"Erschöpfend"

Corona und kein Ende: Wie ist die Situation in Kliniken und Einrichtungen?

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 05.10.2016..FOTO: Roland Fengler..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Robert Gerner..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Robert Gerner

Schwabacher Tagblatt

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4.12.2021, 06:45 Uhr
Ob in der Altenpflege (unser Bild), in der Klinik oder in Behinderteneinrichtungen: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind an der Belastungsgrenze – und nicht selten weit darüber hinaus.
 

Ob in der Altenpflege (unser Bild), in der Klinik oder in Behinderteneinrichtungen: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind an der Belastungsgrenze – und nicht selten weit darüber hinaus.   © Sina Schuldt, NN

Die Kliniken

Alle, wirklich alle planbaren Operationen sind derzeit verschoben. Sie dürfen gar nicht stattfinden. Denn die Kreisklinik Roth ist vom mittelfränkischen Krankenhaus-Koordinator zu einem der Covid-19-Schwerpunkt-Krankenhäuser auserkoren worden. Dafür sind die Fallzahlen noch überschaubar. Aktuell werden auf der Covid-Normalstation 14 Patientinnen und Patienten versorgt. Die Kapazität wird in diesen Tagen auf 20 Betten erhöht.

Zur Erinnerung: Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle im vergangenen Winter waren teilweise mehr als 40 Betroffene im Krankenhaus. Auf der Intensivstation muss derzeit nur ein schwer an Covid-19 Erkrankter betreut werden. Vor einer Woche waren es noch vier. Einer ist über den Berg. Einer wurde verlegt. Einer ist gestorben. „Das ist nur eine Momentaufnahme“, sagte der in die Sitzung zugeschaltete Pflegedienstleiter Dieter Debus. Derzeit gehe man von erhöhten Fallzahlen in den nächsten Wochen aus.

Schwester Evelyn Lehmeier, Leiterin der Intensivpflege, machte deutlich, wie schwierig es auch aufgrund der baulichen Situation ist, „normale“ und Covid-19-Intensivpatienten voneinander abzuschirmen. Die Arbeit sei „maximal anstrengend“, körperlich wie psychisch. Weil nur absolut notwendige Operationen stattfinden, bekomme man aber Unterstützung von den OP-Schwestern oder auch Hilfe von den Normalstationen. „Es funktioniert noch, weil wir ein wirklich gut eingespieltes Team sind“, so Lehmeier.

Immerhin: Anders als noch 2020 würden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anhand der Erfahrung, aber natürlich auch anhand der Impfung nicht in ständiger Angst arbeiten, dass sie sich selbst infizieren könnten. Der Pflegenotstand macht aber natürlich auch vor der Rother Kreisklinik nicht halt. Derzeit wollten zwei Mitarbeiterinnen aufhören, berichtete Dieter Debus. „Die Belastung ist einfach zu groß.“

Zur Ergänzung: In der Schwabacher Diakoneo-Klinik liegt derzeit ebenfalls ein Covid-19-Patient auf der Intensivstation. Die Kapazität der Betten mit Beatmungsmöglichkeit wurde laut divi-Intensivregister auf sechs erhöht.

Die Altenheime

Gut 20 größere Alten- und Pflegeheime gibt es in Schwabach und im Landkreis Roth. Hier hatte das Virus im Winter 2020/21 am schlimmsten gewütet. Derzeit sei die Lage „ruhig, aber es gibt eine gewisse Grundanspannung“, sagte Bodo Steinheimer, Leiter des zu Diakoneo gehörenden Hans-Roser-Hauses in Roth. Steinheimer sprach auch für viele Kolleginnen und Kollegen von der Awo, der Caritas und von anderen Trägern wie der Wolfsteiner-Stiftung, die in Allersberg ein Pflegeheim betreibt.

Die Impfquote bei den Bewohnerinnen und Bewohnern liege in allen Häusern bei „nahe 100 Prozent“, den Booster würden aber doch nicht wenige ablehnen, so Steinheimer. Bei den Beschäftigten schwanke die Impfquote je nach Haus zwischen 72 und 96 Prozent. Diese 96 Prozent wurden im Caritas-Heim in Spalt erreicht.

Gut versorgt sind alle Alten- und Pflegeheime mit Schutzausrüstung. Knapp wird es allmählich aber bei den Schnelltests. Davon werden in jedem Haus jeden Tag Dutzende benötigt. Ungeimpfte Mitarbeitende müssen sich ohnehin jeden Tag testen, Geimpfte würden das ebenfalls fast täglich machen, so Steinheimer. Auch Besucher würden nur mit aktuellem negativen Test ins Haus kommen. Einige Häuser, wie das Hans-Roser-Haus, bieten diese Schnelltests im eigenen Haus an. Andere Träger sind dazu personell nicht in der Lage. Wenige Häuser würden sogar für Besucher einen PCR-Test verlangen. „Die Tests sind ein wichtiges Schutzschild“, sagte der Referent.

Das andere wichtige Schutzschild (natürlich neben den bekannten Hygienemaßnahmen): eine hohe Impfquote. Im Hans-Roser-Haus beträgt diese bei Mitarbeitenden 90 Prozent. „Es ist schwer, an die restlichen zehn Prozent heranzukommen“, sagte der Referent. „Aber wir versuchen es jeden Tag.“ Eine absolute Sicherheit in den Alten- und Pflegeheimen könne es nie geben. „Aber es ist der Versuch, jeden Fall so frühzeitig zu entdecken, dass er sich nicht zu einem Flächenbrand auswächst.“

Eine Herausforderung für die Alten- und Pflegeheime seien Impfdurchbrüche innerhalb der Familien von Mitarbeitenden. Ein Beispiel: Das Kind oder der Ehemann würden positiv getestet. Die Mitarbeiterin dürfte aber trotzdem in die Arbeit kommen, wenn sie zweifach geimpft ist. „Die Frage ist: Wollen wir dieses Risiko wirklich eingehen“, fragte Steinheimer – und gab die Antwort gleich selbst: „Wir lassen die Mitarbeiterin zu Hause, solange es personell irgendwie darstellbar ist.“

In diesem Zusammenhang wies die unter anderem für die Koordinierung der Impftermine zuständige Mitarbeiterin im Landratsamt Christina Walz darauf hin, dass es den 2020 eingereichten Landkreis-Pflegepool nach wie vor gebe. Es gibt Leute, die in größter Not einspringen würden. Weitere Interessenten könnten sich jederzeit beim Landratsamt melden.

Was für alle Pflegekräfte gilt: Der Zeitaufwand hat unter anderem durch das Anlegen von Schutzausrüstung deutlich zugenommen. Die Konflikt-Kommunikation ist fordernd. „Und die Erschöpfung nach knapp zwei Jahren Dauerstress in der Pandemie ist bei vielen zu spüren. Oft liegen die Nerven blank.“

Auch wenn es beim Besuch der Angehörigen durchaus strenge Kontrollen und Regelungen gibt: In einem ganz besonderen Fall gibt es immer Zugang, dann nämlich, wenn es um die letzte Phase des Lebens geht. „Das war ja in den ersten Monaten der Pandemie das große Problem, dass die Menschen einsam und alleine haben sterben müssen“, erinnerte Steinheimer.

Die Behinderteneinrichtungen

Nicht nur in den Alten- und Pflegeheimen, auch in den großen Behinderteneinrichtungen wie Regens Wagner in Zell oder dem Auhof in Hilpoltstein sind die sogenannten „vulnerablen Gruppen“ zu Hause, also ganz verletzliche Menschen. Wie verletzlich sie sind, musste Regens Wagner Zell erst im Oktober wieder bitterlich erfahren, als nach einem größeren Corona-Ausbruch mit mehr als 70 Betroffenen sechs Menschen an und mit Corona gestorben sind. Die überwiegende Mehrzahl sei hochbetagt und schon vorher schwer krank gewesen. Und doch könnte der eine oder andere ohne Corona noch leben, sagte Einrichtungsleiterin Heike Klier im Ausschuss. „Das ist für uns alle belastend, und das sorgt auch für eine bedrückende Atmosphäre.“

Klier sagte, dass die Impfbereitschaft der Mitarbeitenden zuletzt noch einmal deutlich zugenommen habe. Für Zell sprach sie von 90 Prozent, für den Auhof von 85 bis 90 Prozent. Darüber hinaus seien fast 100 Prozent der Klienten geimpft. Die Beschäftigten würden es mit übermenschlichem Einsatz schaffen, die Ängste und die Sorgen in Zusammenhang mit Corona von den Bewohnerinnen und Bewohnern fernzuhalten.