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Allersberg: S-Bahn bringt Pendlern mehr Takt

Die Zugverbindung von Allersberg nach Nürnberg erleichtert vielen den Weg in die Arbeit, allerdings gibt es zu wenig Parkplätze am Bahnhof und auch die Busverbindungen in die umliegenden Gemeinden müssen besser werden - 29.03.2018 14:00 Uhr


Es ist kurz vor 7 Uhr. Auf Gleis eins wartet der Allersberg-Express auf die Pendler Richtung Nürnberg. Ein Bus ist gerade angekommen, die Fahrgäste strömen über die Straße. Es ist eine ansehnliche Gruppe. Autos halten, lassen weitere Passagiere aussteigen. Andere Autos biegen in eine der vier Reihen des Parkplatzes ein. Noch gibt es freie Plätze. Eine Stunde später wird das anders sein, dann müssen die ersten Autos schon am Straßenrand in Richtung Allersberg parken, mittags steht alles voll.

Im Zug ist nicht so ein Gedränge wie auf dem Parkplatz. Pünktlich um 7.05 Uhr schließen sich die Türen und der Zug fährt los. Gemütlich schaukelt man Nürnberg entgegen, die Sonne strahlt durch die Fenster, die meisten Pendler haben Stöpsel in den Ohren, hören Musik, gucken ein Video oder lesen Zeitung. Einige quatschen auch mit dem Nebenmann, durch das tägliche Pendeln kennt man sich, eine richtige Gemeinschaft ist entstanden.

Gerald Waldmüller aus Seligenporten fährt täglich. Er ist großteils zufrieden, aber wenn der Zug mal unpünktlich ist, dann seien die Informationen oft schlecht. "Erst heißt es zehn Minuten Verzögerung, dann 20, später fällt er ganz aus." Hier sieht er Nachholbedarf. Dennoch fährt er viel lieber mit dem Zug als mit dem Auto.

Die Fahrtzeit von 13 Minuten von Allersberg bis zum Hauptbahnhof ist einfach unschlagbar. Wer die gleiche Strecke mit dem Auto bewältigen will, muss am Morgen, wenn die Autobahn voll ist, es sich am Kreuz Nürnberg-Süd und auf der Münchner Straße staut, mindestens eine halbe Stunde, eher sogar 40 Minuten einplanen.

Eine andere Pendlerin, die lieber anonym bleiben möchte, fährt täglich von Hilpoltstein aus. Sie ist zufrieden, hat aber die Erfahrung gemacht, dass, wenn das Thermometer die Null-Grad-Marke erreicht, "der Zug ausfällt". Und die Verbindungen am Abend seien "eine Katastrophe".

In der Tat: Wer nach der Arbeit noch auf einen Drink oder ein Abendessen mit Freunden oder Kollegen in der Stadt bleibt oder ungünstige Arbeitszeiten hat, der hat das Nachsehen. So fährt zwischen 21.10 Uhr und 23.42 Uhr kein Zug mehr nach Allersberg. Eine Lücke von zweieinhalb Stunden. Wer mit dem Bus nach Hilpoltstein weiter muss, hat nach der Verbindung um 20.18 Uhr keine Chance mehr. Attraktiv ist das nicht.

Im Herbst dieses Jahres soll der Allersberg-Express zur S-Bahnlinie Nummer 5 werden. Ob es auch dann noch bei dieser Taktung bleibt? Auf eine Anfrage möchte die Bahn noch nicht antworten, da die Abstimmungsgespräche mit dem Besteller, der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, derzeit noch laufen würden.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft kann aber schon einen ersten Fahrplanentwurf präsentieren, der dem aktuellen Stand der Trassenbestellung bei der DB Netz AG für den Fahrplan ab Dezember dieses Jahres entspricht. Demnach sollen die Regionalzüge von Allersberg aus immer kurz nach der halben Stunde fahren, während die S-Bahn-Züge immer kurz nach der vollen Stunde in Richtung Nürnberg starten.

Die S-Bahn aus Nürnberg soll immer zehn Minuten nach der halben Stunde losfahren, die Regionalexpresse acht Minuten nach der vollen Stunde. Mittags fahren die S-Bahnen nur im Zweistunden-Takt. Auch eine Taktlücke am Abend bleibt, schrumpft aber bei der Fahrt von Nürnberg nach Allersberg von zweieinhalb auf zwei Stunden. Dadurch verbessert sich der Takt vor allem für Pendler deutlich Bisher gibt es nur zu den Stoßzeiten morgens und abends einen etwas engeren Takt.

Wenn der Takt sich verbessert, könnte das aber auch bedeuten, dass dann noch mehr Pendler vom Auto auf den Zug umsteigen. Aber ob dann die Parkplätze am Bahnhof überhaupt noch ausreichen?

Dafür wiederum ist nicht die Bahn zuständig, auch nicht der Landkreis, aus dessen Gemeinden die Pendler zum Bahnhof strömen, sondern die Marktgemeinde Allersberg, auf deren Grund der Bahnhofsparkplatz liegt. Bürgermeister Daniel Horndasch sagt: "Ein möglicher Ausbau des Bahnhofsparkplatzes war über Jahre immer wieder am Rande Thema und wir hatten die vergangenen Jahre einen Merkposten im Haushalt stehen. In diesem Jahr haben wir den Kostenansatz aus dem Haushalt gestrichen, weil ein Ausbau nicht in absehbarer Zeit verwirklicht werden kann." Allersberg ist eine klamme Gemeinde mit der höchsten Verschuldung im Landkreis, das sagt Horndasch zwar nicht, aber derzeit wird gespart, wo es geht. Derzeit werde an einem Gewerbegebiet in der Nähe gearbeitet, er könnte sich vorstellen, dass in der Zukunft in Verbindung damit eine Entwicklung möglich wäre. Nach jetzigem Stand sei ein zeitnaher Ausbau aber kein Thema.

Parkplätze braucht man aber vor allem für diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind, um zum Zug zu kommen. Eine Möglichkeit wäre es, die Busverbindungen zu verbessern. Oder die Pendler zu animieren, es wie Werner Nixdorf zu machen. Eine Stunde später, um acht Uhr, steigt dieser gerade vom Fahrrad und sperrt es ab.

Mann der ersten Stunde

Er war ein Pendler der ersten Stunde und ist es geblieben. Seit 2006 fährt er täglich mit dem Zug zum Nürnberger Hauptbahnhof. Von dort geht es weiter mit der U-Bahn zum Plärrer, und von da ist es nur noch ein Katzensprung bis zu seinem Arbeitsplatz bei der DATEV in der Fürther Straße. Vorher pendelte er die gleiche Strecke mit dem Auto, aber der Zug ist schneller und mit dem Bus oder dem Fahrrad ist der Allersberger schnell am Bahnhof. Von der Haustür bis zum Schreibtisch braucht er manchmal nur 29 Minuten "Ich habe mein Auto deswegen weg", berichtet er. Er findet auch, dass es nur wenig Ausfälle gibt. "In den zwölf Jahren, die ich jetzt fahre, war es vielleicht 30 Mal der Fall", sagt er. Meistens sei das im Winter so, "wenn die Weiche in Feucht einfriert", sagt Werner Nixdorf.

Im Großen und Ganzen ist er sehr zufrieden, dennoch findet er, dass bei Ausfällen die Information der Fahrgäste besser sein könnte. Auch am Abend könnte der Takt etwas besser sein. Der Zug um 17.40 Uhr, der inzwischen weggefallen ist, wird von manchen Pendlern vermisst, und von Kollegen aus Heideck oder Hilpoltstein hat Nixdorf schon Klagen vernommen, dass die Busanbindung deutlich ausbaufähig sei.

Auch Sandra Schmidt aus Allersberg ist langjährige Pendlerin. Sie fährt mit dem Auto zum Bahnhof und von dort aus bis zum Rathenauplatz. Ähnlich wie Werner Nixdorf bewältigt sie den Weg zur Arbeit, wenn sie die U-Bahn günstig erwischt, in einer halben Stunde, manchmal sind es nur 25 Minuten. "Ich bin wirklich dankbar für diese Regionalbahn, es ist eine top Verbindung", lobt sie, "und eine Bereicherung für Allersberg und die Region". Der Takt passt ihr gut, auch der Zug nach Hause um 16.10 Uhr ist für sie gut. Einen Engpass auf dem Parkplatz hat sie noch nicht erlebt, morgens findet sie meistens noch einen Parkplatz, nur mittags, das weiß auch sie, wird es enger. Wenn man gegen Mittag aus Nürnberg zurückkommt, sieht man den Bedarf deutlicher, als noch am Morgen. An den Einfahrten der Parkplatzreihen und an der Zufahrtsstraße parken die Autos bereits wild am Straßenrand.

Fazit: Für die meisten Pendler ist die Regionalbahn eine deutliche Erleichterung des Arbeitsweges. Dennoch gibt es noch Nachholbedarf. Die Busanbindung in die umliegenden Gemeinden bedürfte einer deutlichen Verbesserung, damit die Bahn für Pendler eine echte Alternative wird. Auch Parkplätze gibt es derzeit zu wenige, besonders, wenn die S-Bahn bald täglich weit häufiger nach Allersberg fährt. 

VIOLA BERNLOCHER(Text und Foto)

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