Bundestagswahl

Plötzlich stärkste Partei in drei Städten: Der große Aufschwung der Grünen in Bayern

Katrin Wiersch

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28.9.2021, 05:41 Uhr
In drei bayerischen Städten sind die Grünen die stärkste Partei.

In drei bayerischen Städten sind die Grünen die stärkste Partei. © nordbayern.de

Die bayerischen Grünen sind im Bundestag so stark vertreten wie noch nie: 18 Kandidaten ziehen für die kommenden vier Jahre nach Berlin. Punkten kann die Umwelt-Partei in Bayern vor allem in den Großstädten München, Würzburg und Erlangen - dort ist sie nach Auszählung der Zweitstimmen jeweils stärkste Partei.

Eine Überraschung gelang Jamila Schäfer. Die Münchnerin holte sich das Direktmandat. Im Wahlkreis München-Süd setzten 27,5 Prozent der Wähler hinter ihrem Namen das Kreuz; 26,8 Prozent votierten für den CSU-Kandidaten Michael Kuffer. 26,1 Prozent holen die Grünen bei den Zweitstimmen insgesamt in der Landeshauptstadt. CSU (23,8 Prozent) und SPD (19 Prozent) landen auf Platz 2 und 3.

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Neben München verzeichnen die Grünen in Erlangen das beste Ergebnis in Bayern. Mit 26,1 Prozent Zweitstimmen sind die Grünen im Stadtgebiet Erlangen die stärkste Partei. Die CSU erreicht 23,9 Prozent, die SPD sogar nur 20 Prozent. Die Erlanger Direktkandidatin Tina Prietz schafft es aber dennoch nicht nach Berlin. "Das ist extrem schade", sagt dann auch Prietz offen und ehrlich am Montag, "da braucht man nicht herumreden".

Eine weitere Grünen-Hochburg findet sich im Landkreis Erlangen-Höchstadt, der ja ebenfalls zum Wahlkreis 242 gehört: In Buckenhof schaffte die Ökopartei bei den Zweitstimmen 32,9 Prozent – insgesamt waren es in dem Wahlkreis 16,4 Prozent. Die CSU holte 22,6, die SPD 19,7 Prozent.

Auch in Würzburg sind die Grünen mit 25,57 Prozent stärkste Partei. Knapp dahinter liegt die CSU mit 24,52 Prozent, weit abgeschlagen die SPD mit 18,98 Prozent.

Aus Nürnberg schaffen es gleich zwei Politiker über die Landesliste erstmals in den Bundestag: Tessa Ganserer aus dem Wahlkreis Nürnberg-Nord und Sascha Müller aus dem Wahlkreis Nürnberg-Süd werden für die Region die Interessen im Bundestag vertreten. Ganserer sitzt seit 2013 für die Nürnberger Grünen im Bayerischen Landtag. Sie ist die erste Abgeordnete, die als Transfrau in den Bundestag einzieht. Ganserer sieht in ihrer Wahl ein "Zeichen für eine offene und tolerante Gesellschaft", dass es mit dem Direktmandat nicht geklappt hat, sieht sie gelassen, sie freut sich dennoch über ihr Ergebnis.

Sascha Müller verpasste 2017 knapp den Einzug in den Bundestag. Dieses Mal hat es geklappt. Der Landesschatzmeister der Grünen schaffte über Listenplatz sechs bei den Grünen den Sprung nach Berlin. Der 51-jährige Finanzexperte wird seinen Beruf als Sportjournalist beim Olympia-Verlag nun ruhen lassen. "Ich habe noch nie so einen engagierten Wahlkampf erlebt", sagt Sascha Müller, der es zudem wichtig findet, dass Nürnberg endlich wieder zwei Grünen-Abgeordnete stellt - erstmals seit 1987: "Wir haben eine Lücke geschlossen."

Die Forchheimerin Lisa Badum aus dem Wahlkreis Bamberg schafft es ebenfalls über die Landesliste erneut in den Bundestag. 2017 trat sie zum ersten Mal an und erreichte 9,5 Prozent der Stimmen. In diesem Jahr konnte sie 15,4 Prozent aller Wähler für sich gewinnen. Bei den Zweitstimmen schaffen die Grünen mit 14,8 Prozent nur das drittstärkste Ergebnis im Wahlkreis: Freilich, das muss Badum mit Blick auf die Zahlen gestehen, "hätten wir uns bei den Zweitstimmen ein noch stärkeres zweistelliges Ergebnis gewünscht". Woran lag's? "Definitiv nicht an unserem Wahlkampf vor Ort. Wir haben da alles gegeben", sagt die 37-Jährige. Was die Bundesebene angeht, das werde man "in Ruhe analysieren müssen".

Neben all der Euphorie ist diese Bundestagswahl aber auch das Ende für den Grünen-Abgeordneten Uwe Kekeritz aus dem Wahlkreis Fürth. Nach 21 Jahren endet seine Karriere in Berlin. "Meine Zeit in Berlin ist vorbei", prophezeite er bereits am Sonntagabend in Bad Windsheim. Trotz großer Enttäuschung, schaut er nach vorn: "Ich werde Philosoph", scherzt der 67-Jährige. Uwe Kekeritz geht "mit einem weinenden und einem lachenden Auge". Natürlich, sagt er am Tag nach der Wahl, "hätte ich die Verantwortung gerne wieder übernommen. Aber als Abgeordneter, das ist auch harte Arbeit. So gesehen hat das Ganze auch etwas Positives. Ich werde im Oktober 68 Jahre alt, bin also im Rentenalter, fühle mich aber nicht so. Ich bin fit und werde mir andere Perspektiven erarbeiten."

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