Corona-Test in der Schule: Mehr Sicherheit oder mehr Mobbing?

9.4.2021, 06:04 Uhr
Neben Stiften und Geo-Dreieck gehören ab Montag auch Corona-Schnelltest-Sets zum Unterricht dazu.

Neben Stiften und Geo-Dreieck gehören ab Montag auch Corona-Schnelltest-Sets zum Unterricht dazu. © via www.imago-images.de

"Äußerst kritisch" sehen die Eltern der Pflicht zum Corona-Test in den Schulen entgegen. Auch an den Schulen in Schwabach und im Landkreis herrscht noch Skepsis. Laut Schulminister Piazolo geht es ganz einfach: Zweimal in der Woche sollen sich Schülerinnen und Schüler in den Schulen auf Covid-19 testen lassen. Tests seien genügend vorhanden. Fällt das Ergebnis nach dem Schieben des Stäbchens in die Nase positiv aus, müssen die Eltern ihre Kinder abholen.

Aber ist es wirklich so einfach? "Insbesondere die geplante Testung der Schüler unter Aufsicht der Lehrer in den Schulen wird als problematisch gesehen", heißt es in einem Schreiben, das die Elternbeiräte von acht Schwabacher Schulen unterschrieben und an politische Mandatsträger geschickt haben. Sie befürchten, dass die Schule ihren Status als „geschützter Raum“ verliert: "Wer mag schon gerne vor der ganzen Klasse separiert werden." Zudem gehe Unterrichtszeit verloren, und Eltern könnten "nicht auf Abruf ihre Kinder von der Schule abholen". Außerdem betont Thomas Kreuzer als Sprecher der Elternbeiräte: "Die Lehrer sind pädagogische Fachkräfte und nicht für medizinische Tests ausgebildet."


So einfach geht's: Coronaschnelltest vor der Schule


"Aber der beste Distanzunterricht kann auf Dauer den Unterricht in der Schule nicht ersetzen." Davon ist Alexander Schatz, Stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts Roth-Schwabach, überzeugt. "Und wenn das Testen der Preis dafür ist, dann müssen wir den eben bezahlen." Er halte das Testen "prinzipiell" für richtig, und wer die Prozedur in der Schule ablehne, habe ja andere Möglichkeiten, etwa via Teststrecke, Hausarzt oder Apotheke.

Und Lehrkräfte müssten auch nicht medizinisch vorgebildet sein, sondern die Kinder bei den Selbsttests "begleiten". Aber in Bezug auf das gefürchtete "Mobbing" gesteht Schatz schon zu: "Ja, da ist eine pädagogische Meisterleistung der Lehrkräfte erforderlich."

"Natürlich sind Tests sehr wichtig"

"Natürlich sind die Tests sehr wichtig", betont Franziska Friebe, die die Christian-Maar-Grundschule in Schwabach derzeit kommissarisch leitet. Einerseits. "Andererseits birgt die Umsetzung an der Schule schon Schwierigkeiten." Auch wenn sie und ihr Kollegium darauf vorbereitet sind: Schon vor den Ferien haben sie bei den Eltern der etwa 100 Viert- beziehungsweise Kombiklässler angefragt, ob sie dem Testen zustimmen. Ergebnis: etliche Eltern, sie schätzt etwa die Hälfte, sind nicht einverstanden. Sie müssen jetzt also nochmal gefragt werden.

Bei den Viertklässlern sehe sie weniger Probleme, aber wenn dann mal die ABC-Schützen mit dem filigranen Zubehör hantieren, einfüllen, verschließen und rühren sollen, sei schon Fingerfertigkeit gefragt. Und ob die Eltern dann bis halb neun Gewehr bei Fuß stehen, um ihre Kinder notfalls von der Schule abzuholen? Bis dahin müssten sie außerdem isoliert werden. "Ein bis zwei Räume haben wir schon...", sagt sie.

Für Anja Hilpert, Direktorin des Hilpoltsteiner Gymnasiums spielen diese Gedanken in den Überlegungen ihres Leitungsteams ebenso eine Rolle. "Aber wie sieht denn die Alternative aus? Alle Schüler und Schülerinnen auf Dauer zu Hause lassen? Das ist definitiv keine. Weder für uns noch für die Kinder und Jugendlichen und auch nicht für Eltern." Im Umkehrschluss seien die regelmäßigen Selbsttests in der Schule "das kleinste Übel in diesen schwierigen Pandemie-Zeiten"; umso mehr, nachdem die bisherigen Erfahrungen in der Q12 gezeigt hätten, wie schnell und routiniert die Schüler diese Selbsttests beherrschten. "Nach sieben Minuten sind wir in einer Klasse durch."

Empathie ist gefragt

Viel entscheidender ist für Hilpert in diesem Zusammenhang der Umgang innerhalb der Klasse mit dem Testen und den möglichen positiven Test-Ergebnissen. "Man muss als Lehrer einfach ruhig, empathisch und überlegt vorgehen. Das ist für uns als Lehrerkollegium die entscheidende Leitlinie. Und dieses überlegte Handeln überträgt sich dann auch auf die Klasse. Davon bin ich überzeugt", so die Rektorin. "Diese Selbsttests sind sicher keine beliebte, aber in der momentanen Situation absolut notwendige Begleiterscheinung im Schulalltag."

Diese Einschätzung teilt auch Jutta Wilfert, stellvertretende Schulleiterin der Rother "Schule am Stadtpark". "Testen - unbedingt! Nur würde ich mir für unsere Schülerinnen und Schüler bis zur dritten Klasse andere, kinderfreundlichere Tests wünschen, wenn diese genauso aussagekräftig wären." Stichwort hier: Lolli-Test.

"Grundsätzlich sehr sinnvoll" nennt auch Johannes Novotny das Testen. Aber der Leiter des Wendelsteiner Gymnasiums würde sich schon wünschen, dass die Prozedur zuhause stattfindet. "Damit umgeht man die Situation, dass eine Positiv-Testung gleich in der ganzen Klasse bekannt wird." Auch der logistische Aufwand an der Schule sei "nicht unerheblich". Das Risiko, dass ein Schüler den Test daheim vielleicht nicht richtig macht, "ist zwar nicht völlig auszuschließen", aber dieses Risiko würde er lieber eingehen als die gesamte Testsituation in die Schule zu verlegen.

Welche Konsequenzen Testunwillige eventuell fürchten müssen, weiß Novotny aber zumindest bis Donnerstagmittag selbst noch nicht: Das Schreiben aus dem Ministerium ist bis dahin noch nicht eingetroffen.

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