an der Arbeit mit Jugendlichen, sagt die Leiterin – und gute Nerven.

"Sehr gute Nerven", ertönt es von den Jungs hinter ihr im Raum, und sie lacht. Natürlich müssten auch hier die üblichen Konflikte gelöst werden, die in jeder Gruppe aufträten, aber Ittner ist stolz darauf, dass das bisher immer gut untereinander gelungen sei. Nur ein einziges Mal in all den Jahren musste ein Kind rausgeworfen werden. Ansonsten blieben die meisten Kinder jahrelang, "außer sie ziehen weg oder sind fertig mit der Schule".

Bis dahin dürfen die Schüler viel mitbestimmen. Jedes Jahr wird unter den Jugendlichen ein Bartl-Sprecher gewählt. Derzeit läuft die Wahl, während des Essens geht Ittner durch den Raum und lässt die Anwesenden Wahlzettel in eine verschlossene Box stecken – ganz geheim, wie in einer Demokratie. Auch was die Gruppenaktivitäten angeht, dürfen die Kinder ihre Ideen einbringen. Kunstprojekte gab es schon, wie die großen Bilder an den Wänden des Cafés zeigen, auch ein Hochbeet haben die Schüler im Bartl zusammen gebaut.

Am meisten freue es sie in ihrer täglichen Arbeit, wenn eine Gruppenaktion so funktioniert, wie sie es vorher geplant hat, meint Ittner. Dabei denkt sie zuallererst an ihr Projekt mit dem Brigittenheim, bei dem sich Alt und Jung vor Corona einmal im Monat zum Austausch getroffen haben. "Als wir damit angefangen haben, herrschte bei den Kindern eine große Skepsis, aber dann waren wir dort. Die Kinder haben gemeinsam mit den Senioren Waffeln gebacken, und da war eine ganz wunderbare Harmonie", erzählt sie.

Nudeln in allen Varianten

Manchmal muss man es eben einfach ausprobieren und vielleicht auch ein bisschen tricksen. So hält sie es auch beim Kochen. Nudeln in allen Varianten und Süßspeisen, das sind für die meisten Kinder die Lieblingsgerichte, aber ein bisschen Gemüse muss eben doch rein. "Ich versuche, es immer zu pürieren", erzählt Ittner schmunzelnd. "Und in jedem Nudelauflauf kann man wunderbar Gemüse verstecken."

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