Vorstoß von Jens Spahn

Priorisierung wird aufgehoben: Was ändert sich in den Impfzentren?

18.5.2021, 13:39 Uhr
Zehntausende Impfungen wurden in Bayerns Impfzentren bereits verabreicht. 

Zehntausende Impfungen wurden in Bayerns Impfzentren bereits verabreicht.  © Fotostand / Havergo via www.imago-images.de, imago images/Fotostand

Bayern, das kündigte Ministerpräsident Markus Söder an, will den Impfturbo zünden. Die Verabreichung der Vakzine soll bereits ab kommenden Donnerstag unabhängig von Alter, Vorerkrankung und Berufsgruppe möglich sein - die Priorisierung bei den Hausärzten werde aufgehoben, kündigte das Gesundheitsministerium an. Man sei "schon weit in der Priorität drei", sagte Ressortchef Klaus Holetschek am Dienstag, deshalb sei es gut, das Tempo zu erhöhen und den Praxen mehr Flexibilität einzuräumen.

Damit marschiert Bayern voran. Jens Spahn kündigte am Montag an, die Priorisierung deutschlandweit ab dem 7. Juni aufzuheben - zumindest peile man diesen Termin an, sagte der Gesundheitsminister. Für den Freistaat bedeutet das erst einmal nichts, wie ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums auf Nachfrage der Nürnberger Nachrichten bestätigte. Die Priorisierung bei den Hausärzten endet wie geplant bereits am Donnerstag.

"Zahlreiche Hausarztpraxen melden sich vom Impfsystem wieder ab"

Zwar soll auf Bundesebene die Priorisierung auch in den Impfzentren aufgehoben werden, darüber muss in Bayern aber erst noch entschieden werden. Ob der Freistaat auch hier die Reihenfolge aufhebt oder nicht, ließ der Sprecher auf Nachfrage ausdrücklich offen. "Ich neige dazu, mir das erst einmal anzuschauen"; sagte Gesundheitsminister Klaus Holetschek während einer Pressekonferenz am Dienstag.

Erste Ärzte in Deutschland kritisieren die Aufhebung der Priorisierung. Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Nordrhein, Oliver Funken, sprach gegenüber der Rheinischen Post von einem möglichen Ansturm auf die Praxen. "Wir erleben schon heute eine extrem aggressive Stimmung bei der Impfstoffnachfrage." Die Abschaffung der Reihenfolge könne die Probleme noch verschärfen, die Regelversorgung sei in Gefahr. "Zahlreiche Hausarztpraxen melden sich vom Impfsystem wieder ab."

Im ZDF-Morgenmagazin reagierte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek auf die Kritik - und verteidigte das Ende der Priorisierung. "Es wird nicht sofort alles funktionieren und nicht unmittelbar jeder gleich eine Impfung kriegen." Aber: Grundsätzlich sei der Schritt "richtig und wichtig". Die Erwartungshaltung, sagt der CSU-Politiker, müsse bei den Menschen "klar ausgesteuert werden".