Ein Pilz schert sich wenig ums Datum — er wächst, wenn’s ihm passt

20.8.2016, 08:00 Uhr
In diesem Jahr wachsen die Pilze besonders gut. Doch beim Sammeln gibt es einiges zu beachten.

© Hans-Joachim Winckler In diesem Jahr wachsen die Pilze besonders gut. Doch beim Sammeln gibt es einiges zu beachten.

Herr Rossmeissl, körbchenweise werden derzeit die Waldpilze aus heimischen Forsten nach Hause geschleppt — und der Kalender zeigt Mitte August! Ist das nicht eher ungewöhnlich?

Rudolf Rossmeissl: Gar nicht. Gut, wir sind diesmal ein bisschen früher dran — die ersten Steinpilze hat’s schon Ende Juni gegeben — aber dass sich die Pilzsaison von Ende August bis in den Oktober oder sogar noch länger spannt, ist normal.

Der Klimawandel hat also keine Auswirkungen aufs Pilzjahr?

Rossmeissl: Schwankungen gibt’s doch schon immer. Das hängt mit dem Winter zusammen. Wenn der viel Schnee oder Feuchtigkeit bringt, dann dringt viel Wasser in den Boden ein und versorgt das Myzel, den eigentlichen Pilz unter der Erde. Denn was wir sammeln, ist ja nur der Fruchtkörper. Ein nasser Winter bildet also schon mal die optimale Basis.

Dann kommt es darauf an, ob es anschließend recht trocken wird oder nicht. Heuer hatten wir reichlich Gewitterregen — beste Bedingungen für das Pilzwachstum. Aber der Klimawandel hat da meiner Meinung nach kaum Auswirkungen.

Was ist eigentlich mit Tschernobyl? Muss die Strahlenbelastung von wildwachsenden Pilzen noch immer thematisiert werden?

Rossmeissl: Ach, schon lange nicht mehr! Kurz nach dem Reaktorunglück 1986 hab ich 240 Pilzarten in die Landeshauptstadt zur Untersuchung geschickt. Die Spitzenwerte bei unseren Maronenröhrlingen waren sowas um die 1000 Becquerel pro Kilogramm Gesamtcäsium, während im Bayerischen Wald oder in der Region um Garmisch bis zu 10 000 gemessen wurden. Wir in Roth hatten damals Glück: Die Wolke ist über uns drüber gezogen, ohne abzuregnen.

© Foto: RHV-Archiv/Pühn

Der aktuelle Wert für Maronen – Stand 23. Oktober 2015 — liegt übrigens bei unter 75 Bq pro Kilo. Erlaubt sind 600! Sie sehen: Kein Problem mehr! Aber grundsätzlich gilt: Pilze sollten in normalen Mengen und auch nicht über einen längeren Zeitraum hinweg täglich genossen werden. Außerdem: Immer gut erhitzen!

Auf einer Internetseite des Landratsamtes steht, Sie würden Mensch und Pilz von Ihrem Wohnzimmer aus schützen. Richtig?

Rossmeissl: Ich berate seit meiner Pensionierung als Kreiskämmerer 2009 nur noch zu Hause, das stimmt. Und ich helfe bei Giftnotrufen weiter, das ist ebenfalls richtig.

Dass ich auch die Pilze schützen muss, kann jeder nachvollziehen, der schon mal gesehen hat, wie manche Sammler den Forstboden regelrecht umgraben. Da werden Pfifferlinge in Kirschkerngröße bis zum Myzel runter ausgebuddelt. Das beschädigt doch den Pilz!

Sobald mir so ein Frevel begegnet, geh ich sofort dazwischen...

Und wie verhält sich ein verantwortungsvoller Pilzsucher?

Rossmeissl: Er lässt die ihm unbekannten Arten stehen, ohne sie umzuhauen. Er gräbt keine Pilze aus, sondern dreht sie heraus und macht das Loch bei bauchigeren Exemplaren wie beispielsweise Steinpilzen auch wieder zu!

Das ist mir ein wichtiges Anliegen, weil die echte Pilzsaison jetzt losgeht. — Obwohl es eine „echte“ Saison ja gar nicht gibt: Der Pilz schert sich wenig ums Datum, sondern wächst, sofern er gute Bedingungen vorfindet. Und die sind in diesem Jahr durchaus positiv.

Wenn’s so weiter geht, dann wird das ein gedeihliches Pilzjahr...

Mehr Informationen rund um unsere heimische Pilzarten erteilt der Pilzberater unter Telefon (0 91 71) 16 04.

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