Strafe zu Spende aufgestockt

AfD-Plakate abgenommen: Bußgeld und viel Applaus

30.11.2021, 10:45 Uhr
Die ungewöhnlich vielen Wahlplakate der AfD waren im vergangenen Sommer in Hilpoltstein kaum zu übersehen.

Die ungewöhnlich vielen Wahlplakate der AfD waren im vergangenen Sommer in Hilpoltstein kaum zu übersehen. © Tobias Tschapka

Viele Hilpoltsteiner werden sich noch an den Europawahlkampf im Sommer vor zwei Jahren erinnern, als die Laternen in der Allersberger Straße mit Plakaten mit so plumpen Sprüchen wie „Bikini statt Burka“ behängt waren. Urheber dieser Aktion war die Alternative für Deutschland (AfD).

Wehrte sich mit der Schere gegen AfD-Wahlwerbung vor seinem Geschäft: Charlie Leidel.

Wehrte sich mit der Schere gegen AfD-Wahlwerbung vor seinem Geschäft: Charlie Leidel. © Radsport Buchstaller

Weil er die „Geschmacklosigkeiten“ vor seinem Geschäft „nicht den ganzen Tag anschauen wollte“, schritt Charlie Leidel zur Tat. Der Besitzer von „Radsport Buchstaller“ zerschnitt zwölf Kabelbinder, mit denen die Plakate an den Straßenlaternen direkt vor dem Laden befestigt waren, und platzierte die Wahlwerbung auf dem Boden darunter. Kurz darauf hatte ein Wahlkampf-Trupp der AfD diese wieder eingesammelt.

Zwei Jahre später dasselbe Spiel: Anlässlich des Bundestagswahlkampfs wollten im vergangenen Sommer vier Männer in Lederjacken und dunklen Sonnenbrillen erneut AfD-Plakate an einer Laterne vor Leidels Geschäft anbringen. „Nicht mit mir“, sagte sich der 51-Jährige: Der Fahrradhändler erklärte den Wahlhelfern der Rechtspopulisten, dass sie sich die Mühe sparen könnten, denn er werde die Plakate sofort wieder entfernen – wie eben schon vor zwei Jahren.

Angebrüllt und angezeigt

Daraufhin hätten ihn die vier Männer angebrüllt und die Polizei geholt, erzählt Leidel. Die Konsequenz: Die Staatsanwaltschaft brummte dem Fahrradhändler eine Geldbuße in Höhe von 200 Euro auf. Diese musste er an die Fachstelle zur Vermittlung in gemeinnützige Arbeit in Fürth zahlen.

Leidel setzte indes noch eins drauf: Er überwies weitere 200 Euro als Spende an den Verein B.U.D. (Beratung, Unterstützung, Dokumentation), der sich um Opfer rechter Gewalt kümmert. Die zwölf Kabelbinder hatten übrigens nach Auskunft der Staatsanwaltschaft einen Wert von gerade einmal sechs Euro.

Beschädigte Wegwerfartikel

Die Resonanz auf Leidels Protest gegen die AfD war unterdessen „unglaublich“, wie er gegenüber unserer Zeitung betont. Erst am Montag habe ihm ein Kunde 20 Euro auf den Tresen gelegt – zur Unterstützung der Spendenaktion.

Leidel zeigt sich zumindest beruhigt, dass heuer wegen der Pandemie kein internationales Publikum die Plakatierung mitbekommen habe – was ein zweifelhaftes Licht auf Deutschland und die Stadt Hilpoltstein geworfen hätte. Die Plakatierung hätte den Eindruck erweckt, als handle es sich hier um eine „Nazi-Hochburg“, echauffierte er sich.

Die AfD-Plakate für den Bundestagswahlkampf nahmen sich dieses Mal andere Gegner der Rechten vor, die damit weniger glimpflich umgingen als Leidel. Rechtzeitig zum Challenge waren die meisten Plakate zerrissen. Nach der Bundestagswahl habe die AfD die Plakate – oder was von ihnen übrig war – wieder abgeholt, erzählt Charlie Leidel. Die Kabelbinder hätten die Rechtspopulisten dabei achtlos weggeworfen...