Montag, 18.01.2021

|

Auf Streife am Himmel: Landung im Ruhestand

Manfred Röder verabschiedete sich nach 32 Dienstjahren als Chef der Polizeihubschrauberstaffel in Roth. - 11.01.2021 06:00 Uhr

Manfred Röder nach 32 Jahren im fliegerischen Polizeidienst coronabedingt leise „Servus“, um ab 2021 die Zeit als Pensionist zu genießen.

10.01.2021 © Foto: Stefan Rösch


In Bayern gibt es derzeit zwei Standorte der Polizeihubschrauberstaffel Bayern, und zwar am "Franz-Josef-Strauß"-Flughafen in München und der Außenstelle in Roth. Zur Verfügung stehen über acht Hubschrauber von Airbus Helikopter, Typ "EC 135".

Die Anfänge der Polizeihubschrauberstaffel Bayern reichen zurück bis in die 1950-er Jahre. Schon 1956 stellte der bayerische Landtag den Antrag auf Errichtung einer Polizeihubschrauberstaffel. Die Notwendigkeit wurde zwar anerkannt, das Ansinnen jedoch scheiterte aus Kostengründen.

Einige Jahre und Anträge später konnte dann ein erster Erfolg in Sachen Polizeihubschrauberstaffel verbucht werden. Im Jahr 1965 wurde die Erlaubnis erteilt, eine Besatzung (ein Flugtechniker und ein Pilot) beim damaligen Bundesgrenzschutz in Bonn-Hangelar auszubilden. 1967 gab es schon vier komplette Besatzungen.

Am 9. Juli 1970 war es dann so weit. Die Polizeihubschrauberstaffel Bayern wurde gegründet und die vier Besatzungen bekamen eigene Hubschrauber. Neubiberg war damals die Homebase der bayerischen Polizeiflieger. Von dort aus starteten von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang Streifenflüge zur Verkehrsüberwachung in ganz Bayern. Zunächst wurde mit Hubschraubern des damaligen Bundesgrenzschutzes geflogen.

Um die schnellere Erreichbarkeit des nordbayerischen Raumes zu gewährleisten, suchte die Polizeispitze einen geeigneten Standort, den man auf dem Gelände der Otto-Lilienthal-Kaserne Roth fand. Am 1. Juni 1974 wurde die Außenstelle Roth auf dem "Fliegerhorst" offiziell ihrer Bestimmung übergeben.

Dieser "Stützpunkt" war anfangs mit drei Beamten besetzt, einer Besatzung plus ein "Spieß", der oftmals als Co-Besatzungsmitglied im Einsatz war.

Die Außenstelle Roth wurde zunächst immer wieder von Personal aus München unterstützt, damit die polizeiliche Präsenz in Nordbayerns auch tagtäglich sichergestellt werden konnte. So wurde auch 1995 Manfred Röder nach Roth abkommandiert und zum 1. Juni 1996 zum Chef der Polizeiflieger Roth ernannt.

Sachs möglicher Nachfolger

Nach und nach wurde das Personal der Hubschrauberstaffel aufgestockt, immer mehr junge Beamte wurden zur Fliegerschule des damaligen Bundesgrenzschutzes (heute Bundespolizei) in Bonn zur Ausbildung als Flugtechniker oder Pilot geschickt. Aktuell gehören der Außenstelle Roth über 40 Personen an, darunter auch der langjährige Stellvertreter Röders, Michael Sachs, der wohl in einigen Wochen zum neuen Chef der Dienststelle ernannt wird.

Im Juli 2020 genehmigte der Haushaltsausschuss des Bayerisches Landtags 100 Millionen Euro für die Beschaffung von acht neuen Hubschraubern ([5]Modell Airbus H145[/5]) als Ersatz für die EC135. Die neuen Hubschrauber sollen zur größeren Vier-Tonnen-Klasse gehören und dann mit bis zu 1200 Litern ein mehr als doppelt so großes Löschwasservolumen und auch eine doppelte Reichweite mit Passagieren von 700 Kilometern bieten. Die EC135 sollen nach der Inbetriebnahme der neuen Modelle verkauft werden.[5] [/5]

Die Polizeihubschrauber unterstützen schon jetzt mit innovativer Technologie wie der Wärmebildkamera bei der Verbrechensbekämpfung, der Vermisstensuche, der Bewältigung besonderer Verkehrs- oder Einsatzlagen sowie bei Katastropheneinsätzen. Also auch Transport von Außenlasten und Einsätze mit der Rettungswinde. Kurzum: die Staffel ist in allen Einsatzbereichen einer modernen Polizei unterstützend tätig, und das rund um die Uhr.

In Roth stehen in der Regel zwei bis drei Hubschrauber in verschiedenen Konfigurationen zur Verfügung. Von Roth aus werden nicht nur Einsätze in ganz Nordbayern geflogen, sondern auch die Hubschrauber werden vor Ort selbst gewartet. Ebenfalls vor Ort finden auch Übungseinsätze statt, beispielsweise am Rothsee, damit sogenannte "luftunterstützende Wasserrettungskräfte" Verunglückte aus dem Badesee ziehen können.

Bayernweit wurden zuletzt bis zu 3000 Einsätze im Jahr geflogen, darunter fallen auch Übungseinsätze. Trainiert wird mittlerweile auch mit der Bergwacht.

Da das bisherige Dienstgebäude in Roth mittlerweile aus allen Nähten platzt, wie Polizeihauptmeister Stefan Rösch, der auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, betont, steht ein Umzug in ein Gebäude im Bereich der ehemaligen Tigerhallen bevor, das gut 300 Meter entfernt steht.

Letzte fliegende Einheit in Roth

Nicht vergessen werden sollte: Die einzig verbleibende fliegende Einheit am Standort Roth hatte wegen der Bundeswehrreform 2012 bereits gerechnet, nach Nürnberg auf das Gelände des dortigen Flughafens ziehen zu müssen. Doch die für Roth angekündigten "Tiger" kamen [6]nicht. Und auch die totale Schließung des Bundeswehrstandorts Roth fand letztendlich nicht statt.

"Gott sei Dank", meint Rösch, der sich wie seine Kameraden sehr wohl am Standort Roth fühlt. Schließlich gebe es dort auch keinerlei Kollision mit einem anderweitigen Flugverkehr. Und, was auch zählt: "Meiner Ansicht nach genießen wir in Roth eine sehr hohe Akzeptanz in der Bevölkerung".

DETLEF GSÄNGER

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Roth