Baufachberater

Einsturzgefährdetes Haus in Nürnberg: Ein Fall für die THW-Spezialisten aus Roth

19.6.2021, 14:00 Uhr
Die Evakuierung der Bewohner war nötig, als vor wenigen Tagen ein Mehrfamilienhaus in Nürnberg unterspült wurde. Baufachberater vom Rother THW-Ortsverband waren auch in diesem Fall vor Ort.

Die Evakuierung der Bewohner war nötig, als vor wenigen Tagen ein Mehrfamilienhaus in Nürnberg unterspült wurde. Baufachberater vom Rother THW-Ortsverband waren auch in diesem Fall vor Ort. © Foto: ToMa-Fotografie

"Baufachberater im Technischen Hilfswerk sind dünn gesät", erklärt der technische Einsatzleiter und Zugführer Thomas Gruber vom THW-Ortsverband Roth. Dabei sei deren Arbeit nach Schadensereignissen besonders wichtig – insbesondere bei der Beurteilung der Standfestigkeit von Bauwerken.

Nicht selten hätten diese Spezialisten die kniffelige Frage zu beantworten: "Bleibt ein Gebäude stehen oder muss es gesichert werden?" Obwohl Baufachberater bereits seit rund 30 Jahren zum "festen Inventar" des Technischen Hilfswerks gehören, verfügt nicht jeder Ortsverband über die Fachkräfte. Das THW in Roth allerdings darf sich gleich auf zwei ausgebildete und erfahrene Baufachberater verlassen.

Für die THW-Baufachberater Robert Haberkern und Alexander Hartmann-Zachow gehören Nivelliergerät, Endoskopkamera und Rissmonitore ins Einsatz-„Köfferchen“.

Für die THW-Baufachberater Robert Haberkern und Alexander Hartmann-Zachow gehören Nivelliergerät, Endoskopkamera und Rissmonitore ins Einsatz-„Köfferchen“. © Foto: Marco Frömter

Zuletzt waren Robert Haberkern aus Georgensgmünd und Alexander Hartmann-Zachow aus Büchenbach vor wenigen Tagen im Einsatz. Die Nürnberger Feuerwehr bat die beiden 45-Jährigen um Unterstützung, als dort ein Mehrfamilienhaus aufgrund starker Regenschauer unterspült wurde. Mit Blaulicht rückten Haberkern und Hartmann-Zachow aus, um die Einsatzleitung vor Ort zu beraten. Mit ihrer speziellen Ausrüstung untersuchten sie fingerdicke Risse im Keller des betroffenen Gebäudes. Resultat: Die Bewohner mussten evakuiert werden.

Erfahrung und ein Meisterbrief

"Diese Arbeit ist nicht alltäglich, es gilt zum Teil weitreichende Entscheidungen zu treffen; eine große Verantwortung", beschreibt Thomas Gruber den ehrenamtlichen Dienst seiner Kameraden in knappen Worten. Nicht jeder könne eine solche Aufgabe antreten. Neben "ordentlich Einsatzerfahrung" gehöre auch eine mehrtägige Ausbildung zur Grundvoraussetzung dieser Tätigkeit.


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Und: "Der Meistertitel im Baubereich muss mindestens nachgewiesen werden." Darüber hinaus sei erforderlich, dass aktiv in der Baubranche gearbeitet werde – regelmäßige Aus- und Weiterbildungen seien selbstverständlich.

Im Team unterwegs

Die Rother Baufachberater erfüllen diese Kriterien ausnahmslos: Robert Haberkern ist Bautechniker und im Facility Management der Gemeinde Georgensgmünd tätig. Ebenfalls vom Fach ist Bauingenieur Alexander Hartmann-Zachow, der als Berufsschullehrer Bautechniker in Nürnberg ausbildet. Als Einzelkämpfer agiere man nur selten: "Wir sind als Team unterwegs – vier Augen sehen einfach mehr", so Haberkern. Jeder habe im Prinzip seine eigenen Aufgaben. "Während einer das Einsatzfahrzeug fährt, beginnt der andere bereits mit der Vorbereitung oder dem Dokumentieren von Einsätzen."

Auch die gegenseitige Unterstützung in "Stresssituationen" spiele eine große Rolle: "Wir wissen nie, was uns erwartet, wenn wir spontan gerufen werden. Es vermittelt eine gewisse Sicherheit, einen Kameraden an der Seite zu haben."

Das Zuständigkeitsgebiet erstreckt sich für die beiden Spezialisten nicht nur auf den Regionalbereich – der ohnehin schon einen Radius von gut 150 Kilometern umfasst. Im Prinzip seien die THW-Kräfte bundesweit einsetzbar. So gehören "Einsätze vor der Haustür" ebenso zum Alltag wie Unterstützungsleistungen - zum Beispiel bei der Flutwelle in Simbach, bei der Schneekatastrophe in Miesbach und bei dem Rathausbrand in Dillingen.

Detektivarbeit

Dabei gehen die Baufachberater ins Detail und untersuchen oftmals Ursachen bei Explosionen, Bränden oder Überschwemmungen. "Als in Allersberg vor ein paar Tagen eine Baugrube mit Wasser vollgelaufen war, mussten wir prüfen, ob von einem Kran eine Gefahr ausgeht", erinnert sich Alexander Hartmann-Zachow.


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Die Ausrüstung und das vorhandene Wissen der THW-Baufachberater sei übrigens höchst unterschiedlich: "Es kommt darauf an, in welchem Bereich wir im Alltag arbeiten. Es gibt Berater im Hoch- und im Tiefbau." Darüber hinaus gebe es Kameraden, die besonders auf Brücken oder auf Holzkonstruktionen spezialisiert seien. Es sei deshalb nicht selten, dass sich die THW-Spezialkräfte auch untereinander beraten und unterstützen: "Wir verfügen über ein großes Netzwerk", bestätigt Thomas Gruber.

Über die Arbeit der THW-Baufachberater seien andere Rettungskräfte und Hilfsorganisationen sehr dankbar: "Unsere Fachkompetenz wird immer bekannter." Kein Wunder also, dass Gruber das Einsatzaufkommen mit "Tendenz steigend" bewertet.

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