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Absperrband und leere Bänke: So verändert Corona den Rothsee

Die meisten Besucher halten sich an die Vorschriften - Gratwanderung für die Polizei - 06.04.2020 10:43 Uhr

Das tolle Frühlingswetter am Wochenende würde normalerweise Massen von Besuchern an den Rothsee locken. Doch die Ausgangsbeschränkungen zeigten ihre Wirkung – nur vereinzelt trauen sich wie hier auf unserem Bild vom Samstagnachmittag Spaziergänger und Radfahrer an das beliebte Gewässer. Die Polizei hatte im Vorfeld verschärfte Kontrollen angekündigt. © Foto: Tobias Tschapka


Die Menschen halten sich offensichtlich an die Ausgangsbeschränkungen der Landesregierung. Zumindest am Samstagnachmittag waren nur vereinzelt Spaziergänger am Seezentrum Heuberg anzutreffen. Hin und wieder fuhr am mit einem rot-weißen Flatterband abgesperrten Ufer ein Radfahrer vorbei, Passanten schlenderten alleine oder höchstens zu zweit an den leeren Tischen und Bänken der Strandhäuser vorbei. Auch auf der grünen Wiese war niemand.

Ein Polizeiauto rollte langsam über den Birkach-Parkplatz, auf der Suche nach Ausflüglern, die die Regeln nicht einhalten. Für dieses Wochenende wurden im Vorfeld bereits verstärkte Kontrollen angekündigt. Es ist fast schon ein bisschen unheimlich.

Keine Gruppenbildungen mehr, keine Coronapartys. Das ist vorbei. Von Einzelfällen abgesehen, werden die Ausgangsbeschränkungen eingehalten. "Insgesamt sind die Leute extrem vernünftig, das muss man wirklich sagen", beschreibt Erwin Leitner, der Leiter der Polizeiinspektion Schwabach, die Lage. Und auch seine Kollegen Martin Junglas aus Roth und Siegfried Walbert aus Hilpoltstein teilen diese Einschätzung.

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Für die Polizei ist es eine Gratwanderung. Sie will die Bürgerinnen und Bürger nicht gängeln, muss aber die nötigen Sicherheitsmaßnahmen in der Coronakrise kontrollieren und durchsetzen. "Die Beamten gehen mit Fingerspitzengefühl vor", betont Martin Junglas. "Wir schießen nicht mit Kanonen auf Spatzen", sagt auch Erwin Leitner. Das heißt konkret: "Kleine Gruppen sprechen wir an. Meistens ist es mit diesen Hinweisen auch getan. Die Leute reagieren dann sofort. Da gibt es keine aufgeregten Diskussionen." Mit dieser Linie hat man auch in Hilpoltstein gute Erfahrungen gemacht: "Wir leiten nicht bei jedem kleinen Verstoß ein Bußgeldverfahren ein. Das bewerten wir mit Augenmaß."

Corona: Nicht jeder ist einsichtig 

In wenigen Einzelfällen aber helfen Appelle an die Vernunft leider nicht. "Wir haben Wiederholungsfälle. Da wurden die Leute belehrt, zeigten sich aber uneinsichtig", berichtet Martin Junglas aus Roth.

Eingeschritten ist die Polizei zum Beispiel, als drei Personen in einem Auto gemeinsam zum Einkaufen unterwegs waren, obwohl sie keiner häuslichen Gemeinschaft angehören. "Wir machen keine gezielten Fahrzeugkontrollen", erklärt Erwin Leitner. "In den meisten Autos sitzt momentan nur der Fahrer. Aber wenn uns ein Wagen auffällt, werden wir aktiv."

Als zweites Beispiel nennt der Schwabacher Polizeichef eine offenbar lautstarke Feier in einer Wohnung mit vier Personen, auf die die Polizei von Nachbarn hingewiesen wurde. "Aber wie gesagt: das sind bisher Einzelfälle."

Bußgeldkatalog: Mindestens 150 Euro

"Alles in allem haben die Leute die Notwendigkeit der Maßnahmen inzwischen eingesehen. Die Bilder aus Italien hatten Wirkung", sagt Stefan Bauer von der Pressestelle des Präsidiums Mittelfranken. Die Zahlen der Verstöße werden nicht für die einzelnen Inspektionen aufgeschlüsselt, aber Bauer gibt einen Überblick:

In ganz Mittelfranken gab es am vorletzten Wochenende 5270 Kontrollen, dabei wurden 4580 Verstöße festgestellt. In 480 davon kam es zu Bußgeldern auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes.

Der sogenannte "Bußgeldkatalog Corona-Pandemie", der auch Verstöße gegen den Mindestabstand regelt, trat in Bayern am 27. März in Kraft. Dabei geht es nicht um Straftaten, sondern um Ordnungswidrigkeiten. Die Bußgeldbescheide stellen die Landratsämter und kreisfreien Städte aus.

Die Höhe reicht von 150 Euro, etwa bei Abstandsverstößen, bis zu 5000 Euro, wenn eine Gaststätte verbotswidrig öffnet, wie es in Nürnberg bereits der Fall war.

"Angesichts von Corona sind solche Verstöße keine Lappalien", erklärt Jürgen Ramspeck, der Pressesprecher der Stadt Schwabach.

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Besonderes Augenmerk muss die Polizei auf beliebte Ausflugsziele legen. Im Raum Roth-Hilpoltstein ist das vor allem der Rothsee. "Ich verstehe, dass die Leute spazieren gehen wollen", sagt Martin Junglas. Das ist nach den Vorgaben der Staatsregierung ja auch ausdrücklich erlaubt. Aber eben nur mit Menschen, mit denen man zusammen wohnt, und mit mindestens 1,50 Meter Abstand.

Das Wochenende mit dem herrlichen Frühlingswetter – eine besondere Herausforderung für die Polizei? Sowohl der Hilpoltsteiner als auch der Rother Polizeichef haben deshalb Unterstützung durch das Polizeipräsidium angefordert.

Die Beamten mussten mehrere Personen ansprechen, die sich teils bewusst, teils aus vorgegebener Unkenntnis, nicht an die Regeln der Allgemeinverfügung der bayerischen Staatsregierung hielten. Am Samstag gab es dabei keine gravierenden Verstöße zu vermelden. Mündliche Belehrungen hinsichtlich Abstand und Gruppenbildung reichten aus.

Anzeige am Samstagabend

Am Samstagabend wurden am Rothsee allerdings ein 27-Jähriger und eine 22-Jährige angetroffen, welche gegen die im Zusammenhang mit dem Covid-19 Virus verhängten Ausgangsbeschränkungen verstoßen haben, da die beiden offensichtlich kein Paar waren. Beide Personen erwartet eine Ordnungswidrigkeitenanzeige nach dem Infektionsschutzgesetz.

Befürchtet wird von vielen Experten zudem eine Zunahme häuslicher Gewalt. "Das hält sich noch im normalen Rahmen", so Erwin Leitner über die ersten Erfahrungen in Coronazeiten. "Bei den bisherigen Streitfällen blieb es bei verbalen Auseinandersetzungen, die schnell beigelegt werden konnten."

Rückgang der Einsätze

Insgesamt haben die Ausgangsbeschränkungen sogar zu einem Rückgang der Polizeieinsätze geführt. "Es gibt zum Beispiel weniger Verkehrsunfälle und Ladendiebstähle", so Leitner.

Auch die Polizei trifft Vorkehrungen, um das Infektionsrisiko zu minimieren. Bei Einsätzen achten die Beamten so weit möglich auf Abstand, die Fahrzeuge werden regelmäßig desinfiziert. Intern bleiben die vier Schwabacher Dienstgruppen räumlich getrennt, berichtet Erwin Leitner. "Dafür gibt es jetzt viele Telefonschaltkonferenzen."

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GÜNTHER WILHELM UND TOBIAS TSCHAPKA

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