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Zwei Landwirte blockieren Golfplatz-Retter in Königstein

Investoren würden Weiterbetrieb oder Nutzung als Campingplatz finanzieren — Verlust für den Tourismus - 27.03.2015 17:57 Uhr

Abtransport mit Symbolcharakter: Auf Tiefladern wurden die Caddy-Elektrowagen der Golfer im Januar weggefahren. Sie sollten noch ein paar Tausend Euro einbringen. © Foto: Claus Volz


Beim Tourismustag Ostbayern kam eine neue Variante für das weitläufige Gelände in Namsreuth zur Sprache. Ein Tourismus-Experte des Landkreises Amberg-Sulzbach regte an, einen Teil des Golf-Areals in einen Campingplatz zu verwandeln. Hintergrund: Einrichtungen wie Umkleideräume und sanitäre Anlagen sowie eine Gaststätte sind im Clubhaus bereits vorhanden.

Zwei Investoren wären nach Informationen unserer Redaktion in der Tat bereit, Geld für eine neue Nutzung oder einen Weiterbetrieb in die Hand zu nehmen. Mehr noch: Ein Unternehmer, der seinen Namen vorerst nicht genannt haben möchte, sieht reelle Chancen, den seit Ende 2014 gesperrten Golfplatz am Leben zu halten. Voraussetzung: Alle Grundstücksbesitzer ziehen an einem Strang.

Der überwiegende Teil der 27 Landwirte, die dort Boden besitzen, aber auch viele der Mitglieder des in Insolvenz gegangenen Golfclubs hätten großes Interesse, den Betrieb weiterzuführen. Immerhin stehen, falls die Geschäftstätigkeit nicht fortgeführt werden kann, mehr als zehn Arbeitsplätze auf dem Spiel.

„Nichts mehr zu machen“

Doch zwei der 27 Landwirte widersetzen sich dem Neuanfang. Das bestätigt Bürgermeister Hans Koch (CSU) auf Anfrage der Nordbayerischen Nachrichten. Bei einer zurückliegenden Informationsveranstaltung hatten noch fünf Grundbesitzer ihre Zustimmung nicht erteilt. Koch gelang es, drei davon zum Weitermachen zu bewegen.

Die verbliebenen zwei Gegner aber lehnten — auch nach vier bis fünf Besuchen des Bürgermeisters — kategorisch ab. „Da ist nichts mehr zu machen“, ärgert sich Koch. Hintergrund könnte persönlicher Ärger in der Vergangenheit sein, denn bei der Golfplatz-Betreibergesellschaft lief früher wohl auch einiges schief.

Einst fast malerisch: Loch 3 auf dem Golfgelände in Namsreuth bei Königstein bot eine herrliche Aussicht. Nun stehen die Chancen mehr als schlecht, den Platz noch einmal reaktivieren zu können. © Archivfoto: NN


Einer der beiden Bauern aus Namsreuth ist dabei, seinen Grundstücksteil wieder landwirtschaftlich zu nutzen. Das bringt Golfplatz-Befürworter wie den Königsteiner SPD-Ortsvorsitzenden Bernd Deichmann gehörig auf: „Es kann ja wohl nicht sein, dass eine einzelne Person den Willen von fast 30 Landwirten und von etlichen 100 Mitgliedern des Golfclubs Namsreuth blockiert.“

Die rechtliche Seite stellt sich reichlich kompliziert dar. Für den Golfplatz ist damals nur der Flächennutzungsplan geändert worden; es wurden ein Sondergebiet und Grünland für Freizeit und Sport festgeschrieben.

Ein Bebauungsplan mit rechtlicher Bindung der Nutzung ist leider nicht aufgestellt worden, bedauert Bürgermeister Koch — gäbe es einen, könnte nun nicht jeder Grundstücksbesitzer mit seinem Land tun, was ihm beliebt. Der Gemeinderat hat deshalb jetzt auch einem Antrag zugestimmt, große Teile des Platzes künftig als Pferdekoppel zu nutzen.

Alles in allem für Königstein ein „erheblicher Verlust“, bedauert Bürgermeister Koch, „für Tourismus und Gastronomie.“

HANS PETER REITZNER

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