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Eklat im Stadtrat: Wolfgang Treitz tritt überraschend aus CSU aus

„Ich war schon immer das schwarze Schaf unter den Schwarzen“, sagte er der RHV - 25.09.2019 11:43 Uhr

Wolfgang Treitz, ehemaliger CSU-Stadtrat, ist nun ein Mitglied der Freien Wähler. © rhv


Die Überraschung war ihm offenbar gelungen. Verdutzte Gesichter begleiteten den Gang des langjährigen CSU-Stadtrates Treitz zum anderen Ende des Sitzungssaals. Einen Grund nannte der Bernloher Bilanzbuchhalter nämlich nicht, erst auf Nachfrage der RHV begründete er seinen plötzlichen Schritt: Mit seiner Platzierung auf der Stadtratsliste der CSU für die Kommunalwahl 2020 sei er nicht zufrieden.

„Ich habe bisher jedes Mal nachgegeben“, erinnerte er an 2002, als er auf Platz 18 gesetzt worden und auf Platz zehn vorgewählt wurde. 2008 habe er von Platz elf aus starten müssen, vorgewählt wurde er auf Platz fünf. Und 2014 habe er den Platz acht, auf den die CSU ihn gesetzt habe, gehalten.

Seine persönliche Konsequenz für 2020: „Entweder Platz acht oder gar nicht.“ Das habe er der Partei in einem Schreiben mitgeteilt. Da ihm trotzdem nur Platz neun angeboten worden sei, "bin ich konsequent". Welche Begründung die Partei für ihre Reihung habe, das interessiere ihn nicht. Und zu einer Ankündigung für seinen Rückzug aus Fraktion und Partei sah er auch keinen Anlass, statt dessen setzte er auf den Paukenschlag. 

Da er aber weiter Stadtrat bleiben und „für die Stadt arbeiten“ wolle, sei er auf die Freien Wähler zugegangen. Und die hätten reagiert: Eine konkrete Platzierung für den abtrünnigen CSU-Mann gebe es zwar noch nicht, sie bewege sich aber „in einem Rahmen“.


Kommunalwahl 2020: Wer will noch mal, wer hat noch nicht?


Dass Treitz mit dem Über- auch den Austritt aus der CSU vollzog, sieht er selbst ganz gelassen. „Ich war schon immer das schwarze Schaf unter den Schwarzen“, glaubt er. Ihm gehe es nicht um die Partei, sondern um die Stadt. Für die wolle er arbeiten, „theoretisch“ sei das auch in jeder anderen Gruppierung möglich.

Die bisher fünf Stadtratsmitglieder der Freien Wähler machten dem „Neuen“ bereitwillig Platz, Sprecher Karl Schnitzlein schätzt den „versierten und erfahrenen Kommunalpolitiker“, den er schon viele Jahre als Schlosshofspieler kennt und der „vor allem einen eigenen Kopf hat“. Schnitzlein: „Wir wären ja dumm, wenn wir sagen würden, dass wir ihn nicht wollen.“ Ein aussichtsreicher Platz auf der Liste der FW werde dem neuen Fraktionsmitglied angeboten – vorbehaltlich der Entscheidung der Nominierungsversammlung. Bis zur Wahl 2020 gebe es jedoch keine Änderung der Sitze im Ausschuss. Seine Plätze im Rechnungsprüfungs- und im Hauptausschuss sind ja CSU-Sitze.

Bei den Christsozialen herrschte am Dienstagabend dagegen überraschtes Staunen. Laut CSU-Fraktionssprecher Daniel Matulla sei zwar der Brief mit der Forderung eines konkreten Listenplatzes eingegangen und diskutiert worden, aber dass Treitz dann „in der Sitzung aufsteht und die Fraktion verlässt, wussten wir nicht“. Es habe ihn, Matulla, auch „ein bisschen verwundert, dass ihm der Listenplatz wichtiger ist als die eigene Überzeugung“. Gerade weil man im Stadtrat ja weiter zusammenarbeiten wolle und werde, hätte er sich gewünscht, solch einen Schritt „vorher miteinander zu besprechen“. So aber bleibe bei ihm der Eindruck von „unprofessioneller Kommunikation“ hängen.

Als tröstliche Bestätigung kann Matulla zumindest verbuchen, dass „29 von 30 Listenkandidaten ihre Einreihung auf der Liste nachvollziehen können“. Schließlich bestehe „immer die Schwierigkeit, dass die Hälfte auf Platz 30 und die andere Hälfte auf Platz eins kandidieren will“.

 

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