Nur noch Mittelmaß

Plötzlich Vorletzter: Bayerns Impfturbo stottert - und das ist der Grund

22.6.2021, 05:41 Uhr
Eine Arzthelferin trägt eine Corona-Impfung in den Impfpass eines Patienten ein. Während der Pfingstferien haben viele niedergelassene Ärzte in Bayern die Bestellmengen nicht ausgeschöpft, auch deshalb ist der Freistaat bei der Impfquote zurückgefallen.

Eine Arzthelferin trägt eine Corona-Impfung in den Impfpass eines Patienten ein. Während der Pfingstferien haben viele niedergelassene Ärzte in Bayern die Bestellmengen nicht ausgeschöpft, auch deshalb ist der Freistaat bei der Impfquote zurückgefallen. © Tim Wegner/epd

47,8 Prozent der etwa 13,1 Millionen Bürger in Bayern sind laut den jüngsten Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) mindestens einmal geimpft, der Freistaat liegt damit drei Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt von 50,8 und teilweise noch deutlicher hinter Ländern, die über Monate hinter Bayern rangierten.

Zum Beispiel Nordrhein-Westfalen, mit knapp 18 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Bundesland. Dort haben aktuell 53,2 Prozent der Menschen ihre erste Impfung erhalten, und auch bei der Quote der Zweitimpfungen liegt das von CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet regierte Land mit 33,0 Prozent vor Bayern (30,7). Am anderen Ende der Länder-Statistik weist derzeit nur Sachsen eine schlechtere Impfquote (45,3 Prozent Erstimpfungen, 31,0 Prozent Zweitimpfungen) als Bayern auf.

Sind die Pfingstferien schuld?

Wegen limitierter Impfstofflieferungen in den vergangenen Wochen mussten sich die niedergelassenen Ärzte und vor allem die Impfzentren im Freistaat zuletzt zwar auf Zweitimpfungen konzentrieren, aber dieses Problem betrifft alle Länder gleichermaßen. Holetschek sieht die Pfingstferien als einen Grund für den gebremsten Impffortschritt, denn der Großteil der anderen Länder hat entweder überhaupt keine oder erheblich kürzere Schulferien in der Zeit um die Pfingstfeiertage.


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Laut einer Sprecherin des bayerischen Gesundheitsministeriums seien während der Pfingstferien von den niedergelassenen Ärzten deutlich weniger Impfdosen bestellt worden, als Bayern nach dem für die Impfstoffverteilung relevanten Bevölkerungsschlüssel zustünde. Und da die Impfungen der Ärzte wesentlich zum Impffortschritt beitragen würden, hätten sich die niedrigeren Impfzahlen in diesen zwei Wochen direkt auf die Quoten ausgewirkt, erklärt die Ministeriumssprecherin.

Landtags-Grüne hatten Dringlichkeitsantrag gestellt

„Spannend wird es, wenn in den kommenden Wochen die Sommerferien in den ersten Bundesländern starten. Dann wird man sehen, ob sich das tatsächlich so gravierend auf die Impfquoten auswirkt“, sagt Christina Haubrich, die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion. Zusammen mit ihren Fraktionskollegen hatte sie bereits Anfang Mai einen Dringlichkeitsantrag in den Landtag eingebracht, in dem unter anderem ein Ausbau der Impfkapazitäten gefordert wurde.


Inzwischen über zehn Millionen Impfungen in Bayern


„Die Lieferung von Impfdosen wird in den kommenden Wochen und Monaten deutlich ansteigen“, heißt es darin. „Es ist wichtig, jetzt die Weichen zu stellen, um die Impfkapazitäten in Bayern deutlich hochfahren zu können.“ Nur so könnten die Dosen auch tatsächlich in großer Menge schnell verimpft werden.

Aktuell werden jedoch vergleichsweise niedrige Impfstoffmengen nach Bayern geliefert, doch auch die können nicht vollständig verimpft werden. So liegt der Freistaat mit 86,7 gelieferten Impfdosen pro 100 Einwohner momentan zwar auf dem siebten Rang in der Länder-Statistik, die Quote der verimpften Dosen allerdings betrug laut den jüngsten Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums nur 76,9 pro 100 Einwohner. Spitzenreiter in dieser Kategorie ist übrigens das Saarland mit einer Quote von 89,3, NRW rangiert mit 83,8 auf dem vierten Platz.

Vergleichsweise wenige Ärzte in der Fläche

Als einen Grund für diese Diskrepanz gibt das bayerische Gesundheitsministerium die vergleichsweise geringe Zahl von Ärzten in der Fläche an. „Gerade im ländlichen Raum sind die niedergelassenen Ärzte bereits ohne die Mehrbelastung durch die Corona-Pandemie sehr stark ausgelastet und können teilweise nicht im selben Umfang Impfungen anbieten wie in städtischen Regionen beziehungsweise Regionen mit hoher Arztdichte“, argumentiert das Ministerium.


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Außerdem sei in Regionen mit vergleichsweise niedriger Arztdichte zu beobachten, dass Bestellmengen nicht ausgeschöpft würden. Und die im Vergleich zu anderen Bundesländern sehr hohe Zahl von Impfzentren erleichtere der Bevölkerung zwar den Zugang zu einer Impfung, doch dabei können zusätzliche Transporte nötig sein, die zu eventuellen Verzögerungen bei der Verimpfung führen.

Ungeachtet all dieser Gründe ist auch Klaus Holetschek mit der derzeitigen Impfquote nicht zufrieden. „Auch ich wäre gerne weiter bei allen Impfungen, aber Impfstoff ist immer noch ein knappes Gut“, sagt der Gesundheitsminister. Jetzt seien in Bayern aber vermehrt wieder Erstimpfungen mit Biontech möglich, die dann logischerweise in sechs Wochen wieder mehr Zweitimpfungen nach sich ziehen würden.

Eigenes Impf-Dashboard für Bayern gefordert

Heute muss sich Holetschek mit einem weiteren Antrag der Grünen im Landtag beschäftigen, die unter anderem ein eigenes bayerisches Impf-Dashboard fordern. Eine detaillierte Aufschlüsselung der Impfzahlen nach Landkreisen und Städten soll für mehr Transparenz sorgen und auch das schnelle Nachsteuern bei eventuellen regionalen Defiziten erleichtern.