Donnerstag, 01.10.2020

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Ein weiter Weg zum freien Weg

Helga Schmitt-Bussinger (SPD) lud zum Sozialempfang in Roth - 09.06.2015 15:49 Uhr

Diskutierten auf Einladung der SPD über Barrierefreiheit: Simone Bald (Bündnis für Familie Schwabach), Paul Rösch (Inklusionsnetzwerk Roth), Awo-Kreisvorsitzender Hartmut Hetzelein als Diskussionsleiter, der frühere Vorsitzende des Schwabacher Seniorenrats Günter Franke und der Gmünder Bürgermeister Ben Schwarz.

© F.: stt


Ruth Waldmann ist in der SPD-Landtagsfraktion die Fachfrau in Sachen Inklusion und Barrierefreiheit. Die 44-jährige Soziologin war vor ihrem Einzug ins Parlament 2013 stellvertretende Geschäftsführerin der Münchener Arbeiterwohlfahrt, saß 15 Jahre lang im oberbayerischen Bezirkstag und leitet nun in der Landtagsfraktion die entsprechende Arbeitsgruppe. Ihrer Meinung nach weiß die CSU-Staatsregierung trotz großer Worte des Ministerpräsidenten „nicht wirklich, was in Bayern los ist“.

Seehofer habe sich für seine Ankündigung, Bayern werde 2023 barrierefrei sein, zwar „feiern lassen und große Hoffnungen geweckt“. Aber letztlich laufe das auf eine Riesenenttäuschung hinaus. Schließlich habe eine große Anfrage der SPD-Landtagsfraktion ergeben, dass „es keine Datengrundlage, kein Förderkonzept und keinen Aktionsplan“ für konkrete Projekte gebe. Auch ein Programm für die Kommunen fehle. „Das Verständnis der CSU endet nämlich, wenn es um den Haushalt geht“, so Waldmann, derzufolge Finanzminister Söder auf Kostenneutralität poche. „Das funktioniert nicht, Barrierefreiheit ist nicht umsonst zu haben“, sagte Ruth Waldmann.

Nach Meinung der SPD darf es nicht nur bei Sonntagsreden bleiben. Die Landtagsfraktion strebe deshalb nun eine echte Bestandsaufnahme in Bayern unter Einbeziehung der Betroffenen an. Per Internet will die SPD Hinweise auf den Handlungsbedarf im gesamten Freistaat sammeln. „Nennen Sie uns die Fundstellen“, appellierte Waldmann an Menschen mit Handicap, ihre Angehörigen und ihre Verbände. Sie vertrat dazu die Auffassung, dass die Herstellung von Barrierefreiheit eine Querschnittsaufgabe für alle Akteure des politischen Prozesses sei. „Das ist eine echte Umkrempelung“, räumte sie ein, „aber ein barrierefreier öffentlicher Raum muss selbstverständlich sein“.

Genau zuhören und handeln

Gegenwärtig ist er im Landkreis Roth und in Schwabach alles andere als das. „Von den Sitzungssälen in 16 Rathäusern sind ganze drei für Menschen mit Behinderung zugänglich“, erklärte Paul Rösch vom Inklusionsnetzwerk Roth. In einer Interviewrunde betonte er die Bedeutung der Einbeziehung Betroffener bei der Gestaltung von Barrierefreiheit. „Sonst muss manches für teures Geld neu gemacht werden“, so Rösch, der Kommunalpolitikern im Landkreis eine gewisse Offenheit bescheinigte. „Sie müssen genau zuhören und dann handeln“, sagte Rösch.

Diskussionsleiter Hartmut Hetzelein wies auf den Behindertenfahrstuhl im Schwabacher Bürgerhaus hin, der Menschen mit Behinderung den Besuch von Stadtratssitzungen ermögliche. Simone Bald aus Schwabach ist wie Paul Rösch aufgrund einer Multiple-Sklerose-Erkrankung gehbehindert. Die zweifache Mutter setzt sich im Schwabacher Bündnis für Familie für ein behindertengerechtes Wohnumfeld ein. Sie vertrat dieselbe Auffassung wie Rösch: „Wir brauchen mehr Betroffene, die sich beteiligen.“

Paul Rösch ist es mit dem Inklusionsnetzwerk jedenfalls gelungen, einen echten Antreiber für Barrierefreiheit im Landkreis ins Leben zu rufen. Dafür wird er nun auch in die Geschichte eingehen. Wie Awo-Kreisvorsitzender Hartmut Hetzelein bekanntgab, ist er der erste Träger des neu geschaffenen Preises der Awo-Stiftung.

Für den Georgensgmünder Bürgermeister Ben Schwarz (SPD) ist Barrierefreiheit in den Kommunen nur möglich, wenn die Finanzierung stimmt. Er sah in ihr zwar einen Standortvorteil. „Damit könnten wir die Zentren wiederbeleben“, war er überzeugt. Schwarz hielt die Kommunen aber für überfordert. „Wir können nicht alles tun, weil uns die Finanzen fehlen“, sagte er und forderte den Freistaat zu Förderprogrammen und Investitionen auf.

Günter Franke war in Schwabach lange Jahre Vorsitzender des Seniorenrats und hat sich als solcher immer wieder für seniorengerechten öffentlichen Raum eingesetzt. Seine Erfahrung: „Man muss dranbleiben und ständig erinnern.“ Insbesondere das Kopfsteinpflaster in historischen Altstädten sei für Menschen im Rollstuhl oder mit Gehhilfen ein Problem. Ebenso der Zugang zum öffentlichen Nahverkehr.

www.bayernbarrierefrei.de

ROBERT SCHMITT

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