Freitag, 15.11.2019

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"Antwort auf Top Gun": Richtfest in der Otto-Lilienthal-Kaserne

Die "Kaserne der Zukunft" soll 2023 fertig sein - Arbeiten laufen - 18.09.2019 06:00 Uhr

Kalkulierte 44,8 Millionen Euro fließen in die zwölf Gebäude mit 700 Einzelstuben. Jetzt wurde Richtfest der Offiziersunterkünfte gefeiert. © Foto: Marco Frömter


Die Umstrukturierung der Otto-Lilienthal-Kaserne läuft auf Hochtouren. Geht der Plan der Bundeswehr auf, wird die Offiziersschule der Luftwaffe (OSLw) komplett vom derzeitigen Standort Fürstenfeldbruck nach Roth umziehen – und zwar bis 2023.

Um die zukünftigen Lehrgangsteilnehmer – "Offiziersanwärter" – auch entsprechend in der neuen "Wiege der Luftwaffe" einzuquartieren, entstehen gerade zwölf neue Gebäude mit über 700 "Einzelstuben".

Der Bedarf wird in zwei Bauabschnitten mit jeweils zwei Unterkunftshöfen realisiert. Die Baumeisterarbeiten für die ersten beiden Höfe, bestehend aus je drei Gebäuden, sind im Wesentlichen abgeschlossen. Mit dem bevorstehenden Abschluss der Rohbauarbeiten des zweiten Abschnitts, bot sich für die Bundeswehr mit der Errichtung der Dachkonstruktion nun ein guter Zeitpunkt, die Entwicklung des Standortes öffentlich vorzustellen. Die Auftragssumme beläuft sich derzeit auf rund 44,8 Millionen Euro.


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Auch mit weiteren Bauvorhaben, wie ein Betreuungs- und Sportzentrum sowie verschiedene Verwaltungsgebäude und ein großer Lehrsaal, soll in Roth kurzfristig begonnen werden. Für diese gigantische Maßnahme beabsichtigt die Bundeswehr in den nächsten Jahren insgesamt rund 172 Millionen Euro in den Standort fließen zu lassen.

Beim Richtfest der Offiziersunterkünfte gab es Lob von allen Seiten. Die Bundeswehr gewährte einen ersten Einblick in "die Kaserne der Zukunft". Es sei beste Arbeit geleistet worden, merkte Baudirektor Bernhard Mayer vom Staatlichen Bauamt Nürnberg, das das Projekt betreut, an. Und: "Es ist schön zu sehen, wie aus Planung Realität wird." Darüber hinaus sei es für Mayer von Bedeutung, "auch einmal sehen zu können, wofür so viel Geld ausgegeben wird".


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Barbara Wießalla vom Bundesministerium für Verteidigung würdigte das Richtfest als ein echtes "Highlight". Besonders die sichtbaren Erfolge auf der Großbaustelle seien für sie eine große Freude. Dabei betonte sie, dass in der Kreisstadt nun großartige Dinge geschehen würden. Wießalla versicherte, dass in den Bundeswehrstandort auch weiterhin investiert werde.

"Hier ist die Bundeswehr sehr gut und herzlich eingebettet. Was sich hier entwickelt ist beeindruckend." Die Militärs würden ihrer Meinung nach zu lange auf harte Zeiten zurückblicken. Viele Reformen und die Aussetzung der Wehrpflicht habe tiefe Spuren hinterlassen: "Mit der Einkehr von Ruhe ist nicht zu rechnen – im Gegenteil." Deshalb sei diese "kleine Umkehr" nun ein Schritt in die richtige Richtung.

"Es kann noch mehr werden"

Noch nicht ganz klar sei sich das Verteidigungsministerium darüber, ob es in Roth bei den 700 Unterkünften bliebe: "Es können noch mehr werden." Die Offiziersschule der Luftwaffe genieße nicht nur innerhalb der Bundeswehr einen hohen Stellenwert. Es sei deshalb wichtig, dass die Baumaßnahmen und das Gesamtkonzept den angehenden Offizieren angemessen ausfallen würden. Dazu gehöre auch eine ordentliche Ausstattung der Zimmer und "WLAN für jedermann". "Die Soldatinnen und Soldaten sollen sich auf ihrem Campus wohlfühlen". Dies diene nicht zuletzt auch der Attraktivitätssteigerung des gesamten Standortes.

Neue Gebäude für die Unterbringung von Waffen und Gerät würden ebenso gebaut wie großflächige Parkplätze und ein "Antreteplatz". Wießella betonte: "Das alles bis 2023 zu schaffen, ist ein sehr ambitionierter Zeitplan." Sie zeigte sich allerdings sehr zuversichtlich, dass der Umzug der Schule pünktlich geschieht: "Wenn wir weiterhin Hand in Hand arbeiten gibt es keine Probleme." Die zum Teil stark verwaiste Kaserne biete großes Potential für Entwicklung und zur Stationierung weiterer Einheiten. Auch der Neubau eines Sanitätszentrums sei bereits genehmigt.

Bernhard Mayer (Staatliches Bauamt Nürnberg), Brigitte Brunner (Bayerisches Staatsministerium), Barbara Wießalla (Bundesministerium der Verteidigung), Generalleutnant Ingo Gerhartz und der leitende Architekt Professor Eckhard Gerber. © Foto: Marco Frömter


"Die Bayerische Staatsregierung wirft ebenfalls ein besonderes Auge auf Roth", erklärte Ministerialdirektorin Brigitta Brunner. "Hier in Roth wird bald hochqualifizierter Nachwuchs für die Streitkräfte ausgebildet, der in eine sichere Zukunft führt." Roth sei weiterhin ein wichtiger Standort für die Bundeswehr. "Es ist gut, dass der Bund ordentlich Geld in die Hand nimmt."

Die "längst überfällige Trendwende in der Rother Kaserne" begrüßte auch Bürgermeister Ralph Edelhäußer. Die Politik habe dies viel zu spät erkannt. Edelhäußer versicherte: "Die Stadt Roth steht Gewehr bei Fuß für unsere Soldatinnen und Soldaten."

Hohen Besuch gab es auch seitens der Militärs. Generalleutnant Ingo Gerhartz nahm ebenfalls am Richtfest teil. Der Inspekteur der Luftwaffe merkte nach einem Rundgang des Standortes scherzhaft an: "Die Offiziersschule ist die bayerische Antwort auf Top Gun."

Die Otto-Lilienthal-Kaserne beheimatet aktuell das 9. Feldjägerregiment 3, zwei Dienststellen des Sanitätsdienstes sowie zwei Ausbildungskompanien des Luftwaffenausbildungsbataillons aus Germersheim.

Marco Frömte E-Mail

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