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Dienstag, 15.10.2019

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Drohnen rettet Rehe vor dem Mähdrescher

Die Hegegemeinschaft Heideck unterstützt Suche nach Rehkitzen und bittet um Rücksicht. - 18.06.2019 06:00 Uhr

Die Kitze bleiben ob ihrer guten Tarnung oft unentdeckt und damit ist ihr Schicksal besiegelt, wenn sich ein Mähdrescher nähert. Vorher das Areal absuchen, rettet viele kleine Rehe. © Thomas Wolf


Der Tod kommt unerwartet und schnell. Wenn 9,5 Meter breite Mähbalken mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Stundenkilometern über die Wiesen fahren, haben Rehkitze, Hasen, Wiesenbrüter, Amphibien und sogar Insekten kaum eine Chance.

"Wenn ich die mir bekannten Zahlen hochrechne, dann fallen ohne Kitzsuche allein in der Hegegemeinschaft Heideck jährlich mehr als 50 Rehkitze dem Mähtod zum Opfer. Besonders kritisch sind die erste und zweite Mahd in den Monaten Mai und Juni", sagt Berufsjäger und Leiter der Hegegemeinschaft Dirk Ullmann.

Doch durch eine gute Zusammenarbeit von Landwirten und Jägern können Suchen organisiert werden, die den Rehkitzen das Überleben sichern. "Wenn die Wetterlage passt, dann wollen alle mähen. Umso wichtiger ist eine rechtzeitige Benachrichtigung, zumindest einen Tag vorher, an die zuständigen Revierpächter. Dann können diese gemeinsam mit den Landwirten eine Suche organisieren", sagt Ullmann.

Jüngst hatte Ullmann mit drei Helfern eine Fläche von nahezu 20 Hektar abgesucht. Die Gruppe brauchte dafür mehr als zwei Stunden und legte etwa zwölf Kilometer zurück. Bei einer solchen Suche laufen mehrere Personen parallel über die Wiese, wobei der Abstand zwischen ihnen nicht größer als zwei Meter sein darf.

Die Mühe wurde belohnt: Zehn Kitze wurden gefunden. Allerdings können die Jungtiere, die gut versteckt im Gras liegen, auch übersehen werden.

Wildwarner am Mähwerk

Eine Landwirtschaft, so wie sie heute betrieben wird, kann den Tod von Wildtieren nicht völlig vermeiden. Aber auch dann, wenn keine Kitzsuche möglich ist, können die Landwirte einen Beitrag zum Schutz der Tiere leisten. Eine Mahd von innen nach außen, das Fahren mit niedrigen Geschwindigkeiten oder auch Wildwarner am Mähwerk sind mögliche Maßnahmen.

Moderne Technik kann auch bei der Kitzsuche helfen. Es gibt Drohnen mit GPS und Wärmebildkameras, die in kurzer Zeit große Flächen absuchen können. © Thomas Wolf


Moderne Technik kann auch bei der Kitzsuche helfen. Es gibt Drohnen mit GPS und Wärmebildkameras, die in kurzer Zeit große Flächen absuchen können. So wurden Ende Mai in zwei Stunden etwa 70 Hektar Wiesenfläche mit dem Fluggerät abgesucht.

Doch auch der Einsatz von Drohnen hat nicht nur Vorteile. Damit sich die Wärmesignatur der Kitze gut von der Umgebung unterscheidet, muss zeitig am Morgen, vor Sonnenaufgang, gesucht werden. Wenn dann aber erst am Nachmittag gemäht wird, können die Kitze durchaus wieder auf der Wiese liegen.

Außerdem kosten Drohnen, die für solche anspruchsvollen Aufgaben geeignet sind, im Schnitt 6000 Euro. Eine Investition, die nicht jeder tätigen kann. Um so vorteilhafter ist es, wenn man solche Drohnen gemeinsam nutzt. Für die Suche über 70 Hektar wurden 70 Euro fällig. Da die Hegegemeinschaft für jedes Jagdrevier einen Betrag von 100 Euro für Drohnensuchen zur Verfügung stellt, wird die Suche für die Landwirte und Jagdpächter attraktiv.

An einem Strang ziehen

"Der Schutz der Natur und der Tiere in ihr sind ein Anliegen von uns allen. Wenn die Landwirte und die Jäger an einem Strang ziehen, kommen wir gemeinsam ein ganzes Stück weiter. Ich appelliere auch an die Spaziergänger, gefundene Kitze keinesfalls anzufassen und die Hunde nicht frei laufen zu lassen", so Ullmann.

hiz

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