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Camping erlebt Boom

Am Main-Donau-Kanal, am Roth- und Brombachsee reihen sich die Wohnmobile dicht an dicht. - 03.06.2020 15:27 Uhr

Seit dem Pfingstwochenende reihen sich die Wohnmobile am Stellplatz am Main-Donau-Kanal wie an einer Perlenschnur. © Tobias Tschapka


Wohnmobile, so scheint es, sind derzeit der Renner, weil beim Campen nicht ganz so strenge Regeln gelten wie in Hotels, da man ja seine eigene Toilette und Küche dabei hat. Die Wohnmobilstellplätze in Bayern durften am Samstag, 30. Mai, wieder öffnen und waren auch im Landkreis Roth gleich wieder gut gefüllt.

Obwohl die Schöllmanns gleich früh am Samstagmorgen nach Hilpoltstein gereist sind, haben sie nur noch einen Platz nicht direkt am Wasser in der zweiten Reihe bekommen. Die ganze Wiese war über Pfingsten belegt. 40 Stellplätze gibt es dort. Mit einem derartigen Andrang scheint auch die Stadt Hilpoltstein, die den Platz betreibt, nicht gerechnet zu haben, da das Gras ab der zweiten Reihe nicht gemäht ist.

Das Ehepaar Böckmann aus Bielefeld stört sich nicht daran, sie sind eh nur für eine Nacht dort. Sie wollen weiter zum Starnberger See anstatt, wie ursprünglich geplant, ins österreichische Zilltertal. "Es war schwer überhaupt etwas zu finden. Wir hatten sechs bis sieben Anfragen gestellt", so Svenja Böckmann. Am Starnberger See hatten sie Glück. "Wir mussten garantieren , dass wir eine eigene Dusche und ein WC an Bord haben", sagt sie.

Diese Regelung gilt auch für die 60 Stellplätze am Seezentrum Heuberg am Rothsee. "Dort war es am Wochenende auch sehr voll", bestätigt Thomas Gruber, Geschäftsleiter des Zweckverbands Rothsee. "Die Leute konnten es gar nicht mehr erwarten." Es gab viele Anfragen in den Tagen zuvor. Die Camper können die Wasser- und Entsorgungsstation am Rothsee benutzen ebenso wie den Sanitärcontainer und die Außenduschen am Strand, die hauptsächlich für die Badegäste gedacht sind.

"Wir haben kein Hygienekonzept, weil das alles ohne Personal läuft", erklärt Gruber. Es gebe lediglich allgemeine Hinweise, die auf die geläufigen Abstandsregeln, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in den Sanitäreinrichtungen, Händewaschen etcetera hinweisen. Solche Tafeln stehen auch am Kanal.

 

Polizei kontrolliert

 

Dass nichts aus dem Ruder läuft und Camper sich zusammenrotten, dafür sorgt die Polizei, die am Rothsee weiterhin vermehrt kontrolliert.

Das Ehepaar Wodopia aus Heidelberg fühlt sich wohl im Reigen der Mitcamper am Kanal. "Da fühlt man sich sicherer als wenn man irgendwo alleine steht", sagt Sabine Wodopia. Es ist ihre erste Camping-Tour in diesem Jahr. "Wir wollten einfach mal gucken, wie es ist", erklärt ihr Mann Markus. Nach den zwei Tagen am Kanal sind sie zuversichtlich, dass dem geplanten Camping-Vergnügen im Sommer in Kroatien nichts im Wege steht. "Wir sind halt vorsichtig." Zusammen mit anderen Campern feienn – das lassen sie sein.

Strenger als auf den Wohnmobilstellplätzen ohne sanitäre Einrichtungen geht es auf den privaten Campingplätzen zu. So zum Beispiel am Waldsee in Wallesau. Dort sind keine Spontananreisen möglich. Gäste werden nur mit Vorreservierung angenommen. Und es ist schwierig überhaupt noch einen Platz zu bekommen. Wenn man die Reservierungshotline anruft, kommt gleich die Bandansage, dass der Platz übers verlängerte Wochenende, 10. bis 14. Juni, komplett ausgebucht ist.

Auf einem Stellplatz dürfen nur Personen, "für die im Verhältnis zueinander die allgemeine Kontaktbeschränkung gemäß jeweiliger aktueller Rechtslage nicht gilt". Ein Mindestabstand 1,5 Meter und Mund-Nasen-Schutz im Sanitärgebäude und an der Rezeption müssen eingehalten werden. Auch beim Baden im Waldsee muss der Mindestabstand eingehalten werden.

Auf der Homepage des Wohnmobilstellplatzes Panorama in Enderndorf am See ist außerdem zu lesen, dass die Gäste ein Kontaktformular ausfüllen müssen, ähnlich wie in Restaurants, damit eventuelle Infektionsketten schnell nachvollziehbar wären. Bis auf Weiteres gibt es dort keinen wie bisher angebotenen Brötchenservice. Und ähnlich wie am Rothsee sind keine Reservierungen möglich. Wer zuerst kommt, hat dann eben Glück gehabt.

ELKE BODENDÖRFER

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