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Einkaufen? Kunden in Schwabach und Roth sind zögerlich

Das verschärfte "Click & Meet" wird kaum angenommen - 13.04.2021 11:00 Uhr

Schwabach Buchhandlung Kreutzer Thomas Urmoneit Click und Collext Click und Meet

12.04.2021 © Günther Wilhelm, NN


Die komplizierte Regelung dürfte bei so manchem Ladenbesitzer ein Kopfschütteln erzeugt haben. Viele fürchten einen weiteren Rückgang der Kundenfrequenz, denn der Zutritt ins Geschäft ist nur mit einem offiziellen Dokument einer Teststation oder mit einem Test unter Aufsicht im Laden vor Ort möglich. Zu Hause durchgeführte Selbsttests zählen nicht. Die gültige Regelung für kleine Geschäftseinheiten wird von den Einzelhändlern größtenteils als "nicht praktikabel" bezeichnet.

Liegt die Inzidenz zwischen 100 und 200, so gilt seit Montag in Einzelhandelsgeschäften: Einlass nur mit Termin und zusätzlich nur mit einem negativen Corona-Schnelltest, der nicht älter als 48 Stunden (PCR-Test) beziehungsweise nur 24 Stunden (POC-Antigentest) sein darf. Möglich ist auch ein Selbsttest unter Aufsicht. Somit wurde das bisherige „Click & Meet“-Verfahren für den Einkauf im Geschäft verschärft.

Wie bisher möglich ist „Click & Collect“, also Ware bestellen und zu einem vereinbarten Termin an der Tür abholen. Für Läden, die inzidenzunabhängig geöffnet haben dürfen - etwa Supermärkte, Drogeriemärkte und Bäckereien - ist nach wie vor kein Test nötig. In Baumärkten und Blumengeschäften, die bislang ebenfalls ausgenommen waren, gilt ab Montag jedoch auch "Click & Meet". Wir haben uns in Schwabach und in Roth umgehört.

Mehr Tests als sonst

Montagmittag am Schwabacher Markgrafensaal: Vor dem Schnelltestzentrum wartet ein halbes Dutzend Personen mit dem gebotenem Abstand auf Einlass. Innen herrscht Hochbetrieb. Die zusätzlichen Öffnungszeiten am Vormittag finden große Resonanz. Bisher war das Schnelltestzentrum montags bis samstags von 12 bis 18 Uhr sowie sonntags von 9 bis 15 Uhr geöffnet.

Nun kann man sich – nach Terminvereinbarung – auch von Montag bis Samstag zwischen 8 und 11 Uhr kostenlos testen lassen. „Wir hatten heute Vormittag 135 Tests. Das ist deutlich mehr als sonst in drei Stunden“, sagt Jörg Deffner von den Johannitern, die das Schnelltestzentrum im Auftrag der Stadt betreiben.

Testpflicht "schreckt ab"

„Wir wollen alles tun, um das Einkaufen zu erleichtert“, erklärt OB Peter Reiß die verlängerten Öffnungszeiten im Schnelltestzentrum. „Denn diese neue Verordnung hat bei Händlern wie Kunden Unsicherheit ausgelöst. Und Unsicherheit hält vom Einkaufen fern.“

Diese Erfahrung hat auch Birgt Schlosser, Verkäuferin bei „Ernsting`s Family“ gemacht: „Die Leute sind so verunsichert und verwirrt, da kommen sie gar nicht mehr. Die Testpflicht schreckt ab.“

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100 statt 165: Die Corona-Regeln an bayerischen Schulen bleiben wie gehabt. Manche Geschäfte dürfen sich aber über Lockerungen freuen. Dieser Regeln gelten in Bayern bis zum 9. Mai.


In Christian Frenzels Modegeschäft war am Montagvormittag immerhin ein Kunde mit einem negativen Corona-Test erschienen. „Das müssen wir jetzt erst auf uns zukommen lassen“, will er keine voreiligen Schlüsse ziehen.

Thomas Urmoneit von der Buchhandlung Kreutzer hatte am Vormittag ausschließlich „Click&Collect“-Kunden. „Nachmittags habe ich einen Termin mit jemandem mit Test“, sagt er.

Totaler Rückschritt

Wie die Buchhändler, so trifft die neue Regeln auch Blumenläden besonders hart. „Zuletzt galten wir als systemrelevant und durften normal öffnen, jetzt haben wir wieder die gleichen Bedingungen wie alle anderen Einzelhändler. Für mich ist das der totale Rückschritt“, sagt Jessica Dresel-Seel, Inhaberin von „Kreativ Floristik“.

Der erste Eindruck der spontanen Umfrage: Obwohl das Schnelltestzentrum sehr gut besucht ist, haben sich zum Einkaufen offenbar nur sehr wenige testen lassen.Theoretisch könnten die Einzelhändler auch selbst Schnelltests anbieten, das erlaubt die neue Verordnung. Aber nur in geeigneten Räumen oder vor dem Laden und nur von Fachkräften oder geschultem Personal. Auflagen, die zumindest in einer kleinen Stadt wie Schwabach bisher kein Einzelhändler auf sich nimmt.


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„Das ist viel zu aufwändig“, sagt Manuela Hoffmann von Schuh Hoffmann aus Wernfels, die auch in Schwabach ein Schuhgeschäft betreibt. „Und es ist auch eine Kostenfrage“, erklärt Thomas Urmoneit. „Ein Test kostet sechs bis acht Euro, wir müssten einen Pavillon zum Testen aufstellen, und medizinisches Fachpersonal haben wir nicht. Test anzubieten ist nicht machbar.“

Lob für die Stadt

In Schwabach verweisen die Einzelhändler deshalb auf das Schnelltestzentrum. „Da muss man die Stadt loben. Sie hat mit den erweiterten Öffnungszeiten schnell reagiert“, sagt Christian Frenzel, der auch Vorsitzender des örtlichen Einzelhandelsverbands ist. Eine wichtige Botschaft lautet deshalb: „Einkaufen ist möglich.“ Auch mit den geforderten Tests.

Das Schnelltestzentrum hat mehrere Vorteile: Die Tests sind kostenlos, die Bestätigung gilt in allen Geschäften, der Markgrafensaal liegt nahe an der Innenstadt und die Johanniter stellen Fachpersonal. OB Reiß will das Angebot weiter verbessern: „Wir sprechen derzeit mit Apotheken und Arztpraxen, welche Schnelltestkapazitäten noch möglich sind.“

Für Christian Frenzel stellt sich aber eine grundsätzliche Frage: „Bei Einzelhändeln werden Test verlangt, bei Drogerien und Lebensmittelläden nicht, obwohl dort die Frequenz der Kunden doch viel höher ist. Wo ist da die Logik?“ Er hofft deshalb, was alle hoffen: „Dass die Inzidenz bald wieder auf unter 100 fällt.“

Reinlassen ist tabu

Die Kunden müssen auch bei Bücher Genniges in Roth anrufen, einen Antigentest vorlegen und ihre Adresse hinterlassen.

12.04.2021 © Detlef Gsänger, NN


Margarete Cloppenburg von Bücher Genniges in Roth ist derzeit skeptisch, ob überhaupt ein Kunde mit einem gültigen Antigentest den Laden betritt. Gebucht hatte jedenfalls für den gestrigen Vormittag noch niemand. Doch die Türe von Bücher Genniges steht offen. „Die Kunden dürfen schließlich bestellte Bücher abholen“, sagt sie. „Grüß Gott“, sagt da eine Frau und betritt in diesem Moment den Laden. „Ich hätte gerne das Buch…“ „Ich darf Sie eigentlich laut den Bestimmungen nicht hereinlassen“, antwortet Cloppenburg. Die Frau dürfe aber gerne vor der Türe warten. „Ich schaue, ob wir dieses Buch vorrätig haben, ansonsten nehme ich die Bestellung entgegen“, versucht Cloppenburg dennoch zu helfen. Die Kundin freut sich.

Vor einer Woche noch galten Schuhgeschäfte als systemrelevant und durften öffnen. Diese Regelung wurde jetzt wieder gekippt.

Einzelhandelsfachhändler Uwe Heyder aus Roth müsste eigentlich jetzt schon Ware für den Herbst bestellen. Doch soweit kann der Schuhhändler kaum vorplanen.

12.04.2021 © Detlef Gsänger, NN


Durfte Uwe Heyder bislang Mädchen und Buben bis drei Jahre mit einer Begleitperson in seinem Geschäft empfangen, um die notwendigen Messungen für die Füße vorzunehmen. Geschehe dies nicht, seien Druckstellen bis hin zu Fehlstellungen des empfindlichen kindlichen Fußes die Folge, informiert Inhaber Heyder. Ob er diesen bislang gerne in Anspruch genommenen Service weiter anbieten kann, weiß er nicht. „Ich warte auf einen Rückruf aus dem Landratsamt“. Ansonsten bietet Heyder auch einen Lieferservice an - mit Anprobe. In seinen Schaufenstern sind die Schuhe einzeln nummeriert. Das erleichtert die Bestellung.

Wieviel Ware für den Herbst?

Was allerdings Uwe Heyder und andere Schuhhändler drückt, sind die Vorbestellungen für den Herbst. „Diese werden normalerweise bis Ende April getätigt. Doch wer sagt mir, wie die Nachfrage dann sein wird. Können wir im Herbst überhaupt regulär wieder öffnen?“ Fragen, die auch die Modebranche betrifft. Kim Steiner, Inhaberin des Modegeschäfts Chiceria am Marktplatz in Roth, bleibt aber trotz aller Widrigkeiten optimistisch. Sie fährt am kommenden Wochenende sogar nach Düsseldorf zu Gallery Shoes.

An Ideen, wie sie für Ihre Kunden trotz aller Widrigkeiten den besten Service bieten kann, mangelt es Kim Steiner nicht. So bietet die Rother Einzelhändlerin mehrmals in der Woche Online-Modeschauen an.

12.04.2021 © Detlef Gsänger, NN


Mit dem Industrial Showroom Concept wurde ein neues Format geschaffen, das es dem Modegroßhandel ermöglicht, die notwendigen geschäftlichen Tätigkeiten in einem besonders geschützten Rahmen durchzuführen. Der in den sehr großzügigen Räumlichkeiten des Areal Böhler stattfindende Großmarkt finde unter strengen Auflagen statt, die in einem umfangreichen Sicherheits- und Hygienekonzept niedergelegt sind, so Steiner, die neben modischen Kleidern auch extravagante Schuhe führt.

Um auch in der Corona-Zeit im Gespräch zu bleiben, veranstaltet Kim Steiner zudem mehrmals in der Woche Online-Modenschauen auf Whatsapp, Instagram und Facebook. „Click und Meet“ läuft gut“, sagt sie deshalb. Ihre Kunden dürfen sich jedoch auch mehrere Kleidungsstücke zur Anprobe mit nach Hause nehmen. „Dann können sie daheim ihre eigene Modenschau durchführen“, schmunzelt Steiner.

Sie hatte gestern auch Kunden, die einen negativen Schnelltest vorweisen konnten. „Unser Vorteil ist, dass nur wenige Schritte entfernt eine Apotheke ist, die Schnelltests anbietet“. Einige Kunden hätten aber auch Unverständnis gezeigt, dass die Chiceria vorige Woche bei einer Inzidenz von 190 uneingeschränkt öffnen durfte und in dieser Woche bei einer Inzidenz knapp über 100 nicht. Eine Dame, die sogar ein Schreiben vorlegen konnte, dass sie bereits durchgeimpft ist, musste sie jedoch ablehnen und ebenfalls zum Schnelltest bitten. „So sind leider unsere Vorschriften“.

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