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Rettet die Bienen: Tun die Kirchen zu wenig für Artenvielfalt?

Volksbegehren könnte zu neuen Auflagen auf verpachteten Feldern führen - 13.03.2019 06:00 Uhr

Die Benediktinerabtei Plankstetten (im Bild Frater Richard Schmidt) im Landkreis Neumarkt ist Vorreiter bei der kirchlichen Bio-Landwirtschaft. Seit 1994 wird hier ökologisch gewirtschaftet. © Benediktinerabtei Plankstetten


Es ist schon eine Krux mit der Artenvielfalt. Da wird nach dem erfolgreichen Volksbegehren am Runden Tisch in der Staatskanzlei noch wortreich betont, dass außer den Bauern auch andere Teile der Gesellschaft ihren Beitrag leisten müssten, zum Beispiel die Kirchen. Doch wer auf kirchlichen Flächen etwas verändern möchte, braucht vor allem einen Partner: die Landwirte. Denn die Felder sind fast alle verpachtet, kaum ein Acker wird von der Kirche selbst bewirtschaftet.

Und hier beginnt das Problem. "Die Kirche hat sich zu passiv verhalten, weil sie die Bauern nicht vergrämen wollte. Die Kirche müsste mehr tun. Jeder Einzelne, jede Pfarrei ist gefordert", meint Frater Richard Schmidt, Leiter des Bereichs Landwirtschaft in der Benediktinerabtei Plankstetten im Landkreis Neumarkt.

Wuchtiger Widerstand der Bauern

Welche Wucht der bäuerliche Widerstand entfalten kann, hat Lisa Amon erlebt, die Nachhaltigkeitsreferentin des Bistums Eichstätt. Ein Hinweis des Bistums auf das Volksbegehren, wohlgemerkt kein Appell zur Unterschrift, genügte, um einen Sturm der Entrüstung unter den Landwirten zu entfachen.

"Die Kirche soll sich da raushalten", empörten sich viele Bauern und überfluteten Amon und ihre Kollegen mit Beschwerden. "Das war teilweise sehr aggressiv", erzählt die Eichstätter Nachhaltigkeitsreferentin.

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Dabei sollte sich die Kirche eben gerade nicht heraushalten aus dem Thema. Denn die Bewahrung der Schöpfung sollte oberste Maxime sein – auch wenn sie bis vor kurzem noch viel zu wenig mit Leben erfüllt wurde.

Erst im Jahr 2016 veröffentlichte die Deutsche Bischofskonferenz das Papier "Der bedrohte Boden". "Die kirchlichen Bemühungen um eine ökologisch zuträgliche Bewirtschaftung der eigenen Flächen sind ethisch geboten, sie sind weiterzuverfolgen und an etlichen Stellen noch zu intensivieren", heißt es darin.

"Seitdem überlegen die Umweltschutzbeauftragten der sieben bayerischen Diözesen gemeinsam mit der Pfründepachtstelle, welche Bedingungen man noch im Sammelpachtvertrag festhalten könnte, um die Artenvielfalt zu fördern", sagt Amon. Leider haben die Überlegungen in mehr als zwei Jahren aber noch immer zu keinem Ergebnis geführt.

"Wir sind Söder um 25 Jahre voraus"

Das Volksbegehren sollte jetzt immerhin zuvor noch undenkbaren Schwung in die Sache bringen. Zumal es bereits reale Vorbilder gibt in der Kirchenwelt. Die Benediktinerabtei Plankstetten zum Beispiel.

"Wir sind Markus Söder um 25 Jahre voraus", sagt Frater Richard. Bereits seit 1994 werden die 150 Hektar Grün- und 150 Hektar Ackerland rund um das Klostergut Staudenhof ökologisch bewirtschaftet. Gespritzt wird nicht, alle Produkte des Hofes sind Bioland-zertifiziert.

Eine sechsjährige Fruchtfolge auf den Feldern und eine große Auswahl an Zwischenfrüchten garantiert eine große Vielfalt auf den Feldern. Der Betrieb ist breit aufgestellt, hat neben einer Mutterkuhherde auch Mastschweine, Ziegen und Schafe.

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Frater Richard ist überzeugt, dass jeder Landwirt auch als Bio-Bauer eine Chance hat. "Das Problem ist die Mentalität vieler Bauern. Sie stellen um, ändern aber die Vermarktung nicht. Während sie vorher die Vermarktung abgegeben hatten, müssen sie sich im Bio-Markt aber viel stärker selbst Abnehmer suchen", betont er.

Vorreiter bei der kirchlichen Ökologie

Die Plankstettener sind Vorreiter bei der kirchlichen Ökologie. Nicht umsonst wurde in Plankstetten im Jahr 2005 "Ökologie auf Kirchengrund" ins Leben gerufen. Die Arbeitsgemeinschaft hat inzwischen 23 Mitglieder, die sich für den ökologischen Landbau einsetzen, darunter vor allem Ordenseinrichtungen. Die Benediktinerabtei Andechs oder die Barmherzigen Schwestern in Bad Adelholzen sind zum Beispiel darunter.

Frater Richard wünscht sich, dass künftig eine fünfjährige Fruchtfolge auf kirchlichen Feldern verlangt wird. "Das kann jeder Kirchenpfleger kontrollieren. So bekommt die Vielfalt wieder mehr Gewicht", sagt er.

Blühstreifen würden zwar nichts schaden, viel sinnvoller sei es aber, die Vielfalt auf den großen Flächen zu haben. Mit der Zeit kämen immer mehr Kräuter durch. "Es ist der Wahnsinn, was da alles wächst bei uns", schwärmt der Benediktiner.

Martin Müller Redaktion Metropolregion Nürnberg und Bayern E-Mail

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