Freitag, 22.11.2019

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Erinnerung beim Frühstück

Nur ungern lässt die Gemeinde Pfarrer Rudolf Schenker-Primus gehen - 13.01.2016 18:27 Uhr

Pfarrer Rudolf Schenker-Primus mit seiner Frau und dem Abschiedsgeschenk, ein Modell eines neuen Esstisches. © Foto: Irene Heckel


Das voll besetzte Gotteshaus, Beiträge der Kirchenmusiker, des Posaunenchors und des Kirchenchors, die Begleitung von vielen Kollegen und herzliche Dankesworte zeigten: Hier geht ein geschätzter, warmherziger und humorvoller Seelsorger, ein Freund und menschlicher Mittelpunkt seiner Gemeinde in den Ruhestand. Als Zeichen familiärer Verbundenheit sang Sohn Uwe, derzeit als Sänger am Nationaltheater in Weimar, mit ehemaligen Kollegen des Windsbacher Knabenchores die A-cappella-Fassung des 90. Psalms.

Einen „vernünftigen“ Gottesdienst wolle er halten, aber Rudolf Schenker-Primus bekannte in seiner gewohnt offenen Art: „Das kann ich nicht! Dass so viele zu diesem Gottesdienst gekommen sind, tut gut.“ Der Abschied von seinem geliebten Beruf, in dem er viel wohlwollende Begleitung erfahren habe, mache ihn traurig. Gleichzeitig sei er neugierig und gespannt auf den neuen Lebensabschnitt.

Vergleich mit Turmuhr

Die mechanische Uhr im Turm, die längst außer Dienst ist, nahm er als Beispiel für den Rückblick: Ein Rad greift ins andere, alle sind gleich wichtig. „So muss jeder von uns an seinem Platz funktionieren.“ Die Bibel rät: Tu das, was dir bestimmt ist, an deinem Platz. Schenker erinnerte an das Jahr der Barmherzigkeit, das die katholische Kirche vor einigen Monaten ausgerufen hat und dass „uns allen gut zu Gesicht“ stehe.

In einem Gedicht habe er eine Formulierung gefunden, in der er sich gut wiederfinde: „Ich, der ich maßlos bin und mäßig lebe . . . Aber alle sind wir Kinder von Eva und Adam, und wer von uns hat nicht schon geurteilt und verurteilt und der Versuchung nicht widerstanden, an Stellschrauben zu drehen und Schicksal zu spielen.“ Er schloss: „Es gibt viel zu tun, tun wir es also langsam und mit Bedacht, mit Gelassenheit und Ausdauer.“

Dekan Klaus Stiegler und die Seniorin des Pfarrkapitels, Pfarrerin Elisabeth Gottfriedsen-Puchta, übergaben die Urkunde, mit der Schenker-Primus nach über 33 Jahren als Gemeindepfarrer aus der Verpflichtung entbunden wird.

Stiegler beschrieb zudem die beruflichen Stationen vom Wunsch der Mutter zum Theologiestudium, über die Anfänge in der Sozialistischen Republik Rumänien, den Abschluss des Studiums in Hermannstadt und den Wechsel nach Deutschland 1974.

Auch für Kreisklinik zuständig

Das Zitat aus einer bemerkenswerten Stellungnahme des damaligen Ingolstädter Dekans über den jungen Geistlichen sorgte für zustimmende Heiterkeit: „Insgesamt ist ein guter Dienst in der Kirche zu erwarten. Er ist von ruhiger und bedächtiger Wesensart, freundlich und zurückhaltend. Die familiären Verhältnisse sind geordnet, und seine Frau steht ihm fröhlich und hilfreich zur Seite.“

Die Ordination erfolgte 1974 in Ingolstadt, und im August 1982 kam der 31-Jährige mit Frau und zwei Kindern nach Rittersbach. Tochter Maria machte die Familie komplett, aus dem Paar sind nun begeisterte Großeltern geworden.

Seiner Stelle ist der Pfarrer treu geblieben, auch wenn sie sich gewandelt hat. Von 2001 bis 2010 hatte er daneben die Pfarrstelle in Wallesau, ab 2012 war er zuständig für die Kreisklinik in Roth. Wo er neue Aufgaben übernahm, erfüllte er sie verlässlich und kollegial und erwarb sich überall großes Vertrauen.

„Dass er seine Gemeinde zum sommerlichen Dorffest eingeladen hat, spricht Bände über das gute Miteinander. Es ist ein Abschied mit Dank und großer Wertschätzung.“ Der Dekan wies aber auch darauf hin, dass der Ruheständler als emeritierter Pfarrer weiter da sei, wenn er gebraucht werde.

Für Landrat Herbert Eckstein ist Rudolf Schenker-Primus etwas Besonderes, denn er ist der einzige Pfarrer, den er dreimal verabschieden durfte: In Wallesau, nun in Rittersbach und in der Kreisklinik. Er sei tief verankert und mit einer besonderen Frau an seiner Seite gesegnet.

Zum 25. Jubiläum habe er Wanderkarten verschenkt, die er nun erneuere, mit Gutscheinen für den Einkehrschwung beim Wandern. „Danke für Ihre seelsorgerliche Tätigkeit, behalten Sie Ihre Lebensfreude und danke, dass Sie für uns da waren.“

Gute ökumenische Kooperation

Georgensgmünds zweiter Bürgermeister Georg Schiffermüller dankte dem angehenden Ruheständler und berichtete als Wallesauer Kirchenvorstand. „Erst fanden wir, dass man mit ihm gut leben kann, dann wollten wir ihn am liebsten gar nicht mehr gehen lassen. Es war für uns alle ein wertvoller Dienst und eine gute Zeit.“

Werner Rupp, Vorstand der Kreisklinik Roth, betonte, Schenker-Primus habe sich in allen Stationen eingebracht und mit Diakon Hofbeck sehr gute ökumenische Zusammenarbeit geleistet. Mit seinem Vergelt’s Gott übergab er das kleine Büchlein von Reinhard Wechsler: „Mir hat’s g’fall’n“.

Die guten Wünsche der Kollegen brachte Pfarrerin Elisabeth Gottfriedsen-Puchta zum Ausdruck. Schenker-Primus habe viele Menschen begleitet. „Sein Beruf war eine Liebe, die lange hält.“ Unbeschwerte Tage und Zeit zum Genießen, Hören und Lesen wünschte sie ihm für den Ruhestand.

Für Prädikant Gerhard Babel wird die Zeit mit dem Pfarrer in guter Erinnerung bleiben: „Du hast deine Gemeinde wie ein Hirte im besten Sinn begleitet. Jetzt bist du für dich und deine Familie da.“ Persönliche Abschiedsworte fand Hans Förthner, Vorsitzender des Kirchenvorstands. Er vertrat die kirchlichen Mitarbeiter in Kindergottesdienst, Kindergarten, Kirchenchor und Posaunenchor, Organisten, Messnerinnen, Landjugend und Vereine. „Du warst wie ein Bruder und enger Freund, der Freud und Leid mit uns geteilt hat. Deine hilfsbereite und ausgleichende Art machte dich zum Friedensstifter und zum geistlichen und menschlichen Mittelpunkt für uns alle.“

Modell eines Esstisches

Als Abschiedsgeschenk überraschte Förthner das Ehepaar, das demnächst das Pfarrhaus in Rittersbach räumt und nach Georgensgmünd zieht, mit dem Modell eines neuen Esstisches. „Damit werdet ihr schon beim Frühstück wieder an uns erinnert!“

Der Einführungsgottesdienst von Pfarrer Werner Gottwald mit Dekan Klaus Stiegler findet am Sonntag, 31. Januar, um 9.30 Uhr statt.

IRENE HECKEL

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