Montag, 24.02.2020

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23 Schafe haben nur eine einzige Aufgabe: Fressen

Beweidung sorgt bei Pyras für Artenvielfalt — Imposante Exoten mit prächtigen Hörnern - 26.09.2018 06:28 Uhr

Futtern zum Wohle der Natur: Bei Pyras pflegen Schafe und Ziegen die Landschaft. © Jürgen Leykamm


Die Aufgabe der kleinen Herde aus 23 Schafen und Ziegen ist dabei recht einfach und lautet: "Fressen". Denn dadurch wird der Verbuschung Einhalt geboten und der Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten kann gesichert werden. Vor knapp einem halben Jahrhundert hatte man dort noch ganz anderes im Sinn: Anfang der 1970er Jahre begann die Pleinfelder Firma Hueber auf dem Gebiet Sand abzubauen. Als der Vorrat an diesem Rohstoff dort erschöpft war, kaufte die Kreisgruppe Roth des Bund Naturschutz (BN) die 15 Hektar große Fläche auf, blicken Vorsitzende Beate Grüner und Geschäftsführer Richard Radle bei einem Pressegespräch zurück.

Verbuschung verhindern

Nach dem Erwerb erweist sich die Pflege zunächst noch als gut zu stemmen. Doch das ändert sich Laufe der Jahre. "Denn der Grundwasserspiegel ist auch wegen des ehemaligen Abbaus recht hoch, wovon auch ein in dessen Zuge entstandener Baggersee zeugt", so das BN-Führungsduett.

Die gute Versorgung mit Wasser leistet dabei neuerlicher, natürlicher Begrünung ungemein Vorschub. Dies aber genau auf jenen Teilflächen, wo man sie gar nicht haben will. Weil sie Arten verdrängt, die sich auf den einstigen Abbauflächen wohlfühlen oder gerade dabei sind, hier wieder heimisch zu werden.

Die wiederum bieten ganz verschiedene Lebensräume: Gehölze, Säume, Grasfluren und Halbtrockenrasen sollen erhalten werden. Damit heißt es der Verbuschung mit Leibeskräften zu trotzen: Doch nur mit Motorsägen und anderen Gerätschaften werden die Helfer der Lage nicht Herr.

Schnell fündig geworden

Den Schafen schmeckt es in der ehemaligen Sandgrube bei Pyras. Was wiederum den Naturschützern gefällt, die den Tieren aus der Distanz beim Weiden zugucken. © Jürgen Leykamm


So besann sich die BN-Kreisgruppe nach mehreren Pflegeeinsätzen mit Unterstützung des Landschaftspflegeverbandes Mittelfranken (LPV) das Beweidungsprojekt ins Leben zu rufen, um dem Ziel einer Artenvielfalt gerecht werden zu können. Eine solche Initiative kann natürlich nur fruchten, wenn es auch einen Schafhalter mit entsprechendem Weidebedarf gibt. Doch da brauchte man nicht lange zu suchen: Schäferin Judith Schmailzl aus Eysölden war bereits vor eineinhalb Jahren auf der Suche nach Weideflächen. Gemeinsam mit Ehemann Helmut (beide sind im Haupterwerb bei Regens Wagner Zell beschäftigt) verfügt sie über eine bunt gemischte kleine Herde mit 23 Tieren – darunter neben Zackelschafen auch Heidschnucken, Toggenburger Ziegen und Thüringer Waldziegen.

BN und LPV jubilierten, die Untere Naturschutzbehörde des Landratsamts gab ihren Segen dazu. Das Gebiet sei "als beschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesen", erläutert vor Ort Behördenvertreterin Anna Christ. Seit Juni lassen die Schmailzls ihre Tiere hier weiden. Doch dazu war auch wieder Vorarbeit nötig. "Wir mussten Beweidungsschneisen anlegen, überhaupt galt es massive Handarbeit zu leisten", so Till Scholl vom LPV.

Herde muss oft umziehen

Das gesamte Beweidungsgebiet umfasst 1,3 Hektar und ist in mehrere Parzellen unterteilt. Denn für die Herde ist häufiges Umziehen gefragt, was der Parasitendruck bedinge, erklären die Schmailzls. Zehn Stunden wöchentliche Arbeit stecken sie in das Projekt: Die Zäune gilt es auf- und abzubauen, die Tiere mit Wasser zu versorgen und vieles mehr. "Mein Vater und mein Bruder helfen aber auch eifrig mit", so die Schäferin.

Ihre Tiere, die ganzjährig draußen leben, machen sich indes übers Blattwerk, Büsche und Bäumchen her. Trotz drei Zentimeter langer Stacheln haben auch die Robinien keine Chance. Kiefer und Ginster erweisen sich als weniger schmackhaft – hier müssen im Winter die Motorsägen ran. Viele Arten danken es: Das Sandglöckchen (auch Sandrapunzel genannt) genauso wie Libellen, Schmetterlinge, Heuschrecken, Zauneidechsen, Blauflüglige Ödland- oder Sandschrecken. Auch Vögel wie der Neuntöter oder die Heidelerche, die den Standort gerade wieder für sich entdeckt haben, nahmen das Gelände in Anspruch.

"Hand in Pfote"

Die erhoffte Offenhaltung der Bereiche scheint "Hand in Pfote" zu gelingen und es bildet sich ein Mosaik an vernetzten Lebensräumen heraus. "Und unsere Tiere freuen sich über ein vielfältiges Nahrungsangebot", so Judith Schmailzl. Ein Blick zur grasenden Herde gibt ihr Recht. Aus ihr sticht der junge Zackelschafbock "Schoko" ins Auge. Oder "Kimmie", ein ostfriesischer Milchschafmix, "die Mutter der Truppe", so die Schäferin.

Gefördert wird das Projekt von verschiedenen Seiten: Freistaat, Bezirk, LPV und BN. Nachahmer zur Pflege solcher anspruchsvoller Flächen sind willkommen. Es gibt noch mehr von ihnen, die sich über eine Beweidung freuen. Das jetzige Projekt hat deshalb auch Modellcharakter. Von den hier gesammelten Erfahrungen sollen Folgeprojekte profitieren.

JÜRGEN LEYKAMM E-Mail

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