Donnerstag, 04.03.2021

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Frau mit Muskelkrankheit sucht Wohnung bei Hilpoltstein

Tina Jahns ist eine willens- und ausdrucksstarke Persönlichkeit - 24.01.2021 11:43 Uhr

Seelenverwandte: Die Sozialpädagogin Tina Jahns hat eine Weiterbildung als pferdegestützer Coach absolviert. Ihre eigenes Pferde-Trio konnte sie nach einem zwangsläufigen Umzug am Auhof unterbringen. Jetzt sucht sie für sich eine Wohnung in der Nähe.

22.01.2021 © Foto: Tobias Tschapka


"Freiheit ist etwas, das man im Kopf und im Herzen hat", sagt Tina Jahns. Die 36-Jährige leidet seit ihrer Geburt an spinaler Muskelatrophie (SMA). Vereinfacht gesagt: "Der Befehl vom Gehirn kommt nicht bei den Muskeln an." Heißt: "Ich spüre zwar alles, kann aber zu wenig bewegen, als dass mein Körper sich selber tragen würde", fasst sie zusammen.

In der Praxis bedeutet das: Tina Jahns sitzt im Rollstuhl. Sie ist klein, zierlich, zerbrechlich und rund um die Uhr auf persönliche Assistenz angewiesen. Trotzdem lautet einer ihrer unbedingten Glaubenssätze: "Ich bin frei!"

Denn auch das ist Tina Jahns: eine willens- und ausdrucksstarke Persönlichkeit. Wie sie sich selbst beschreiben würde? "Lustig, bunt, anders..." – Für dieses "Anderssein" hat die wache Frau mit den lila-türkis gefärbten Haaren längst ein griffiges Bild gefunden: "Ich bin eben eine Elfe!", spricht´s und kichert vergnügt.

Gesundheitliche Rückschläge

Denn dass es jenseits aller Schul- und Wissenschaftsweisheit "noch so viel mehr gibt zwischen Himmel und Erde", liegt für Tina Jahns auf der Hand: Als sie 1984 zur Welt kam, erklärten die Ärzte den Eltern, der Säugling werde nicht lange überleben. Doch die Kleine belehrte das medizinische Personal eines Besseren – und sollte es im Lauf ihres Lebens noch öfter tun...

Als Kind hielt sie einigen schwerwiegenden Lungenentzündungen stand, ließ eine Wirbelsäulenversteifung über sich ergehen. Es folgten: mehrere Frakturen – im Knie, im Oberschenkel.

"Beinahe schief gegangen" sei das mit dem Überschuss an Kohlendioxid im Blut. Tina Jahns musste reanimiert werden, schaffte aber letztlich den Sprung zurück in die Welt. Danach trug ihr die Unverträglichkeit gegen ein Medikament eine Leberzirrhose ein...

"Ich kann noch weitermachen", meint die 36-Jährige und grinst. Ach, sie bleibe da entspannt – auch wenn ihr Immunsystem nach wie vor nicht das verlässlichste sei – "einfach, weil ich leben will!"

Ein unbedingter Wille. Er ist der rote Faden, der sich durch ihre Vita spannt. Sie besuchte Regelkindergarten und -grundschule in Lauf, wechselte schließlich aufs Gymnasium in Altdorf und machte das Abitur. "Eine Extrawurst kam für mich nie infrage", erklärt sie. "Ich weiß, dass ich manches nicht auf die herkömmliche Weise kann. Also mach´ ich´s auf meine Art."

Ein "Draußen-Mensch"

Mit diesem Credo im Gepäck zog sie 19-jährig von zu Hause aus und mit einer Freundin ins Studentenwohnheim nach Nürnberg, wo sie ein Studium der Sozialpädagogik begann. 2009 hatte sie das Diplom in der Tasche und nahm daraufhin einen Bürojob an. Doch nach ein paar Jahren wurde ihr klar: "Nichts für mich, ich bin ein Draußen-Mensch!"

Sie ging eine Beziehung ein, zog aufs Land. Und dort erfüllte sich für Tina Jahns ein Traum – "vierbeinig, knuffig, unglaublich lieb": Sie holte die Tinker-Stute "Lavina" zu sich, "mein Seelenpferd". Was in diesen Tieren steckt, habe sie immer intuitiv gespürt, ist sich Tina Jahns sicher. Denn die Verbindung zu Pferden war schon als Kind da, "warum, wusste ich nicht so genau."

Nach einem Fernstudium "Tiergestützte Sozialarbeit" wurde ihr manches klarer, und nach der Weiterbildung zum "pferdegestützten Coach" sowieso. Heute sieht sie eine ehrenamtliche Mission darin: "Ich schicke Menschen in die Interaktion mit dem Pferd. Bei vielen macht´s dann
´Bamm`!", begeistert sich Tina Jahns.

Pferde als Überbrückungshilfe

Denn Pferde seien eine geniale Überbrückungshilfe für all jene, "die die Verbindung zu sich selber verloren haben." Man müsse da gar nicht viel reden, "man erfährt es", weiß Jahns und zählt Fälle auf, in denen sie schon helfen konnte.

Allerdings gab es im Sommer vergangenen Jahres eine Phase, während der sie selbst kurz die Bodenhaftung verlor. Nach 13 Jahren ging ihre Beziehung in die Brüche. Seitdem lebt sie wieder bei der Mutter, in Götzenreuth.

Ihre Pferde – inzwischen bilden Tinker-Hengst "Blixa" und Shetlandpony "Jonsi" mit "Lavina" ein Trio – haben am Auhof-Bauernhof bei Hilpoltstein rasch eine Bleibe gefunden. "Man hat uns ganz herzlich und mit offenen Armen empfangen", freut sich Tina Jahns über diese Lösung. Gleichwohl liege der Auhof nicht eben um die Ecke. Deshalb ist sie fieberhaft auf der Suche nach einer Wohnung in der Nähe ihrer Vierbeiner.

Neue Wohnung: Der Hund muss mit

Am liebsten wäre der Sozialpädagogin natürlich Hilpoltstein. Aber auch Allersberg, Heideck oder Roth seien in Ordnung, "wenn die Anfahrt nicht recht viel länger als eine Viertelstunde dauert", erläutert Tina Jahns ihre Idealvorstellung von der Lage eines neuen Domizils: zweieinhalb bis drei Zimmer, Erdgeschoss, gerne mit Gartenanteil oder Terrasse, Aufzug.

Und: "Robin muss mit!" Das ist Tina Jahns kleiner Jack Russel-Chihuahua-Mischling. "Ohne den geht nix!" Ansonsten sei Barrierefreiheit innerhalb der Wohnung kein größeres Thema, weil sich ihre Betreuungsassistentinnen ja um die Belange von Tina Jahns kümmern.

Die eigenen vier Wände, ihren Hund bei sich und die Pferde in der Nähe – das, sagt Tina Jahns, sei sie - "die Freiheit, die ich meine..."

Kontakt: Tina Jahns, Telefon (01 73) 2 71 45 45

PETRA BITTNER

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