Bauern-Demo: Aus dem Landkreis Roth rollen Traktoren an

Autorenprofil Micha Schneider Foto: Benjamin Huck Datum: 13.05.2019
Micha Schneider

Springer-Redaktion

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17.1.2020, 09:01 Uhr
Auch aus Roth werden sich hunderte Traktoren mit wütenden Landwirten nach Nürnberg aufmachen, um zu demonstrieren.

Auch aus Roth werden sich hunderte Traktoren mit wütenden Landwirten nach Nürnberg aufmachen, um zu demonstrieren.

10.000 bayerische Landwirte strömen mit ihren Gefährten sternförmig in die Stadt und wollen damit ihren Unmut über die Agrar- und Umweltpolitik zum Ausdruck bringen.

Der "Traktoren-Treffpunkt" aus südlicher Richtung ist in Roth. Vom Parkplatz Steinerne Eiche in der Hilpoltsteiner Straße und An der Lände in Roth werden sich ab 10 Uhr hunderte Traktoren auf den Weg in Richtung Nürnberg machen. Die Bauern fahren über Penzendorf und die Münchener Straße zum Volksfestplatz nach Nürnberg und werden dabei von der Polizei begleitet. In Roth werden Bauern aus dem Augsburger Raum oder auch Niederbayern erwartet. Eine andere Route beginnt in Burgthann im Nürnberger Land und führt durch Wendelstein. Auf beiden Strecken sollten die Autofahrer auf Verzögerungen gefasst sein.

Manfred Dorner, der stellvertretende Kreisobmann des Rother Kreisverbands, wird den Konvoi als Zugführer anführen. "Viele Bauern wollen zeigen, dass es so nicht mehr weitergeht", sagt Dorner.

Alleine in Mittelfranken gebe es mittlerweile sechs WhatsApp-Gruppen für die Demonstration. "Mehr als 256 Mitglieder kann man ja nicht in eine solche Gruppe aufnehmen", sagt Dorner, der nur in einer dieser Gruppen vertreten ist. Deshalb kann er auch nicht genau sagen, wie viele Bauern teilnehmen. Man kann es sich aber angesichts der Gruppengrößen der Chats schon ungefähr ausmalen.

"Die Schnauze voll"

Thomas Schmidt, der Rother Kreisobmann, schätzt, dass alleine von Roth aus 500 Traktoren losfahren werden. "Viele Bauernbetriebe haben einfach die Schnauze voll", sagt Schmidt. Aktuell kocht vor allem das Thema der geplanten erneuten Verschärfung der Düngeverordnung durch die Bundesregierung hoch. In ganz Bayern wehren sich Landwirte dagegen. Zum besseren Schutz des Grundwassers sollen die deutschen Bauern das Düngen unter anderem mit Gülle weiter einschränken. Die EU-Kommission hatte Deutschland wegen zu hoher Nitratwerte verklagt und 2018 beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) Recht bekommen.

Die Bundesregierung bereitet deswegen weitere Neuregelungen vor, die die erst 2017 geänderten Vorgaben noch einmal verschärfen sollen. Der Entwurf der neuen Düngeverordnung soll im April im Bundesrat verabschiedet werden. Thomas Schmidt vom Bauernverband Kreis Roth bezeichnet die geplanten erneuten Verschärfungen als "hirnrissig und kontraproduktiv". Doch das ist nicht das Einzige, was die Landwirte stört. "Es brennt an vielen Stellen. Die Bürokratie wird jedes Jahr mehr, die Preise bleiben gleich, aber unsere Kosten steigen", sagt Dorner, der in Eysölden einen eigenen Betrieb mit 100 Hektar landwirtschaftlicher Fläche, 80 Milchkühen, 240 Rindern und auch Schweinen betreibt.

"Es wird einfach von der Gesellschaft nicht erkannt, was die Landwirte in den letzten Jahren eigentlich gemacht haben", sagt Dorner. Er selbst habe in seinem Betrieb seit acht Jahren Blühstreifen angebaut, auch die Böden würden die Bauern nachhaltig bewirtschaften. "Das wird alles nicht gesehen."

Die jüngeren Landwirte würden sich angesichts der aktuellen Lage fragen, ob sie sich das wirklich noch antun wollen. Der 18-jährige Sohn von Dorner ist beispielsweise mittlerweile im dritten Ausbildungsjahr und wird im Sommer fertig. Auch er habe schon ziemliche Stimmungstiefs gehabt, was die eigene Zukunft angeht. "Mittlerweile geht es wieder, aber im letzten Frühjahr hat er sich auch mal gefragt, warum er das eigentlich machen soll", erzählt Dorner. Er würde das Handwerkszeug lernen, werde aber nur an den Pranger gestellt und andere Leute, die den Beruf nicht gelernt haben, würden ihn bevormunden, wie er seine Arbeit zu erledigen habe.


Tausende Landwirte wollen protestieren: Legt Bauern-Demo Nürnberg lahm?


Der Traktor-Protest sei deshalb absolut sinnvoll. "Wir merken, dass die Politiker wieder mit uns reden, dass auch die Medien erkennen, dass es ein Problem geben muss, wenn sich so viele Bauern auf den Weg machen", sagt Manfred Dorner und Thomas Schmidt ergänzt: "Das bringt auf jeden Fall etwas. Die Politiker haben jetzt gemerkt, dass das, was ich ihnen schon lange erzählt habe, keine Übertreibung war, sondern dass das alle Bauern im Land so wahrnehmen."

Bereits Ende November rollten tausende Traktoren aus der ganzen Republik zur Bauern-Demo nach Berlin. Auch in Franken startete ein kilometerlanger Protestzug. Am Freitag wird es nun auch in Nürnberg und Umgebung laut. Richtig laut.

In unseren Live-Ticker auf nordbayern.de berichten wir über die Demonstration.

 

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