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Der Katalysator-Diebstahl hat Methode

Die Edelmetalle im Abgasreiniger locken Kriminelle an - 18.11.2020 16:06 Uhr

Das in einem Katalysator verbaute Platin ist ein kostbares Edelmetall. Darauf haben es die meisten Diebe abgesehen. In Sekundenschnelle könnten sie die Anlage herausschneiden.

18.11.2020 © Foto: imago/photo2000


Ein Dieb, der am helllichten Tag den Katalysator aus der Auspuffanlage eines Pkw sägt, geht ein hohes Risiko ein erwischt zu werden. Die Dreistigkeit der Tat am Unteren Weinbergweg hat die Polizei vor Ort schon überrascht. In der PI Roth wird das Geschehen noch als Einzelfall geführt.


Dreister Diebstahl: Dieb sägt Katalysator aus Auto


Für den stellvertretenden Inspektionsleiter Martin Junglas ist das bisher der erste Fall von Katalysator in seinem Bereich. Ein weiterer war in jüngster Zeit auch in Hilpoltstein registriert worden. Ob damit der Landkreis Roth am Anfang eines Trends steht, diese Frage ist ihm zu spekulativ: "Wir wissen ja nichts über das Motiv. Wenn jemand das für den eigenen Gebrauch getan hat, wird das ein Einzelfall bleiben." Sollte man eine Serie erkennen, werde die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernehmen: "Die hat ganz andere Möglichkeiten".

In Weißenburg standen Sprinter im Fokus

Katalysator-Diebstahl ist an sich nichts Neues. Junglas verweist auf eine Häufung im Weißenburger Raum vor einigen Jahren, wo sich jemand auf Mercedes Sprinter spezialisiert hatte. Auffälligkeiten gibt es im Raum Ingolstadt und Baden-Württemberg, möglicherweise, weil dort große Automobilkonzerne ihren Standort haben.

Die Verbindung, warum gerade dieses Bauteil bei Dieben begehrt ist, liegt darin, dass das im Kat verbaute Edelmetall Platin gut recycelbar ist und im Preis stark gestiegen ist. Die Nachfrage der Hersteller erhöht sich mit der Strenge der Abgasvorschriften. Der Automobilclub ADAC hat einen "beunruhigenden Trend mit hoher Dunkelziffer" wahrgenommen.

Wie das Handelsblatt berichtet, wurden in Deutschland in den ersten neun Monaten dieses Jahres 240 Katalysator-Diebstähle registriert, im Jahr zuvor waren es 169 und 2017 gerade mal 38.

Profis brauchen 90 Sekunden

rofis brauchen 90 Sekunden In England ist die Plage weit größer und anscheinend auch gut organisiert. Im ersten Halbjahr wurden allein aus London 3000 Fälle gemeldet. Dazu kann man im Internet Videos sehen, wie der Kat-Cut an geparkten Autos mit Hilfe von Krans in 90 Sekunden vollzogen ist. Zum Vergleich: Die besten Boxenstopps in der Formel 1 dauern zwei Sekunden.

Laut Handelsblatt sind in Deutschland ältere Fahrzeuge betroffen wie Opel Astra und VW Polo. So einen Polo hat es auch in Roth erwischt. Der Schaden durch den fälligen Ersatz: Rund 300 Euro. Durch den Einbau kann der leicht aufs Doppelte anwachsen. In Allersberg war es im Oktober ein Opel Astra. Der Schaden betrug hier etwa 500 Euro.

PAUL GÖTZ E-Mail

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