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Dieser Lkw aus dem Jahre 1979 ist "für ewig gebaut"

In Büchenbach steht der Klassiker im Alltag von Gerhard Schwarz: Ein MAN 19.280 - 02.10.2019 06:12 Uhr

Blau ist das Fahrerhaus, aber „Schwarz“ steht drauf: Mit seinem MAN vom Typ 19.280 fährt Gerhard Schwarz heute noch von Festplatz zu Festplatz. Auch wenn seine Schausteller-Kollegen längst auf jüngere Modelle umgestiegen sind. © Foto: Martin Regner


Der Lkw ist Blau, aber "Schwarz" steht drauf: Gerhard Schwarz aus Büchenbach ist Schausteller von Beruf und vertraut auch im Jahr 2019 noch auf einen alten MAN aus dem Baujahr 1979, wenn es darum geht, sein Kinderkarussell "Ufo-Jet" von Kirchweih zu Kirchweih zu ziehen. Einen Grund, die schon recht betagte Zugmaschine mal gegen ein neueres Modell zu ersetzen, sieht Schwarz nicht: "Im Frühjahr beim Volksfest-Aufbau in Nürnberg hat ein Oldtimer-Fan den fotografiert. Der kommt in der ganzen Republik rum und hat zu mir gesagt: ,So einen guten Zustand habe ich noch nie gesehen.‘"

Eigentlich ein Franzose 

Und es stimmt, die Erhaltung des 40 Jahre alten Fahrzeugs ist top: Egal, wohin man auch schaut, man entdeckt nirgends am Fahrerhaus auch nur einen Anflug von Rost. Und am hellgrau lackierten Fahrgestell auch nicht. Der Lkw ist "für ewig gebaut", meint dazu der stolze Besitzer. Und er ergänzt: "Ich hatte noch nie ein Problem beim TÜV."

Rund 792.700 Kilometer stehen auf dem Tacho, abgespult in vier Jahrzehnten rund um Büchenbach. "Die weiteste Entfernung ist einmal im Jahr Neustadt an der Saale", erklärt Gerhard Schwarz. Ansonsten ist die blaue Maschine ein häufiger Gast auf den Festplätzen in Mittelfranken und auch bei der Rother Kerwa.

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"Die großen Sieben": Laster-Legenden aus Deutschland

Nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Zeit des Wirtschaftswunders war der Markt für schwere Lastwagen in Deutschland noch wesentlich vielfältiger als heute. "Die großen Sieben" der Nutzfahrzeugbranche trugen die Namen Büssing, Faun, Henschel, Krupp, Magirus-Deutz, MAN und Mercedes-Benz. Fünf davon sind heute vom Markt verschwunden. Dafür genießen die imposanten Laster der 1950er bis 1980er-Jahre heute Kultstatus, nicht nur bei Oldtimerfreunden.


Im Besitz der Familie Schwarz befindet sich der MAN vom Typ 19.280 seit 1985. Gerhard Schwarz erinnert sich, dass er Rahmen und Pritsche des gebraucht gekauften Lkw damals zusammen mit seinem Vater eigenhändig auf Schausteller-Maße eingekürzt hat. Zuvor war das Fahrzeug rund zwei Meter länger und ein ganz typischer Fernverkehrs-Laster der 1980er Jahre.

Damals war die Marke MAN schon eine feste Größe auf den deutschen Autobahnen. Obwohl das ebenso markant wie gefällig geformte Fahrerhaus des 19.280 eigentlich ja ein Franzose ist: Es war anno 1967, als MAN seine neue Baureihe (mit dem kurzen Namen F7) auf den Markt brachte. Das Frontlenker-Fahrerhaus entstammt einer Kooperation mit dem heute längst verblichenen Nutzfahrzeughersteller Saviem aus Frankreich, der zur Renault-Gruppe gehörte. Im Gegenzug bot die Marke Saviem rundliche Hauben-Lkw von MAN in Frankreich unter eigenem Namen an.

Museum hat schon angefragt

Im Laufe der Jahre wurde der F7 von MAN weiter entwickelt zum F8 und zum Schluss als F9 gebaut bis 1984. Auch im Ausland kam die Konstruktion weit herum: Neben Varianten als Saviem in der französischen Heimat des Fahrerhauses wurde es auch in Lizenz gebaut vom rumänischen Hersteller Roman, von Rába in Ungarn, von ÖAF in Österreich und von Hongyan in China.

Fendt-Traktor von 1966 im Einsatz: "Mit dem mache ich alles".

Heute ist die Baureihe, die früher an jeder Ecke stand, zumindest in Deutschland aus dem alltäglichen Straßenbild verschwunden. Aber das blaue Exemplar aus Büchenbach soll zumindest nach dem Willen von Gerhard Schwarz noch lange fahren: "So lange er läuft." Und dann? Kommt die alte Zugmaschine womöglich in eine Sammlung von historischen Fahrzeugen. Das Werksmuseum von MAN soll schon Interesse angemeldet haben.

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