Elektrisch auf Achse: So sind Frankens Rathauschefs unterwegs

22.4.2021, 06:04 Uhr
Original: Roths Bürgermeister Ralph Edelhäußer ist seit Dezember 2020 in einem schicken E-Auto, einem Mercedes EQC 4 Matic unterwegs. Der Umwelt zuliebe.

Original: Roths Bürgermeister Ralph Edelhäußer ist seit Dezember 2020 in einem schicken E-Auto, einem Mercedes EQC 4 Matic unterwegs. Der Umwelt zuliebe. © Detlef Gsänger, NN

Der schicke Mercedes EQC 400 4 Matic trägt das Kennzeichen RH-ST-901E. Meistens sitzen Roths Erster Bürgermeister Ralph Edelhäußer oder ein weiteres Mitglied der Verwaltung entspannt hinter dem Lenkrad. Die Front des SUV wirkt auf den Betrachter in der Tat etwas bullig, die Heckpartie dagegen elegant. Das Cockpit ist durchaus futuristisch angehaucht und mit einigen Gimmiks ausgestattet. Edelhäußer sieht den Technikvorsprung eher unter der Vorbildfunktion und aus Umweltschutzgründen. „Bislang hatten wir immer eine Mercedes E-Klasse, nichts protziges. Einen Diesel halt“, sagt Edelhäußer.


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Doch der CSU-Politiker hatte, als es um eine Neuanschaffung ging, von vorne herein ein E-Auto im Visier. „Ich habe mich zu nächtlicher Stunde durch das Internet geklickt und auf YouTube jede Menge Testberichte angeschaut“, sagt Edelhäußer. Schließlich hat er sich für das wirtschaftlichste Angebot vergleichbarer Modelle entschieden. Besagten EQC 400 von Mercedes eben. Edelhäußer: „Zieht man von dem günstigen Kaufpreis noch die derzeit möglichen staatlichen Förderungen ab, ist der EQC mit rein elektrischem Antrieb unterm Strich günstiger als ein GLC mit gleich starker Motorisierung“.

Hersteller wie Mercedes, Audi und BMW scheinen sich aktuell preislich unterbieten zu wollen, wenn es um die Gunst der Lokalpolitiker geht. Und kaum ein Hersteller kann es sich derzeit leisten, kein Elektroauto anzubieten. Der Umwelt zuliebe. Und staatliche Fördergelder gibt es obendrein. „Mit 330 Euro brutto für dieses E-Auto von Mercedes war das Angebot günstiger als bei einem neuen Diesel“, so das Kaufargument für Edelhäußer.

In fünf Sekunden auf 100 Touren

Um die Überführungskosten zu sparen, hat Roths Rathauschef den Neuwagen im Dezember 2020 persönlich in Bremen abgeholt und seine ersten Erfahrungen mit dem Mercedes EQC 400 4 Matic gemacht. „Mich hat das Fahrgefühl begeistert. 5,1 Sekunden von Null auf Hundert ist schon beachtlich“, schmunzelt Edelhäußer, der privat einen Polo fährt, der bereits 100.000 Kilometer auf dem Buckel hat, und in der Stadt durchaus häufig mit seinem Dienstrad („Aus einer Versteigerung im Bauhof erworben“) unterwegs ist.

Einmal hat er auf der Strecke von Bremen nach Roth „nachtanken“ müssen. „Das hat eine Stunde und 40 Minuten gedauert. Ja, ist so. Dafür bin ich die Strecke umweltfreundlich gefahren“. Eine Wallbox steht aktuell für das neue Dienstfahrzeug in der Rathaus-Tiefgarage zur Verfügung. Das Stadtbauamt hat als Dienstfahrzeug ebenfalls ein Elektroauto, einen BMW i3, ebenso die Stadtwerke Roth. Wegen der Corona-Pandemie seien die Dienstwägen aktuell kaum auf längeren Strecken unterwegs. „Aber das kommt wieder“.

Im Stadtgebiet von Roth gibt es derzeit fünf Ladesäulen, die von den Stadtwerken Roth betrieben werden: Willy-Supf-Platz, Belmbacher Straße (Parkplatz Gymnasium – Kooperation mit dem Landkreis), Parkplatz Landratsamt, Weinberg (Kooperation mit dem Landratsamt Roth), Otto-Schrimpff-Straße, Parkplatz Festplatz und Friedrich-Ebert-Straße, bei Haus Nummer 40. Jeder Standort bietet gleichzeitig zwei 22-Kilowatt-Lademöglichkeiten mit Öko-Strom.

350 Kilometer vollelektrisch

Auch in Schwabach ist das Stadtoberhaupt umgestiegen: OB Peter Reiß fährt seit seinem Amtsantritt 2020 einen Audi e-tron, also ebenfalls voll elektrisch. Reichweite: rund 350 Kilometer. „Für Schwabach und Umgebung ist das super“, sagt Reiß. „Der Wagen fährt sich angenehm und entspannt. Ich bin sehr zufrieden.“ Aufgeladen wird der SUV in der Tiefgarage mit Strom der Stadtwerke. „Mir ist wichtig, dass eine Stadt auch eine gewisse Vorbildfunktion hat“, betont Reiß. Deshalb hat Schwabach sieben weitere E-Fahrzeuge im Dienst, unter anderem in der Stadtgärtnerei, der Poststelle und im Umweltamt.

Der Markt Wendelstein dürfte in der Umgebung führend sein, was Elektro-Fahrzeuge anbelangt. Das erste Fahrzeug mit Strom-Antrieb wurde bereits 2013 gekauft. Seither wurden immer wieder „Stromer“ angeschafft. Der Markt Wendelstein und seine Gemeindewerke haben sich seit langem die Energiewende und den Klimaschutz auf die Fahnen geschrieben. Kürzlich wurde der gemeindliche Fuhrpark um zwei weitere E-Fahrzeuge für den Bauhof und das Rathaus ergänzt.

Mittlerweile sind in den drei kommunalen Einheiten neun E-Fahrzeuge im Einsatz. „Wie bei den vorgenommenen Ersatzbeschaffungen für das Rathaus und den Bauhof setzen wir gezielt auf Elektro-Auto“, erklärt Wendelsteins Bürgermeister Werner Langhans. Der Markt hat vier Elektro-Fahrzeuge gekauft. Hinzu kommt der Hybrid-BMW von Langhans. Der fährt bei Bedarf mit herkömmlichem Kraftstoff, kann aber auch mit Strom betrieben werden.

Marktgemeinde setzt auf Stromer

Die Gemeindewerke, eine 100-prozentige Tochter des Marktes Wendelstein, verfügen über sechs E-Fahrzeuge, zwei davon sind Kleinbusse für die Monteure. Hinzu kommt ein Hybrid-Pkw und zwei Elektro-Fahrzeuge für „Car-Sharing“, das den Bürgern angeboten wird. Auch der Abwasser-Zweckverband hat ein Elektro-Fahrzeug. Wann immer es um Ersatzbeschaffungen geht, prüfen die Verantwortlichen, ob sich ein E-Fahrzeug lohnen würde.

Bereits seit 2012 befinden sich in Wendelstein in der Forststraße (bei den Gemeindewerken) und „In der Gibitzen“ (beim Gymnasium) zwei öffentliche E-Ladesäulen. 2019 kamen weitere Ladesäulen in der Röthenbacher Straße in Wendelstein (Parkplatz Mittelschule), im Mittelweg in Großschwarzenlohe (Parkplatz Trafostation), in der Rieterstraße in Kleinschwarzenlohe (Parkplatz Rangauhalle) und in der Feuchter Straße in Röthenbach (Parkplatz Feuerwehrgerätehaus) hinzu. An jeder Ladesäule können jeweils zwei E-Fahrzeuge gleichzeitig „betankt“ werden. Alle sechs Ladesäulen sind in den „Ladeverbund plus“ integriert.


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Zusatz-Service: Die Gemeindewerke Wendelstein bieten ihren Kunden bereits seit 2011 die Möglichkeit, kostenlos Pedelec-Fahrräder auszuleihen. Am Badhausplatz befindet sich eine E-Bike-Ladesäule, an der zeitgleich die Akkus von drei Elektrorädern kostenlos aufgeladen werden können.

Zum Dienst mit Privat-E-Auto

Keine eigenen Dienstwagen gibt es in den kleinen Gemeinden Kammerstein und Rohr. Auch nicht für die Bürgermeister. Sowohl Wolfram Göll als auch Felix Fröhlich nutzen ihre Privatautos auch für Dienstfahrten und setzen auf E-Mobilität, allerdings mit unterschiedlicher Technik. Wolfram Göll hat sich einen BMW 530e gekauft, ein Hybridfahrzeug.

Damit kann er 35 bis 40 Kilometer ausschließlich elektrisch fahren. Meist ist er ohnehin auf Kurzstrecken unterwegs. „Rund 95 Prozent der Fahrten mache ich mit dem E-Motor“, berichtet Göll, der kurz überlegen muss, wann er das letzte Mal Benzin getankt hat: im Januar. Die Aufladung erfolgt entweder über die PV-Anlage auf seinem Haus in Schwabach oder im Kammersteiner Rathaus. „Diesen Strom zahle ich natürlich, der Gemeinde kostet das nichts“, erklärt Göll. Sein Fazit: „Ich habe sehr gute Erfahrungen gemacht.“

E-Auto-Pionier: Rohrs Rathauschef Felix Fröhlich hat zwar keinen Dienstwagen, fährt aber auch beruflich im Privatwagen bereits seit sieben Jahren voll elektrisch.
 

E-Auto-Pionier: Rohrs Rathauschef Felix Fröhlich hat zwar keinen Dienstwagen, fährt aber auch beruflich im Privatwagen bereits seit sieben Jahren voll elektrisch.   © Foto: Günter Wilhelm

Sein Kollege Felix Fröhlich aus Rohr ist so etwas wie ein E-Auto-Pionier unter den Bürgermeistern. Er fährt seit seiner Wahl 2014 voll elektrisch. Zunächst einen eher spartanisch ausgestatteten Renault Twizzy. „Aber man wird ja älter“, sagt er schmunzelnd. Vor zwei Jahren ist er auf einen Renault Zoe umgestiegen. „Ich brauche kein größeres Auto. Mir geht es darum, klimaschonend von A nach B zu kommen.“ Strom getankt wird zuhause, seit einer Woche sogar solar. „Wir haben eine PV-Anlage aufs Dach gebaut“, erzählt Fröhlich. Die Reichweite der 40 Kilowattstunden-Batterie beträgt im Sommer rund 300, im Winter etwa 200 Kilometer. Damit kommt er meistens problemlos klar. „Bei weiteren Fahrten muss man planen, wo Ladesäulen sind, etwa über den Ladeverbund Franken plus“, sagt Fröhlich. Aber auch das klappe gut. „Ich habe noch nie eine Tasse Kaffee während der Ladezeit trinken müssen.“

Bergauf mit Benzin, E-Bike für die Stadt

Bürgermeister Markus Mahl in Hilpoltstein verzichtet ebenfalls ganz auf einen Dienstwagen und nimmt für Dienstfahrten seinen Privat-Pkw: Aber: Dieser Toyota ist ein Hybrid und fährt je nach Bedarf mit Strom oder Benzin. Die Batterie des Pkw lade sich beim Fahren und Bremsen auf. Mahl ist mit dem Hybrid zumeist auf Kurzstrecken unterwegs und sehr zufrieden damit. Wenn es halt den (Solarer) Berg hochgeht, schaltet sich der Benzinmotor ein, um die Steigung zu bewältigen. Ansonsten komme der Wagen mit Strom gut über die Runden. „Wenn man natürlich Vollgas gibt, verbraucht er zusätzliche Energie“, meint er. Aber das sei bei einem Benziner oder einem Diesel auch nicht anders.

In der Stadt Hilpoltstein gibt es ein Elektrofahrzeug, das in aller Regel die Hausmeister benutzen, erklärt Mahl. Und die seien meistens nur auf Kurzstrecken im Stadtgebiet unterwegs. Generell dürfe dieses Fahrzeug jeder städtische Angestellte nutzen. Wichtig sei, sich rechtzeitig anzumelden. Und dann gebe es noch im Bauhof ein reines Elektrofahrzeug, mit dem die Mitarbeiter bei Aufträgen in der Stadt unterwegs seien. Der absolute Clou ist das städtische E-Bike, das nach Auskunft von Mahl sehr gern in Anspruch genommen wird. Vor allem von den Hausmeistern.

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