Freitag, 26.02.2021

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Ein Altersheim für Hunde: Hier leben betagte Tiere auf

Werner Schneider nimmt blinde, gelähmte, herzkranke und unsozialisierte Hunde auf - 07.01.2021 16:24 Uhr

Mit den Leckerlis macht sich Werner Schneider bei seinen Vierbeinern jeden Tag auf‘s Neue beliebt. Billig ist seine Leidenschaft nicht gerade. Jeden Monat 400 Dosen Hundefutter gehen ins Geld.

07.01.2021 © Foto: Yevheniia Frömter


Bereits im Kindesalter hatten es ihm die Vierbeiner angetan. Viele Hunde habe er bereits vor dem Einschläfern in Tierauffangstationen gerettet. "Die Tiere leben bei mir noch einmal richtig auf – und das macht mich glücklich."

Mit einem Eimer "Leckerlis" verlässt Schneider sein Haus. Es dauert nur wenige Sekunden, bis seine "Mitbewohner" den Braten gerochen haben. Namentlich ruft Schneider einen Hund nach dem anderen auf – die Tiere gehorchen und holen sich diszipliniert einen Leckerbissen.

Schneider strahlt. Auf rund 5000 Quadratmetern Außenfläche können sich die Hunde dann austoben: "Ich habe keine Zwinger und Boxen." Eine Sondergenehmigung ermögliche ihm das Unterbringen der "kalten Schnauzen" in speziellen Hundehäusern. "Durch die Hundeklappe in der Haustüre können sie zudem jederzeit ins Wohnhaus kommen." Dadurch würden zwar die Heizkosten ins Utopische steigen, doch das sei für den Hundeliebhaber kein Thema.

Überhaupt habe er durch seine Leidenschaft viel einbüßen müssen: "Ich habe kaum noch Freunde, da ich keine Zeit habe. Man wird zwei oder drei Mal eingeladen und dann ist Schluss." Über Urlaub denke Schneider schon seit 1995 nicht mehr nach. Opfer, die er aber gerne aufbringen würde. "Bei mir tummeln sich blinde, gelähmte, herzkranke und unsozialisierte Hunde aus ganz Europa."

Mit Liebe und großem Aufwand kümmert sich Schneider beinahe rund um die Uhr um seine "Sorgenkinder" – sieben Tage die Woche. Alle seien tierärztlich gut versorgt – selbst eine Physiotherapeutin für Hunde käme regelmäßig vorbei.

Sicherstellen müsse er auch die richtige und pünktliche Versorgung mit Medikamenten: "Es ist beinahe wie in einem Altenheim, jeden plagt etwas Anderes", lacht Schneider. In seinem Haus fühle er sich mittlerweile nur noch als Untermieter der Hunde. Dennoch: "Die Grenze ist erreicht. Noch mehr Hunde kann ich nicht aufnehmen."

Immerhin benötige er auch noch Zeit für sich selbst. Der leidenschaftliche Buchautor möchte seine Texte verarbeiten können. Darüber hinaus stellt er seit Jahren Kalender mit Hundemotiven her, die er in die ganze Welt verschickt: "Ich bekommen Bestellungen aus Amerika, Australien und Uruguay. Ich bin froh, dass die Kalender sehr gut ankommen." Mit diesen Einnahmen finanziere er sein "Paradies" – den "Hundegnadenhof Diggersworld". Natürlich sei das Thema Hygiene ein wichtiger Tagesablaufpunkt: "Das Haus wird täglich von Grund auf gereinigt."

An sich selbst denkt er kaum: "Mein Herz ist jung. Ich bin viel draußen und deshalb fit. Wer rastet, der rostet." Vorsorge habe er dennoch getroffen. Immer wieder stelle sich Schneider die Frage, was mit seinen Hunden passiere, sollte ihm selbst etwas zustoßen: "Ich habe eine Tierstiftung ins Leben gerufen, dann sind die Hunde versorgt." Spenden seien für Schneider natürlich eine große Hilfe: "Ich verfüttere bis zu 400 Dosen Hundefutter im Monat. Das haut ganz schön ins Budget."

Die Spendenbereitschaft sei momentan stark rückläufig: "Wegen Corona, das ist aber völlig verständlich. Ich habe gerade keine Ahnung, wie es weitergehen wird."

Auf Facebook habe er mittlerweile weit über 240 000 "Freunde" und er pflege Kontakte zu Gleichgesinnten aus den unterschiedlichsten Ländern. Dennoch: "Für viele Menschen wäre mein Leben bestimmt nichts. Aber ich bin glücklich und befinde mich in der schönsten Zeit meines Lebens."

MARCO FRÖMTER

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