Donnerstag, 21.11.2019

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Bratwürste fliegen aus Franken nach Mallorca

Die Metzgerei Böbel aus Rittersbach hat sich auf den Versand von Fleisch- und Wurtswaren spezialisiert - 21.08.2016 18:28 Uhr

Einer der unkonventionellen Einfälle des pfiffigen Unternehmers: Das Wursttaxi bringt Fleisch, Wurst und Co. auf Wunsch direkt bis vor die Haustüre. © Foto: Andreas Regler


Das kommt heraus, wenn Erfindergeist, traditionelles Handwerk und moderne Technik aufeinandertreffen: Mit seinem internetgestützten Wurstversand hat Metzgermeister Claus Böbel das Familienunternehmen neben dem klassischen Verkauf nicht nur um ein solides zweites Standbein erweitert, sondern nebenbei auch noch sein Heimatdorf weltberühmt gemacht. Denn mittlerweile verschickt der findige Unternehmer seine Wurstwaren vom heimischen Rittersbach aus bis ans andere Ende der Welt.

Wer vor dem Geschäft in der Ritterstraße 9 im beschaulichen Gmünder Ortsteil Rittersbach steht, der merkt schnell, dass er hier keine normale Metzgerei vor sich hat. Durch eine stilisierte grüne Schweinesilhouette geht es, vorbei an einem 24-Stunden-Wurstautomaten im Vorraum, hinein in den ebenfalls in sattem Grün gehaltenen Verkaufsraum. Und mit ein wenig Glück parkt auch noch das knallgrüne Böbel’sche Wursttaxi, mit dem Wurst, Fleisch und andere Produkte auf Wunsch direkt zum Kunden geliefert werden, vor dem Laden.

Im World Wide Web

Die Metzgerei in Rittersbach ist aber nur ein Teil des Unternehmens von Claus Böbel, quasi die Spitze des Eisbergs. Der 46-Jährige, der den Betrieb 2009 von seinem Vater übernommen hat und ihn nun in der dritten Generation führt, ist bereits seit vielen Jahren im World Wide Web präsent.

„Die größte Neuerung war es, die Metzgerei ins digitale Zeitalter zu führen“, erzählt er und fügt stolz hinzu: „Meine Homepage ist älter als die von YouTube.“ Schon seit 1999 existiert die Metzgerei Böbel auch im Netz.

Wie er auf das Online-Geschäft kam? „Handel ist Wandel“ heißt eines seiner Mottos. „Das Gleiche wie gestern zu machen und nur auf Neues zu hoffen, ist idiotisch.“ Auf das aufstrebende Medium Internet zu setzen, erwies sich als goldrichtig.

Denn einfacher und günstiger als per Internet könne man kaum expandieren, ist der pfiffige Unternehmer und Marketing-Autodidakt überzeugt.

Mit dem Wurstbrief fing es 2004 an, drei Jahre später ging der Online-Verkauf dann so richtig los. Mittlerweile kann der Kunde unter www.umdiewurst.de oder aus einem über 100 Seiten starken Katalog seine Lieblingsprodukte wählen. Von klassisch bis exotisch, von der Gelbwurst über Bratwurst-Pralinen bis hin zur selbst kreierten Wunschwurst ist alles lieferbar. Und die Abnehmer – zum Beispiel ausgewanderte Deutsche, die „kaufen Heimat“ – kommen praktisch aus aller Herren Länder.

Auch wenn die große Masse in Deutschland bleibt, rund fünf Prozent der Versandware verschickt die Metzgerei innerhalb der Europäischen Union. Erst kürzlich, erläutert Böbel, habe beispielsweise ein Kunde aus Mallorca Bratwürste für Gesamtkosten von 300 Euro für eine Feier geordert.

Der weltweite Handel macht demgegenüber zwar nur etwa ein Prozent aus. Rittersbacher Wurstwaren schafften es nichtsdestotrotz per Spezial-Kühlpaket schon bis nach Australien, Japan, die USA, Brasilien oder sogar Afghanistan. Nur der afrikanische Kontinent ist noch Terra Incognita für den Metzgermeister – bislang zumindest.

Ein Selbstläufer war das Ganze freilich nicht. Auch wenn das Online-Geschäft die ersten Jahre schleppend lief, so mache das Internet heute bereits rund 50 Prozent seines Umsatzes aus, erzählt der quirlige Unternehmer. Dafür steht er aber auch nur noch die Hälfte der Arbeitszeit im Laden.

Netzwerken kostet Zeit

Die restliche Zeit investiert er in das Netz und die sozialen Netzwerke. Denn eine Internetpräsenz will gepflegt sein und das Netzwerken – Böbel ist nicht nur Metzgermeister, sondern bietet außerdem auch Wurst- sowie Marketingkurse an und ist als Referent und Autor aktiv – kostet ebenfalls Zeit. Andererseits: „Es käme ja auch niemand auf die Idee, seinen Laden nicht zu dekorieren. Das Internet ist ein Schaufenster“ und Werbung findet bei Böbels vor allem digital statt.

Von Altkanzler Helmut Schmidt stammt das vielzitierte Bonmot: „Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen.“ Dass die zweite Möglichkeit, diese Ideen nämlich umzusetzen, nicht einfach, aber durchaus erfolgreich sein kann, das beweist Metzgermeister Claus Böbel seit Jahren eindrucksvoll.

Am Ende seiner Visionen ist er dabei noch lange nicht angelangt. Und das nächste große Projekt, bei dem sich dann alles um die fränkische Spezialität schlechthin drehen soll, steht schon in den Startlöchern: Die „Fränkische Bratwurst-Erlebnis-Welt in Rittersbach“ – inklusive Bratwurstwanderweg, Bratwurstaurant und Übernachtung im BratwurstThemenzimmer...

ANDREAS REGLER

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