Zwei Bahnrelikte auf der "Abbruchliste"

25.10.2017, 08:55 Uhr
Das frühere Lokführerhaus an der Bergstraße war über etliche Jahre offizieller Jugendtreff. Bis die Betreuer häufiger wechselten und schließlich komplett geschlossen wurde.

Das frühere Lokführerhaus an der Bergstraße war über etliche Jahre offizieller Jugendtreff. Bis die Betreuer häufiger wechselten und schließlich komplett geschlossen wurde. © Archiv: Michael Grüner

Zwar werden nicht gleich heute die Maschinen zum Abbruch anrollen, aber die Weichen für die Zukunft des Lokschuppens werden in der Sitzung des Stadtrats – öffentlicher Teil, ab 18 Uhr im Goldnen Löwen – gestellt. Denn mit dem Baugebiet auf dem früheren Festplatz, der vor etlichen Jahren zum Bahngelände gezählt hat, wird sich zwischen dem Gerätehaus der Feuerwehr und dem Schützenheim von 1890 eine Menge tun.

Dort wird zum einen ein zentrumsnahes Wohngebiet entstehen und zum anderen wird auch die direkt angrenzende Hopfenoher Straße ausgebaut. Und in deren Verlängerung soll auch die Straßenführung bis zur Kreuzung der Bahnhofstraße mit der Ebersberger Straße geändert werden. Die Kurve vor dem Anwesen der Loew’schen Einrichtung soll beseitigt werden, es soll künftig eine gerade Verbindung geben.

Allein durch diese Verlegung der Straße ergibt sich eine größere Freifläche vor dem Gerätehaus der Feuerwehr als dies im Moment der Fall ist. Doch damit nicht genug. Denn: Der Stadtrat hat sich bereits für den Abbruch des Lokschuppens ausgesprochen. Das bedeutet, dass eine neue Freifläche vom Feuerwehrhaus bis zur Bergstraße entsteht. In Anbetracht dieser großen Fläche will die Verwaltung dem Stadtrat nun heute vorschlagen, den gesamten Bereich von einem Stadtplaner begutachten zu lassen. Dessen Ideen sollen dann nämlich beim geplanten Straßenausbau gleich mit berücksichtigt werden. Insgesamt handelt es sich um 3200 Quadratmeter, für die städtebauliche Ideen eingeholt werden sollen. Falls sich denn der Stadtrat zu einer Vergabe entschließt.

Bedenklicher Zustand

Um den Lokschuppen ist es schon seit Jahren ruhig geworden. Das Gebäude selbst ist in einem baulich bedenklichen Zustand. Daran scheiterten bei früheren Debatten im Stadtrat schon die Nutzung als Boulderhalle oder als Unterkunft für die Schnupperwerkstatt. Die Boulderhalle hat sich inzwischen längst in den Katakomben der Helmut-Ott-Halle etabliert und die Schnuppperwerkstatt um die beiden Initiatoren Peter Koch und Siegfried Neukam hat zumindest so lange in der früheren Metzgerei des Goldnen Löwen eine Bleibe, bis auch das Rathaus wieder auszieht.

Bereits im NN-Neujahrsgespräch im Jahr 2016 ließ Bürgermeister Joachim Neuß (FW/AA) durchblicken, dass eine Sanierung zumindest des Lokschuppens samt des direkt angebauten früheren Lokführerhauses nicht rentabel sei. Am Lokschuppen selbst seien zum Beispiel die stählernen Ständerfüße abgerostet.

Joachim Neuß sah schon Anfang 2016 baulich keine Zukunft mehr für das Gebäude. Außerdem stehe der Lokschuppen trotz seines Alters nicht unter Denkmalschutz.

Gerechnet wurde aber bereits drei Jahre vorher. So über den Daumen gepeilt. Damals ging es im Stadtrat um die Diskussion, ob der Lokschuppen zur Boulderhalle werde oder nicht. Ein Baumeister hatte damals — so hieß es im Mai 2013 im Stadtrat — eine Sanierungssumme von rund 170 000 Euro ermittelt. Diese erschien der Verwaltung etwas zu hoch gegriffen, weshalb seinerzeit ein Statiker eingeschaltet wurde, der zumindest den Sanierungsbedarf des Daches und die daraus entstehenden Kosten taxieren sollte. Die abgerosteten Ständer waren damals offenbar noch gar nicht bekannt. Genutzt wurde der Lokschuppen in den vergangenen Jahren allenfalls als Lagerhalle für sperrige Exponate, die für museale Zwecke zur Verfügung gestellt worden waren.

Anders dagegen das frühere Lokführerhaus: Dieses wurde im Jahr 1998 nach einer langen Findungsphase und nach der Gründung eines Fördervereins zum ersten, einzigen und wohl auch letzten Auerbacher Jugendtreff. Die ersten Jahre liefen gut, bis immer öfter die Betreuer wechselten — aber vor allem auch nur so lange, bis das Interesse der Jugendlichen an dem Treff deutlich nachließ.

Ende 2011 herrschte dann komplette Funkstille, weil der Betreuer keine Zeit mehr hatte. Von den Jugendlichen selbst wurde das Gebäude innen gut anderthalb Jahre vorher noch aufgehübscht. Zu einer Belebung kam es allerdings nicht mehr. Im Rathaus ist dafür eine Halbtagsstelle für eine Jugendsozialarbeiterin geschaffen und das Konzept verändert worden.

Nur Stationsgebäude bleibt

Sollten Lokschuppen und Lokführerhaus eines Tages wirklich fallen, dann ist von der Auerbacher Bahngeschichte nur mehr das Stationsgebäude erhalten, das ein Privatmann saniert und zu seinem Firmensitz gemacht hat. Vorhanden sind im Moment noch zwei Holzhallen aus der Zeit der früheren Güterabfertigung. Eine Nutzung erfahren diese Relikte des Eisenbahn-Zeitalters aber allenfalls als "Abstellkammern".

Keine Kommentare