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Mittwoch, 22.05.2019

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Durch die große weite Welt mit 50 Euro Startkapital

Globetrotter Christopher Schacht liest an 1. März in der Ecclesia Roth aus seinem Reisebuch - 28.02.2019 10:50 Uhr

Mit 50 Euro um die Welt: Christopher Schacht erzählt am Freitag in Roth von unvergesslichen Reiseerlebnissen. Felipe Monteiro Vazami © Foto:


Denn der smarte "Sonnyboy" hat einen viel beachteten Schmöker über sein Reiseabenteuer verfasst: "Mit 50 Euro um die Welt". Es ist der Stoff, aus dem Hollywoodträume sind – fast zu schön, um wahr zu sein. Doch vom Realitätsgehalt des Erlebten wird Schacht seine Rother Zuhörerschaft am Freitag, 1. März, schon zu überzeugen wissen. In Wort, Bild – und mit viel Charme. 

Christopher Schacht sieht aus wie der Abenteurer-Prototyp von heute: mittelgroß, schlank, die blonden Haare zu einem Dutt hochgebunden, strahlendes Lächeln, sonniges Gemüt. "Klar", denkt man sich: Einer wie der kann das wuppen – vier Jahre lang mit nicht mehr als 50 Euro Startkapital den Erdball umrunden und mühelos die Herzen der Menschen hacken. Ein bisschen Surferdude, ein bisschen Babyface.

Doch das wäre zu kurz gegriffen. Christopher Schacht ist mit seinen inzwischen 25 Jahren ein sehr reflektierter Zeitgenosse. Ja, diese Reise habe ihn verändert, betont er. Immerhin hängte er danach sein Informatik-Stipendium an den Nagel, um ein Theologiestudium aufzunehmen, das er seit nun eineinhalb Jahren in Frankfurt betreibt. Das ist überhaupt der Grund, weshalb einem Christopher Schacht in der ehemaligen TSV-Halle am Rother Stadtpark gegenübersteht: Im Zuge dieses Studiums absolviert der junge Mann nämlich gerade ein Praktikum bei der hiesigen Ecclesia-Gemeinde. Er, der 2017 durchs Frühstücksfernsehen gereicht wurde wie Stullen und Orangensaft. Aber schließlich hatte er gewagt, was sich mit 19 Jahren nicht jeder traut . . .

Christopher Schacht ist ein echtes Nordlicht. Er stammt aus dem 300-Seelen-Ort Sahms zwischen Hamburg und Lübeck. Dort gebe es "mehr Kühe als Menschen". Somit sei es wohl "ein natürlicher Reflex" gewesen, sie erkunden zu wollen, diese große, weite Welt. "Ich wollte einfach wissen: Was gibt’s da noch? Ich wollte andere Gerüche und Geschmäcker erfassen, mich vom Wind treiben lassen, frei sein!" Und: "Es war mir bewusst, dass es eine Illusion ist, zu glauben, es käme irgendwann nochmal eine bessere Gelegenheit ..."

Gleichwohl. Vom Lippenbekenntnis zur Tat ist es oft ein großer Schritt. Einer, den Christopher allerdings beherzt ging: Am 1. Juli 2013 verließ er sein Elternhaus, um sich auf ungewisse Zeit ins Unbekannte zu stürzen. Seine wenigen Habseligkeiten trug er auf dem Rücken: ein Zelt, einen Kochtopf, ein paar Textilien und die alte Digitalkamera seiner Mutter. In der Hosentasche: 50 Euro. Nicht mehr, nicht weniger. Keine Kreditkarte, kein Handy.

"Grob hatte ich es mir so gedacht: ein Jahr durch Europa und dann noch ein bisschen Südamerika." Am Ende sollten es dann vier lange Jahre werden, während derer Christopher Schacht seinen Vater, seine Mutter, die jüngere Schwester und den Zwillingsbruder nicht mehr zu Gesicht bekam.

Denn der frisch gebackene Abiturient war auf dem Weg – "ohne Flugzeug, meist zu Fuß, als Tramper oder mit dem Segelboot". Ein Weg, der ihn zunächst nach Frankreich und Spanien führte. In Gibraltar heuerte er auf einem Segelschiff an ("Ich bin vorher noch nie gesegelt") und schipperte über den Atlantik gen Karibik. In Südamerika angelandet, ließ er sich ein Jahr Zeit, um das Land zu erkunden.

Es ist "die Faszination für all das Neue", die ihn erfüllt. In anderen Vegetationszonen und Kulturen oder bei seinen Begegnungen mit den unterschiedlichsten Leuten tankt Christopher Schacht Energie – auch wenn ernährungstechnisch oft Küchenmeister Schmalhans den Kochlöffel schwingt.

Als "Kulturchrist" verstanden

Vor allem der Kontakt zu christlichen Menschen "bereichert" ihn, den Pastorensohn aus Schleswig-Holstein. Dabei habe er sich stets als "Kulturchrist" oder gar "Agnostiker" verstandenen. Beten und Gottesdienste? "Fand ich immer langweilig." Ethische Standards? "Schienen mir nicht realitätstauglich." Doch jetzt schlugen ihm Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Wertschätzung in geballter Form entgegen.

Christopher Schacht kam ins Grübeln und fand schließlich über Meditation und Gebet zu Gott. Plötzlich verstand er die Worte des Apostels Paulus: "Ihr seid nicht euer selbst." Christopher beschloss von da an, dass es seine Aufgabe sei, aus der neu gewonnenen Freude seiner Gottesbeziehung heraus "andere glücklich zu machen". Und er begriff, was es heißt, "wenn Armut einen innerlich reich werden lässt".

Dergestalt neu justiert, setzte er die Reise fort. Einen Monat dauerte es, bis der Pazifik überwunden war. Dann ging es weiter via Philippinen, Korea, Japan, China und Südostasien über den indischen Ozean nach Indien. Auf neun Yachten heuerte er insgesamt an, verdingte sich als "Linehandler" im Panamakanal, als Tankwart, Goldschürfer, Tourguide, Übersetzer oder Fruchtsalatverkäufer. Häufig fand er freundliche Aufnahme bei Leuten, die er nie zuvor in seinem Leben gesehen hatte und stellte fest: "Menschen und ihre Geschichten – das gehört zu den schönsten Dingen!"

Er erlebte unvergessliche Momente. Dazu zählten ein heftiger Sturm auf dem ostchinesischen Meer, der heiße Atem eines aktiven Vulkans auf der Südseeinsel Tanna oder die gemeinsame Jagd mit Ureinwohnern in Venezuela. Nicht immer ungefährlich. "Man fühlt sich da auf einmal so klein, aber ich hab’ mich in Gottes Händen gewusst", sagt Christopher Schacht heute überzeugt.

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Er begann damit, seine Erfahrungen literarisch aufzubereiten, Tagebuch führte er ohnehin regelmäßig. Das Magazin "Focus" interessierte sich für die Story und veröffentlichte ein Interview mit dem Youngster, auf das schließlich eine Architekturstudentin in Mainz aufmerksam wurde. Sie kontaktierte Christopher Schacht, man traf sich – in Mumbai. Und es funkte. "Wir haben eine ziemlich gleiche Sicht aufs Leben", erzählt er dankbar über seine große Liebe Michal, die seit acht Monaten seine Ehefrau ist.

Über den Mittleren Osten trieb es Christopher Schacht nun wieder nach Europa und letztlich nach Deutschland zurück. "Total vertraut und doch ungewohnt fremd" schloss ihn seine Familie am 20. August 2017 wieder in die Arme.

Der Rückkehrer ist in der Reisezeit sichtlich gereift und empfindet es als "radikale Herausforderung", sich in einer materialistisch geprägten Gesellschaft nicht vom Überfluss und einer "Kultur der Sicherheit" überrollen zu lassen.

Was die Sache einfacher macht: Seit ein paar Jahren weiß er ganz genau, was ihm wichtig ist: "Freundschaft, Familie. Und Gott."

ZWer mehr über Christopher Schacht und seine Reiseerlebnisse hören sowie sehen möchte: Am Freitag, 1. März, berichtet der junge Weltenbummler und Bestsellerautor ab 19.30 Uhr bei Ecclesia Roth (ehemalige TSV-Halle, Otto-Schrimpff-Straße 4) in einem Multimedia-Vortrag von seiner Tour. Eintritt: zehn Euro im Vorverkauf beziehungsweise zwölf Euro an der Abendkasse (Schüler/Studenten fünf Euro). Tickets gibt es bei den Rother Buchhandlungen Feuerlein und Genniges, bei Wild-Reisen, der Buchhandlung Koinonia in Schwabach und der Geschäftsstelle der Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung. 

PETRA BITTNER

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