Circus Renz hofft und bangt um die Weihnachtsvorstellungen

Paul Götz
Paul Götz

Roth

E-Mail

3.12.2021, 14:45 Uhr
Bislang heißen die Regeln für die Vorstellungen in Roth 2G und Abstand. Für diese Nuummer dürfen sich die Akteure schon ein wenig näher kommen.

© Circus Renz, NN Bislang heißen die Regeln für die Vorstellungen in Roth 2G und Abstand. Für diese Nuummer dürfen sich die Akteure schon ein wenig näher kommen.

Ein Farbtupfer in einer mutmaßlich öden Winterzeit: Im November hat der Zirkus „Ernst Renz“ für seine Weihnachtsvorstellungen in Roth plakatiert. Vom 17. Dezember bis 9. Januar will er fast täglich Vorstellungen geben. Am Wochenende wird das Zelt an der Belmbracher Straße aufgebaut.

„Wir gehen das alles positiv an“, erklärt Juniorchef Antonio Renz. Er ist aber auch mit dem Ausdruck „Russisch Roulette“ einverstanden, denn erst am 15. Dezember gibt es den Bescheid, ob der „Rother Weihnachtscircus“ stattfinden darf.

Für Antonio Renz wäre das Gastspiel in Roth sein Einstand als Erbfolger im Familienunternehmen. Beim Gastspiel vor zwei Jahren waren noch seine Eltern federführend. Nach 14 Monaten Zwangspause wegen Corona käme also jetzt „the next generation“ zurück, wie der Nachfolge-Direktor es ausdrückt. Ein Erbe, dass es in sich hat.

„Schon viele Zirkusse haben während der Pandemie aufgegeben“, blickt Renz auf das Sterben in der Branche, „die haben alles verkauft, die Leute sind in andere Berufe gewechselt.“ Das ist gar nicht so einfach, wenn man wie Ernst Renz ein Wanderzirkus und ein Schulabschluss eher die Ausnahme ist: „Da bekommst du nicht so leicht einen anderen Job.“

Dank Spenden überlebt

Das Unternehmen hat die Zähne zusammengebissen, die schweren Transporter abgemeldet und dankbar die Spenden angenommen. „Wir haben dank unseres Publikums überlebt, vom Staat bekommen wir nichts“ bringt es Antonio Renz aus den Punkt. Als sich mit freundlicher Unterstützung der Stadt die Möglichkeit in Roth auftat, hat man die letzten Reserven mobilisiert und sich von Augsburg nach Mittelfranken aufgemacht.

Das hieß unter anderem auch, die teuren Zugmaschinen wieder anmelden. Mitten in den Umzug platzten neue Corona-Beschränkungen. Eine Wiederholung der wirtschaftlichen Bedrohung, die man mit vielen Schaustellern von Weihnachtsmärkten teilt.

Die momentan gültigen Beschränkungen für den Zirkus beinhalten 2G und ein Abstandskonzept. „Unsere Tribüne bietet gut 800 Plätze, ein Viertel davon darf besetzt werden. Also dürfen pro Vorstellung 200 Besucher rein“, rechnet Antonio Renz vor. Das ist die Perspektive für seine Truppe. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, sagt der Direktor mit Blick auf den 15. Dezember.

Komplett neue Nummern

Was das Programm von Ernst Renz angeht, hat es nichts mehr mit den Vorstellungen von vor zwei Jahren zu tun: „Das sind komplett neue Nummern“, verspricht Antonio Renz. Wer sich einen Eindruck verschaffen will, kann nach „Duo Lorentino“ googeln. Es gibt Trapezkünstler mit waghalsigen Luftnummern, moderne Clownerie, Hunde-Nummern, ein Duo mit Pferd und Pony, Schlangenbeschwörung und Jonglage und vieles mehr.

„Ernst Renz“ ist ein Name, der zur Definition für diesen Artikel gewählt wurde. Es gibt nämlich in Europa mehrere Zirkusse mit diesem Familiennamen, der eine prominente Historie hat. Das Stammhaus in Berlin wurde 1842 als „Circus Olympic“ gegründet. Ein musikalisches Highlight ging in die Geschichte ein. Am 25. Mai 1867 leitete Johann Strauss (Sohn) mit der Kapelle von Benjamin Bilse die Berliner Erstaufführung des Donauwalzers. In besseren Tagen verfügte das Unternehmen über feste Bauten in Berlin, Hamburg, Bremen, Breslau, Wien und Kopenhagen.

Keine Kommentare