Spendenaktion für kranke Kinder

Familie aus dem Iran und Nachbarn aus Aurau wollen etwas zurückgeben

Petra Bittner
Petra Bittner

Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung

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5.12.2021, 12:45 Uhr
Pooria Pooladvand hat in der Acuna-Apotheke an der Gartenstraße einen kleinen Ausstellungstisch erhalten, auf dem er seine selbst gemachten Weihnachtslichter präsentieren darf. Spendenbox anbei.
 

© Petra Bittner, NN Pooria Pooladvand hat in der Acuna-Apotheke an der Gartenstraße einen kleinen Ausstellungstisch erhalten, auf dem er seine selbst gemachten Weihnachtslichter präsentieren darf. Spendenbox anbei.  

Weil ihm das Leben lieb war, hat ein junger, kritischer Regierungsangestellter seine Ehefrau an die Hand genommen und ist mit ihr aus dem Iran nach Deutschland geflohen. Neun Jahre sind vergangen, seit Pooria Pooladvand und Sanaz Saeipoor diesen existenziellen Schritt wagten. Gerade anfangs keine leichte Zeit, doch in Roth fand das Ehepaar schließlich Halt und Glauben: 2013 konvertierten Sanaz und Pooria gemeinsam zum Christentum.

Inzwischen konnten sich der ehemalige Ingenieur und die Chemikerin in der Kreisstadt ein neues Dasein aufbauen. Sie hat eine Anstellung bei der Firma Schlenk gefunden, er entschied sich zugunsten einer Ausbildung als Fachkraft im Bereich Altenpflege. Die beiden haben inzwischen einen Sohn und ein Häuschen. „Ich fühle mich sehr wohl“, sagt Pooria Pooladvand.

Appell für mehr Miteinander

Doch darauf will sich der inzwischen 40-Jährige nicht ausruhen. Denn mit Sorge hat er festgestellt: „Während Corona ist mir aufgefallen, wie die Menschlichkeit verloren geht!“ Statt Nächstenliebe zu praktizieren, sei der Egoismus auf dem Vormarsch. „Wir passen nicht mehr gut aufeinander auf“, lautet Pooladvands Fazit. „Jetzt ist bald Weihnachten...“ Und welche Zeit des Jahres würde sich besser eignen, um für mehr Miteinander zu werben, dachte sich Pooria Pooladvand.

Durch den Verkauf gebrauchter Bücher unterstützt das Team von „Lotto am Bahnhof“ – Karin sowie Klaus Rubner und Andrea Hutzler (von rechts) – die Elterninitiative krebskranker Kinder in Erlangen.
 

Durch den Verkauf gebrauchter Bücher unterstützt das Team von „Lotto am Bahnhof“ – Karin sowie Klaus Rubner und Andrea Hutzler (von rechts) – die Elterninitiative krebskranker Kinder in Erlangen.   © Petra Bittner, NN

Er nutzte diesen „hellen Moment“ und machte etwas daraus, etwas Be-Greifbares im Zeichen des Lichts: Obwohl „handwerklich nicht so begabt“, wie er bekennt, besorgte er sich Holz bei Martin Burmann und schnitzte daraus individuelle Teelichthalter. Die adventliche Deko der hölzernen Leuchten steuerte Gattin Sanaz bei.

Diese kleinen Unikate sind nun gegen eine Spende in der Acuna-Apotheke Eiber in Roth zu erwerben. Der Erlös kommt am Ende einer Initiative zugute, die kranke Kinder unterstützt. Welche Initiative das sein wird, soll mit dem Kinderarzt Dr. Hartmut Vogel abgestimmt werden. Denn wie Martin Burmann und die Apotheke Eiber begrüßt auch der Mediziner Pooladvands kleines Mitmenschlichkeitsprojekt. Pooria Pooladvand und Sanaz Saeipoor würden sich ihrerseits „sehr darüber freuen“, wenn noch mehr „Menschen mit Herz“ die Aktion durch eine Spende unterstützen.

Nachbarn tun sich zusammen

„Hilfe für krebskranke Kinder“. Die ist Margit Böhm und Georg Zwingel schon seit 2009 ein Bedürfnis. Beweis gefällig? Zwei Galas, eine umfangreiche Sammlung von Koch- wie Backrezepten und die Vernetzung mit unterschiedlichen Institutionen sowie Geschäftsleuten haben die zwei benachbarten Aurauer bereits auf die Beine gestellt, um Geld an die „Elterninitiative krebskranker Kinder Erlangen“ überweisen zu können.

Mit im Boot ist auch der Büchenbacher Kiosk „Lotto am Bahnhof“. Dort werden seit Längerem gespendete Second-Hand-Bücher verkauft. Dadurch ergab sich 2021 die Summe von 2100 Euro. „Ein neuer Rekord!“, begeistern sich Kiosk-Besitzer Klaus Rubner, seine Frau Karin und deren Angestellte Andrea Hutzler. Buch um Buch seien somit während der vergangenen sechs Jahre 5200 Euro zusammengekommen, die für krebskranke Kinder aufgewendet wurden.

Da hatten nicht nur Margit Böhm und Georg Zwingel gut lachen, die als „Verbindungsscharnier“ zur Erlanger Elterninitiative fungieren. Auch aus Erlangen selbst sei ein Brief nach Büchenbach geflattert. Inhalt: ein dickes Dankeschön.

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