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Einsturzgefahr: Eingänge in die Keller werden saniert

Thalmässing: Weil in den Gewölben viele Fledermäuse ihren Winterschlaf halten, fließen Fördergelder in Höhe von 75 Prozent - 17.01.2019 12:00 Uhr

Einst lagerten hier die Brauereien im Sommer ihr Bier, inzwischen dienen die insgesamt fünf Felsenkeller den Fledermäusen als Winterquartier. Jetzt aber sind die Eingänge einsturzgefährdet und müssen dringend saniert werden. © Foto: Tobias Tschapka


Sieben verschiedene Fledermausarten halten in den fünf Kellern ihren Winterschlaf. Insgesamt wurden 46 Tiere gezählt, "eine sehr bedeutende Population", versicherte Ruppert Zeiner, der Vorsitzende des LBV-Arbeitskreises Fledermausschutz den Mitgliedern des Thalmässinger Marktgemeinderates in deren Sitzung am Dienstagabend. Der Arbeitskreis betreut die Keller seit 30 Jahren. Dort unten herrschen im Winter zwischen fünf und acht Grad, laut Zeiner also "ideale Bedingungen für den Winterschlaf der Tiere".

Doch eigentlich müsste die Marktgemeinde die Zugänge sperren. Weil akute Einsturzgefahr bestehe, sei die Situation einfach zu gefährlich für Spaziergänger oder spielende Kinder, informierte Bürgermeister Georg Küttinger die Markträte und sprach von einem "dringenden Handlungsbedarf".

Das Problem: Die Sanierung der fünf Kellereingänge — die Keller selbst sind relativ in Ordnung — ist teuer. Von Kosten in Höhe von rund 220 000 Euro sprach Claudia Beckstein vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken in der Sitzung. Zum Glück müsste die Marktgemeinde diese Summe nicht alleine aufbringen. Weil es um den Schutz der Fledermaus geht, würde die Regierung von Mittelfranken die Arbeiten mit 75 Prozent bezuschussen. Damit würde sich der Eigenanteil der Marktgemeinde auf rund 55 000 Euro belaufen.

Die notwendigen Arbeiten sind an den einzelnen Eingängen sehr ähnlich: Bäume und Wurzeln entfernen, das Gewölbe sichern, das Mauerwerk erhalten. Dennoch gibt es einige Unterschiede, die Ingenieur Stefan Wolfrum vor allem damit begründete, dass man "keine Luxus-Sanierung" vorhabe. Das Gredinger Ingenieurbüro Wolfrum hatte die Keller unter die Lupe genommen, notwendige Arbeiten aufgelistet und auch schon mal die Kosten geschätzt.

Das Ergebnis: Es müssen zum Beispiel nur vier Kellereingänge saniert werden. Weil Nummer zwei und Nummer drei miteinander verbunden sind, reicht den Fledermäusen ein Eingang. Nummer zwei wird also einfach gesperrt. Außerdem reicht es eigentlich, im Keller Nummer vier — dem kleinsten und kürzesten – nur ein Betonrohr als Zugang einzubauen. Dann spart man sich auch hier die Sanierung des Portals. Den Naturstein erhalten will man dagegen bei Nummer fünf, dem größten und "Vorzeige-Keller" (Wolfrum).

Die Kosten für die Sanierung der einzelnen Keller liegen zwischen rund 12 000 Euro (Nummer vier) und rund 40 000 Euro (Nummer fünf). Insgesamt sind für alle vier Eingänge rund 114 000 Euro veranschlagt. Dazu kommen noch unter anderem die Kosten für die schon gelaufene Voruntersuchung und die Baustelleneinrichtung, außerdem sind schon mal zehn Prozent der Bausumme für Unvorhergesehenes eingeplant.

Der Landschaftspflegeverband befürwortet den Erhalt der Keller übrigens nicht nur aus naturschutzfachlicher Sicht. Die Keller hätten auch einen historischen Wert für die Gegend, erklärte Claudia Beckstein.

Nicht zuletzt könnte man sie nach der Sanierung ins touristische Konzept der Marktgemeinde einbinden, Infotafeln mit Hinweisen auf die Geschichte und derzeitige Bedeutung einstellen oder im Frühjahr und Sommer (im Winter ist der Zutritt verboten) ins Führungsprogramm mit einbinden.

Enges Zeitfenster

Doch ist es dann nicht besser, auf den Beton zu verzichten und lieber alle vier Keller wieder so herzurichten, wie sie mal waren? Eine Frage, die nicht nur Johannes Mailinger (CSU) stellte. Geht schon, "kostet dann aber auch mehr", so die eindeutige Antwort von Ingenieur Wolfrum. Und eigentlich "können wir dies auch noch später entscheiden", so der Bürgermeister.

Für die Arbeiten selbst gibt es übrigens ein enges Zeitfenster. Um die Fledermäuse nicht zu stören, dürfen die Keller im Herbst und Winter nicht betreten werden. "Wir können also nur zwischen Mai und August bauen", erklärte Bürgermeister Georg Küttinger auf Nachfrage von Eva Dorner (Thalmässinger Liste). Dass es wirklich in diesem Jahr losgeht, ist also eher unwahrscheinlich.

Ganz generell zeigte sich der Marktgemeinderat mit der Sanierung der Felsenkeller einverstanden. Nun soll es an die genaue Planung und die Ausschreibung der Arbeiten gehen. 

BEATE WINDISCH

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