B2 Ortsumgehung: Wernsbach, wie im Paradies

19.8.2020, 05:43 Uhr
Wernsbach ist nun für viele das Paradies.

Wernsbach ist nun für viele das Paradies. © Hans Pühn

Das Wernsbacher Urgestein Willi Bergmann und seine Familie litten fast ihr ganzes Leben unter der Verkehrsbelastungdurch die Bundesstraße 2. Das durch die Bundesstraße 2 regelrecht zweigeteilte Wernsbach traf es jahrzehntelang besonders hart. Seit einigen Wochen herrscht wieder Ruhe im Dorf. "Eine paradiesische Ruhe" findet Familienoberhaupt Willi Bergmann, der fast sein Leben lang dem Lärm einer vielbefahrenen Hauptstraße ausgesetzt war. Die feierliche Freigabe der Umgehungsstraße morgen um 11 Uhr lässt in Wernsbach das dörflich-sympathische Flair früherer Jahre einkehren.

 

 

 

Am Dorfweiher dagegen nimmt man die neue B 2 wahr. Bergmann (70) trifft sich regelmäßig mit Nachbarn an der schmucken Weiherhütte, ein Gemeinschaftswerk von Feuerwehr und Dorfbewohnern, auf ein Feierabendbierchen. Den traditionellen Stammtisch gibt es nicht mehr, seit das Dorfwirtshaus im Zentrum vor einigen Jahren den Schankbetrieb eingestellt hat.

Willi Bergmann kann sich gar nicht mehr vorstellen, wenn am Dorfweiher sein Blick auf die neue Straße fällt, dass all die vielen Lkw und Autos vor einigen Wochen noch an seinem Grundstück vorbeigedonnert sind. Paradiesische Zustände herrschen jetzt vor dem ehemaligen Bauernhof, der sich seit fünf Generationen im Besitz der Familie Bergmann befindet. Der Ururgroßvater des gelernten Stahlbauschlossers hatte in der Zeit um 1850 den Grundstein gelegt. Ein weiterer Grundbucheintrag stammt aus dem Jahr 1896.

Der betreffende B2-Teilabschnitt.

Der betreffende B2-Teilabschnitt. © Staatliches Bauamt

Skulpturengalerie im Abseits

Aber nicht allerorten in Wernsbach herrscht eitel Sonnenschein über die neue Situation. Bei Fritz Meyer, ebenfalls seit Jahrzehnten an der Hauptstraße daheim, hält sich die Freude in Grenzen. Ihm gehen durch den wegfallenden Durchgangsverkehr viele Interessenten für seine Skulpturengalerie "Into Afrika" verloren. "70 bis 80 Prozent meiner Kunden kamen von der Straße", schätzt Meyer.

Zudem ist derzeit sein zweites Standbein, Workshops und Bildhauerkurse, wegen der Corona-Pandemie weggebrochen. "Ich sitze auf dem Trockenen", sagt Meyer, der seit über 20 Jahren mit Künstlern aus Afrika zusammenarbeitet. Die Notwendigkeit einer Umgehungsstraße für Wernsbach aber stand auch für ihn nie außer Frage.

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