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Pflegepersonal zögert noch: Mit Aufklärung zu höherer Impfquote

In vielen Heimen herrscht immer noch Skepsis - 17.01.2021 06:00 Uhr

Unter den Bewohnern in den Seniorenheimen ist die Impfbereitschaft hoch. Pflegekräfte scheinen hingegen vielerorts verunsichert zu sein und zögern mit der Immunisierung. 

13.01.2021 © Hendrik Schmidt, dpa


Mit seinem Vorstoß für eine Corona-Impfpflicht für die Mitarbeiter in Senioren- und Pflegeheimen hat sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nicht viele Freunde gemacht.

Auch Brigitte Lischka hält von einer angeordneten Immunisierung nichts. „Ich möchte meine Mitarbeiter überzeugen, nicht zwingen“, sagt die Geschäftsführerin des BRK-Kreisverbands Nürnberg.

Dass dafür noch einige Anstrengung nötig sein wird, steht für sie allerdings auch außer Frage. Die Impfbereitschaft sei sehr unterschiedlich, so Lischka.

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Zu geringe Quote

Sie schätzt, dass sie bei den Rettungskräften bei rund 70 Prozent liegt. Mit Blick auf die etwa 300 Beschäftigten in den drei Nürnberger BRK-Seniorenheimen, beim betreuten Wohnen und in der ambulanten Pflege sei sie jedoch „unzufrieden.“

Hier liege die Impfbereitschaft aktuell wohl nur bei „knapp über 50 Prozent.“ Genaue und vor allem valide bayernweite Zahlen hierzu gibt es nicht.

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Fest steht aber wohl, dass beispielsweise in den Kliniken die Bereitschaft von Medizinern und medizinischem Personal, sich Vakzine gegen Covid-19 verabreichen zu lassen, bislang ausgeprägter als bei den Pflegekräften ist.

Deutlich höher als angenommen

So erklärt die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG), dass „die Bereitschaft sich gegen den Covid-19-Erreger impfen zu lassen unter Bayerns Klinikbeschäftigten deutlich höher ist, als noch vor einigen Wochen angenommen“, so der BKG-Geschäftsführer Roland Engehausen.

Aus den Kliniken würden volle Anmeldelisten für die Impfung der derzeit priorisierten Personengruppen des medizinischen Personals und der Pflegefachkräfte gemeldet.

Auch Bayerns neuer Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion, dass nach „ersten Rückmeldungen der Kreisverwaltungsbehörden“ davon auszugehen sei, „dass die Impfbereitschaft unter dem Pflegepersonal in den bayerischen Pflegeeinrichtungen tendenziell deutlich hinter der eher hohen Impfbereitschaft der Bewohner in den Pflegeheimen zurückbleibt."

Als Erklärung für diese Diskrepanz führt Lischka vor allem Verunsicherung und mangelnde, objektive Information ins Feld.

Deshalb würde nun verstärkt „auf allen Kanälen“ vom Plakat über persönliche Information bis hin zum Intranet auf Aufklärung gesetzt.

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Eine „heterogenen Situation“ bei der Impfbereitschaft des Pflegepersonals sieht auch Tobias Utters. „Genaue Zahlen erheben wir nicht“, so der Sprecher des Caritas-Landesverbands, „wir haben gerade Besseres zu tun.“

Keine Arbeitserleichterung

Zu beobachten sei, dass das Vertrauen und Interesse der Pflegekräfte an der Impfung dort steigt, wo bereits vielen Kollegen immunisiert wurden. „Wo man die Leute direkt anspricht und eine gute Information betreibt, ziehen sie auch nach“, so Utters.

Bestehende Zurückhaltung fußt für ihn zum einen darauf, dass eine Impfung den immens belasteten Pflegekräften selbst erstmal keine unmittelbare Arbeitserleichterung bringt und zum anderen auf der Verunsicherung durch Falschinformationen, die beispielsweise über die Sozialen Medien verbreitet wurden und werden.

„Wichtigster Faktor ist das Gift der Querdenker, das sickert. Dieses „Diskursgift“ mache die Bekämpfung der Pandemie schwer, so Utters.

Von einem „überwiegenden Teil“ des Pflegepersonals, das sich so schnell wie möglich immunisieren lassen will, spricht hingegen Georg Borngässer.

Am besten funktioniere das in Einrichtungen, wo Bewohner und Personal gemeinsam geimpft würden, so der Sprecher der Rummelsberger Diakonie.

Unterschiedliches Vorgehen

Die Praxis ist aber verschieden, über die Verteilung und damit auch das Vorgehen der Impfteams entscheiden die jeweiligen Kreisverwaltungsbehörden. Mal werden also nur Bewohner, dann nur Personal, dann wieder beide Gruppen gleichzeitig immunisiert.

Gegen eine Impfpflicht spricht sich auch Borngässer aus. Nötig seien „Erfolgsmeldungen“ und keine Verordnungen,meint er.

Doch davon ist wohl auch nicht mehr die Rede. Was bleibt sind dringende Appelle des Gesundheitsministers Holetschek.

„Wir werben entschieden für eine Impfung und rufen alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich impfen zu lassen sobald sie nach der vom Bund entwickelten Prioritätengruppen berechtigt sind“, so der Minister.

Ganz besonders „rufen wir aber auch die Pflegerinnen und Pfleger in den Heimen sowie die Beschäftigten in den Gesundheitsberufen generell auf, sich impfen zu lassen. Sie haben eine besondere Verantwortung, weil sie mit potenziell gefährdeten Menschen zusammenkommen.“


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Die Erfahrung zeige, dass Corona vor allem für alte Menschen lebensgefährlich ist. „Deswegen ist es gerade beim Pflegepersonal nicht nur eine Frage von Verantwortungsbewusstsein, sondern auch der Solidarität, sich impfen zu lassen. Wer sich selbst schützt, schützt damit auch die anderen.“

Holetschek hälte es darüber hinaus auch für wichtig, „dass wir Vorbilder haben, die sich impfen lassen. Denn das könnte vielen Menschen die Bedenken nehmen." Sie könnten aus der Poltik, der Gesellschaft, Kultur und Sport kommen. "Diese Idee stelle ich zur Diskussion“, so Holetschek.

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