Montag, 16.09.2019

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Broterwerb kollidiert mit Spitzensport

Berufstätigkeit wird zur verschärften Herausforderung für die TT-Abteilung des TV Hilpoltstein. Gesteigerte Verpflichtungen für Hannes Hörmann. - 23.08.2019 16:47 Uhr

Weil der Ausrüster keine Kleinserie gelb-schwarzer Trikots liefern konnte oder wollte, treten die TT-Asse des TV Hilpoltstein in der kommenden Saison ganz in Schwarz auf. Beim Mannschaftsfoto sorgte ein Bierlaster für Farbe. Für den fehlenden Dennis Dickhardt sprang Johannes Stumpf (Zweiter von links) aus der Zweiten als Dummy ein. Ansonsten: David Reitspies, Hannes Hörmann, Alex Flemming, Franciso Sanchi und ein letztes Mal am Steuer Manager Bernd Beringer.


Dickhardt vorzustellen, war wie beim Rest des Quartetts nicht unbedingt notwendig. Die Vier treten in Einzel wie Doppel in der gehabten Formation an, mit der Ausnahme, dass der tschechische Nationalspiel David Reitspies Kapitän Alex Flemming als Nummer eins im vorderen Paarkreuz abgelöst hat.

Auch diese Personalie hat, so Manager Bernd Beringer, mit beruflichen Situationen zu tun. Alex Flemming kann sich nun als Leiter einer Tischtennisschule und Trainer beim TV Hilpoltstein nicht mehr nur auf sein Spiel konzentrieren. Außerdem ist er als Weltcup-Sieger im Clickball, was mit einem Preisgeld von 20 000 Dollar im vorigen Jahr auch zum Broterwerb beitrug, in einer anderen Spielart des Tischtennis unterwegs: "Die spieltechnische Umstellung verkraftet er, aber nicht immer die Zeitumstellung, wenn es gleich nach der Landung in der Liga weitergeht."

David Reitspies steht als einem von vier tschechischen WM-Teilnehmern mit 22 Jahren eine große Zukunft bevor, doch hat sich bei ihm die Erkenntnis durchgesetzt, dass er allein mit Tischtennis seine Brötchen nicht wird verdienen können. Er fängt deshalb jetzt ein Physiotherapie-Studium in Prag an.

Sanchi hat alle überrascht

Der letztjährige Neuzugang Fracisco Sanchi, argentinischer Nationalspieler, bliebt die Nummer vier – gelobt von Beringer wegen seiner Nervenstärke in der Abstiegsgefahr der zurückliegenden Saison: "Er hat alle Experten und auch uns überrascht."

Zum ersten Ersatzspieler und Leader der frisch aufgestiegenen Regionalliga-Mannschaft ist Hannes Hörmann avanciert. "Er soll so langsam an die Zweitliga-Mannschaft herangeführt werden." Das ist für die Abteilung von vitalem Interesse. "Denn", so Betreuer Uli Eckert, "der Verband stellt ganz schöne Anforderungen an den 16-Jährigen. Gott sei Dank sind wir aufgestiegen." Die Regionalliga ist die Spielklasse, die den DTTB-Funktionären als richtige Spielklasse für das Talent vorschwebt. Hörmann, der im Leistungszentrum München trainiert, strebt auch – im Gegensatz zu seinen nationalen Konkurrenten – die Hochschulreife an, womit sich er und der TV mit einem weiteren beruflichen Aspekt befassen muss. In wieweit er tatsächlich als Reserve für die 2. Liga einspringen kann, sei, so Uli Eckert, eine ganz andere Frage, denn der Terminkalender des Jungen lasse nicht viel Spielraum.

Der Zwang, die Regionalliga zu halten, steckt ebenfalls im Anforderungsprofil des Verbandes. Da mit Jaka Golavsek ein erfahrener Leistungsträger den Aufsteiger verlassen hat, legte der Verein in dieser Hinsicht nach.

Verstärkung aus Tschechien

Als Hörmanns Partner im vorderen Paarkreuz und zweiter Ersatzmann für die Zweitliga-Mannschaft wurde der ehemalige tschechische Nationalspieler František Krčil (45) ins Boot geholt, der zuletzt bei Fortuna Passau und Regenstauf gespielt hat. Als Golavseks Nachfolger ist Krčils Landsmann David Palkovsky mit von der Partie.

Bei den Prognosen für das Abschneiden beider Mannschaften gönnt sich Beringer viel Spielraum: Von Platz zwei bis zehn ist alles möglich." In der 2. Bundesliga ist zu beobachten, dass viele Vereine internationale Jungprofis verpflichtet haben, "die nicht viel Erfahrung haben, aber tolle Ergebnisse erzielt haben". Titelaspirant Nummer eins ist für Beringer der mit dem TV Hip befreundete TTC OE Bad Homburg, der künftig mit dem Inder Harmeet Desai, Sieger bei den Commonwealthspielen 2018, neben Rares Sipos im vorderen Paarkreuz auftritt.

Nach QTTR-Werten stehen die Bad Homburger nur an zweiter Stelle hinter dem Aufsteiger 1. FC Köln. Nach Hamm und Passau folgt der TV Hilpoltstein in diesem Ranking auf Platz fünf, dahinter Dortmund, Aufsteiger Leiselheim, Tus Celle, Meister FSV Mainz und Saarbrücken.

Beringers letzte Saison

Bernd Beringer hat seine berufliche Laufbahn längst hinter sich, seit einem Vierteljahrhundert ist er in der Vereinsführung tätig, sein Manageramt will er nach der kommenden Saison abgeben. "Ich werde nächstes Jahr 75. Irgendwann muss man aufhören. Ich bin nicht mehr so belastungsfähig, schnell und konfliktfähig," begründete er seine Rückzugsankündigung. 

PAUL GÖTZ

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