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Fairtrade-Siegel für den Landkreis Roth

Mit der Auszeichnung sind hohe Anforderungen verbunden, die auch Gemeinden, Schulen und Vereine erfüllen. - 29.07.2019 06:50 Uhr

Eine-Welt-Läden, Gemeinden und Kirchen – alle haben zur erfolgreichen Bewerbung des Landkreises um das Fairtrade-Siegel beigetragen. © Foto: Jürgen Leykamm


Manfred Holz, Fairtrade-Ehrenbotschafter, attestierte dem Landkreis, die Bewohner dürften sich ab sofort mit "my fair Ladies and Gentlemen" ansprechen lassen. Denn der Kreis habe die hohen Anforderungen des Kriterienkatalogs "allesamt mit Bravour erfüllt". Lange vor der Bewerbung sei das Thema "fairer Handel" hier eines gewesen, das "enorme Kräfte und Kreativität freigesetzt hat." Ein wichtiges Zeichen in einer Welt, in der die Reichen immer reicher und die "Armen immer zahlreicher" würden. Die Zahl der gerecht gehandelten Produkte steige aber ebenso, mittlerweile seien auch Eheringe darunter.

Das Konzept der Kampagne brachte Holz auf den Punkt: "Die, die uns den Tisch decken, sollen auch selbst satt werden." Für die Konsumenten bedeute dies: "Die Moral endet nicht am Regal." Zu oft noch werde billig eingekauft, wofür andere teuer bezahlten. Dabei sei fairer Handel nichts anderes als "aktive Fluchtursachenbekämpfung", wie sie stets gefordert werde. Der Landkreis sei nun "richtig gut dabei." Als Empfänger der Auszeichnung spiele er in der Championsleage mit London, Paris, Madrid, Rom, Dortmund und München, die ebenso zertifiziert seien. Das Siegel des Kreis Roth trage nun bereits die Nummer 624 in Deutschland und 168 in Bayern.

Die Ausführungen des Ehrenbotschafters beseitigten auch bei Landrat Eckstein die letzten Zweifel. "Ein Zertifikat allein ist zu wenig", benannte er sie. Nicht der Status, sondern die Verfestigung des Grundgedankens zähle. Im Landkreis sei man seit langem Wegbereiter des fairen Handels gewesen und habe vieles umgesetzt. Eckstein verwies auf die Deklarierung von Produkten des Monats seit 2006 – ganz ohne Siegel.

Auf ein Siegel hinzuarbeiten und dann in den Bemühungen wieder nachzulassen, sei kontraproduktiv, betonte Eckstein. Großes Lob zollte er den Eine-Welt-Läden, bei denen viele Zeitgenossen erst "mitleidsvoll gekauft haben". Doch gerade diese Einrichtungen hätten für die Strukturen gesorgt, die heute vonnöten seien. Deswegen sei auch die Abstimmung mit den Geschäften in der Frage um eine Bewerbung so wichtig gewesen. Erst als es von ihnen grünes Licht gab, wurde der Weg 2016 beschritten.

Eine Entscheidung, die für die Kommunen und Organisationen im Landkreis Katalysatorwirkung hatte. Hilpoltstein zog auf die Überholspur und wurde erste "Fairtrade Town", Georgensgmünd folgte, Wendelstein und Schwanstetten sind auf dem Weg. Das Siegel können auch schon die Dr.-Mehler-Schule in Georgensgmünd und das Gymnasium Wendelstein für sich verbuchen und bald auch die Comeniusschule im Hilpoltsteiner Auhof, die Landwirtschaftsschule Roth und die Mittelschule Abenberg.

Neben den zehn Eine-Welt-Läden liest sich Liste der Fairtrade-Partner im Landkreis beeindruckend: Zu ihnen zählen 52 Einzelhandelsgeschäfte, 23 Gaststätten und Cafés, zehn Kirchen, zehn Schulen und weitere öffentliche Einrichtungen sowie sechs Vereine.

Als eine Speerspitze der Bewegung habe sich auch die Kirche erwiesen, so Eckstein. Laut Thalmässings evangelischem Pfarrer Rudolf Hackner sei für die Arbeiter der von ihm kürzlich besuchten Kaffee-Plantage in Tansania eine "angemessene Bezahlung buchstäblich lebenswichtig", so der Seelsorger. Der katholische Geistliche Alfons Hutter appellierte, auch in den Ferien nach Möglichkeiten des fairen Tourismus zu suchen. 

JÜRGEN LEYKAMM

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