Reinhold Messner spricht emotional über seine Berge

10.10.2020, 07:10 Uhr
Reinhold Messner ist oft in seinen Museen selbst anwesend und spaziert dann dort herum. Meist hat er auch ein wenig Zeit und zeigt und sagt, was ihm wichtig ist.

Reinhold Messner ist oft in seinen Museen selbst anwesend und spaziert dann dort herum. Meist hat er auch ein wenig Zeit und zeigt und sagt, was ihm wichtig ist. © Sigrun Eibner

Reinhold Messner steuert mit schnellem Schritt auf das Museum auf dem Kronplatz zu, auch mit 76 Jahren noch immer kraftvoll und drahtig. Die graue Mähne macht ihn unverwechselbar. Keine lange Begrüßung, keine ausschweifende Einführung, Messner kommt sofort auf den Punkt und berichtet über das Messner Mountain Museum, das er hier auf 2275 Metern Höhe geschaffen hat. "Ich will über die Berge erzählen", erklärt er seine Ideen, die er in insgesamt sechs Museen in seiner Heimatregion Südtirol umgesetzt hat. Das MMM auf dem Kronplatz ist in dieser Reihe das letzte, es wurde 2015 eröffnet und widmet sich Messners großer Leidenschaft: dem Alpinismus.

"Das Äußere prägt das Innere", sagt der bekannteste Bergsteiger Südtirols. Und tatsächlich ist es in dem noch von Stararchitektin Zaha Hadid entworfenen Gebäude meisterhaft gelungen, die Landschaft zu integrieren. Innen gibt es Bilder und Geschichten über die Entwicklung des Alpinismus, auch über Messners Expeditionen. Gefesselt aber ist der Besucher von den Ausblicken aus den bodentiefen Fenstern, die wie Röhren aus dem Felsen ragen. Ganz bewusst hat Messner diesen Ort ausgewählt, von dem aus man im Westen den Ortler, im Süden die Marmolada, im Osten die Lienzer Dolomiten und im Norden die Zillertaler Alpen sieht. Berge, die Messners Leben geprägt haben.

"Das als unmöglich Erklärte wollte ich schon immer möglich machen", sagt die Bergsteiger-Legende und meint damit mehr als die Idee, auf einem Berg ein Museum zu errichten. Messners Leben lässt sich unter diesem Motto zusammenfassen. Als erster Mensch bezwang er alle 14 Achttausender und das ohne Sauerstoffflaschen. Er schrieb mit seinem Alleingang auf den Mount Everest Geschichte, durchquerte die Antarktis, Grönland und die Wüste Gobi. Er schrieb zahlreiche Bücher, drehte Filme und machte im Europäischen Parlament Politik.

Doch die Leidenschaft für die Südtiroler Heimat ist dem Mann aus dem Villnößtal geblieben Sie trieb ihn auch bei seinen Museumsprojekten an, die sich zu absoluten Urlaubermagneten entwickelt haben. Lässt sich das mit dem Anspruch, die Berge zu bewahren, vereinen? "Wo die Natur erschlossen ist, dürfen wir Tourismus gestalten", sagt Messner. Die große Kunst dabei sei jedoch das richtige Maß. Auch in Südtirol gebe es immer noch genug Platz auf den Bergen.

Das Restaurant schwebt über dem Abgrund

Davon kann man sich auf dem im Winter mit täglich 25000 Menschen drangvollen Kronplatz überzeugen. Selbst bei idealem Wetter kommen im Sommer und Herbst gerade einmal 2000 bis 3000 Besucher auf den Berg und verteilen sich im weitläufigen Gelände. Und neben Wanderern und Bikern sind darunter viele, die nach einem Museumsbesuch im AlpINN einkehren. Dieses Restaurant nimmt nicht nur geographisch, sondern auch kulinarisch eine Spitzenposition ein. Der mit drei Michelin Sternen ausgezeichnete Norbert Niederkofler geht in einem futuristischen Glasbau, der über dem Abgrund zu schweben scheint, neue Wege. Statt Pommes und Cola gibt es Gerste und hausgemachte Limonade. Niederkoflers Konzept "Cook the mountain" lässt nur regionale und saisonale Zutaten zu. "Unsere Partner erzeugen hier so wunderbares Fleisch, Wurst oder Käse, dass wir weder Hummer noch Garnelen brauchen", erklärt der Koch, in dessen Küche nicht einmal Zitrusfrüchte verwendet werden. "Das AlpINN war ein Wagnis, aber es läuft gut", zieht Niederkofler nach zwei Jahren eine erste Bilanz.

Das Drei-Sterne-Restaurant AlpINN hängt über dem Abgrund am Kronplatz.

Das Drei-Sterne-Restaurant AlpINN hängt über dem Abgrund am Kronplatz. © Sigrun Eibner

Tourismus und Nachhaltigkeit, ein schwieriger Spagat auch verkehrstechnisch. Zwar reisen die meisten Gäste in Südtirol noch immer mit dem eigenen Auto an, doch die Alternativen werden inzwischen besser genutzt. So auch der Südtirol Guest Pass, den Übernachtungsgäste kostenlos erhalten und der für alle öffentlichen Verkehrsmittel gilt. In Vierschach etwa hält der Zug direkt an der Talstation der Gondel. Von hier aus startet der Schmugglerpfad auf den 2434 Meter hohen Helm, wo die Ruinen alter Militärbauten vom Gebirgskrieg 1915 bis 1918 zeugen und einst illegale Grenzgänger Zigaretten und Schnaps zwischen Italien und Österreich transportierten – eine gefährliche, aber einträgliche Einnahmequelle für die arme Bevölkerung.

Auch das 1400 Meter hoch gelegene Meransen ist ohne Auto gut erreichbar. Von Mühlbach aus gibt es eine Gondelverbindung und vom Ortszentrum aus fährt die Kabinenbahn auf den Gitschberg. Er ist Ausgangspunkt für anspruchsvolle Touren zu den Seefeld Seen oder auf die Seefeldspitze, oder für eine gemütliche und familientaugliche Wanderung ins Altfasstal. Auf der Wieserhütte serviert Almwirt Simon Fischnaller den selbstgemachten Käse. Die Milch dafür stammt von den 20 Kühen, die den Sommer auf der Alm verbringen. Ein echter Genuss, und nachhaltig dazu.

Mehr Informationen:
Dolomiti Supersummer
www.dolomitisupersummer.com
Anreise:
Mit dem Auto ab Nürnberg über den Brenner in etwa 5 Stunden, mit dem Zug etwa 6 Stunden
Lifte:
Mit dem Liftpass Super Sommer Card (im Winter Dolomiti Superski) können 107 Lifte in zwölf Tälern genutzt werden. Saisonende ist am 7. November, bevor es in die Wintersaison übergeht. www.dolomitisuperski.com
Übernachten: Hotel Villa Stefania in Innichen, www.villastefania.com
Hotel Petrus in Reischach, www.hotelpetrus.com
Hotel Tratterhof in Meransen, www.tratterhof.com

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