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Samstag, 20.07.2019

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Elektroautos sind brandgefährlich, nicht nur für die Feuerwehr

Was tun, wenn die mit einer Lithiumverbindung gefüllten Akkus in Flammen stehen? - 09.07.2019 15:55 Uhr

Mit einer Rettungskarte, die Werner Löchl (re.) in der Hand hat, lässt sich die Stromführung durch E-Autos nachvollziehen. Die Stromkabel, die Thomas Hagenrainer zeigt, sind bei diesem Auto orange markiert. Sie dürfen nicht durchtrennt werden. © Martin Regner


Wir haben die Experten vom Kreisfeuerwehrverband Roth gefragt, wie sich die Feuerwehren auf Notfälle mit Elektrofahrzeugen vorbereiten.

Die Batterien von Elektroautos sind nicht nur wesentlich stärker als diejenigen von herkömmlichen Autos — sie sind auch anders gebaut, erklärt Kreisbrandrat Werner Löchl. Im Brandfall wird vor allem die Füllung der Batterie mit Lithiumhexafluorophosphat zum Problem: Daraus wird in Kombination mit der Luftfeuchtigkeit oder mit Löschwasser hochgradig ätzende Flusssäure frei.

Die Rettungskarte sollte im Auto liegen

Die anrückenden Feuerwehrleute brauchen deswegen eine Atemschutzausrüstung und Schutzkleidung mit Flammschutzhaube. "Aber die tragen wir im Einsatz bei brennenden Pkw sowieso", sagt Kreisbrandmeister Thomas Hagenrainer. Das mit Säure vermischte Löschwasser stellt außerdem ein Umweltproblem dar, ergänzt Löchl.

Damit darauf richtig reagiert werden kann, muss die Feuerwehr vor dem Löschangriff wissen, ob es sich um ein E-Auto handelt. Manchmal hilft hier die äußere Gestaltung des Fahrzeugs weiter: So verraten häufig Aufkleber, Typschilder, blaue oder grüne Applikationen an den Scheinwerfern, dass es sich um ein Elektrofahrzeug handelt. Auch die speziellen Nummernschilder, die mit einem "E" enden, sind hilfreich.

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Allerdings, schränkt Hagenrainer gleich ein, helfe das alles nichts, wenn ein Fahrzeug schon im Vollbrand steht und deswegen das Kennzeichen schon nicht mehr erkennbar ist. In diesem Fall sind auch die Rettungskarten sinnlos. Das sind Datenblätter mit Informationen zur Fahrzeugtechnik, die Besitzer von Elektroautos hinter der Sonnenblende mitführen sollen. Die Rettungskarten werden auch gebraucht, wenn ein durch einen Unfall deformiertes Fahrzeug zur Personenrettung aufgeschnitten werden muss. In den Papieren sind die Wege der stromführenden Leitungen durch das Fahrzeug eingezeichnet. "Da dürfen wir dann nicht durchschneiden", erklärt Kreisbrandmeister Hagenrainer.

Ab Werk wird außerdem eine Hochvolt-Trennstelle in den Fahrzeugen eingebaut, etwa im Motorraum oder unter der Rücksitzbank. Hier kann der Akku vom Fahrzeugstromkreis getrennt werden; dann ist das ganze Auto stromlos. Falls keine Rettungskarte mit den entscheidenden Informationen über die Konstruktion des Fahrzeugs vorliegt oder diese wegen des Feuers nicht mehr greifbar ist, fordert die Feuerwehr die Unterlagen von der Rettungsleitstelle an. Die kommen dann per Fax oder WhatsApp zur Einsatzstelle, informiert Kreisbrandrat Löchl.

Bis zu 7000 Liter nötig

Die Gefahr eines Stromschlags im Einsatz hält Hagenrainer allerdings auch dann für gering, wenn der Akku brennen sollte: Man müsse beim Löschen lediglich genug Abstand zum Akku einhalten, damit es keinen Stromschlag gibt.

Wenn ein normaler Pkw brennt, reichen 1000 bis 1500 Liter Wasser zum Löschen, so Hagenrainer: "Bei einem Elektroauto sind wir mit 6000 bis 7000 Litern dabei". Deswegen werden außerhalb von Ortschaften mit Hydrantennetz mehrere Feuerwehrfahrzeuge nötig: Ein normales Tanklöschfahrzeug hat "nur" 1000 bis 2500 Liter Wasser an Bord. Das bei Akku-Bränden nicht nur löschen, sondern auch kühlen muss. 

MARTIN REGNER E-Mail

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