Mittwoch, 20.11.2019

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Für den Mountainbiker aus Roth gilt: Style vor Tempo

Ein Gespräch mit Max Otzelberger, einem der besten Sportler in Deutschland - 22.09.2019 13:05 Uhr

Ein Bild aus Kanada: Manchmal ging es auch kopfüber durch den Skatepark. © Foto: Privat


Herr Otzelberger, hat es Sie eigentlich nie gereizt, wie andere Radsportler mit ihrem Sportgerät möglichst schnell von A nach B zu kommen?

Otzelberger: Na ja, schnell fahren kann ich mit meinem Bike auch. Aber für mich waren die Sprünge und die Tricks schon immer wichtiger. Style vor Tempo, das ist meine Devise.

Schon immer?

Otzelberger: Ich fahre seit acht Jahren. Zu meinem 14. Geburtstag habe ich mein erstes Mountainbike geschenkt bekommen. In dieser Zeit bin ich oft an der Rother Skateranlage herumgehangen. Da sind ja nicht nur die Skater gefahren, sondern auch die Jungs mit BMX-Rädern und mit ganz normalen Rädern. Die Dirtbikes haben mich am meisten fasziniert. Über die Optik der Räder bin ich zu meinem Sport gekommen.

Ein Sport, von dem man in der breiten Öffentlichkeit kaum einmal etwas hört oder sieht.

Otzelberger: Es gibt schon Wettkämpfe, auch in der Region wie in Veitsbronn oder in Schweinfurt. In Wendelstein hatten wir auch schon einige große Events. Dieses Jahr leider nicht, aber vielleicht klappt es im nächsten Jahr wieder. Unser Skatepark hätte es verdient. Das ist wirklich einer der besten und spektakulärsten in ganz Deutschland.

Wer sich von Ihnen Videos auf YouTube ansieht, der wird ganz schnell merken, dass Sie nicht nur in Skateparks unterwegs sind.

Otzelberger: Ja, stimmt. Die Straßen und Plätze sind mein Revier.

Mit Kollegen aus Kanada, den USA, Österreich, England und Russland war Max Otzelberger vom RC Wendelstein (ganz rechts) 16 Tage lang in Kanada unterwegs. © Foto: Privat


Was Sie da mit Ihrem Zweirad anstellen, erinnert an Parcoursläufer, die ebenfalls möglichst cool alle möglichen und unmöglichen Hindernisse überwinden. Und es sieht immer spielerisch leicht aus.

Otzelberger: Soll ich Ihnen was verraten? An meinem ersten Video, da haben mein Kumpel und Kameramann Marco Nikolaus und ich sechs Monate lang gearbeitet. Natürlich nicht jeden Tag. Aber bis eine Aufnahme von manchmal nur wenigen Sekunden steht, braucht man oft viele Versuche.

Stürze vermutlich inklusive.

Otzelberger: Natürlich fällt man auch mal auf die Nase, das gehört dazu. Aber ich habe mich in acht Jahren wirklich nur zweimal ernsthafter verletzt. Einmal habe ich mir die Außenbänder im Knöchel gerissen. Und letztes Jahr habe ich mir einen Schlüsselbeinbruch zugezogen. Allerdings nicht bei einem Sturz. Mir ist jemand reingefahren. Und dessen Helmkante schlug genau aufs Schlüsselbein. Und knack!

Trotzdem: Wenn Sie freihändig mit ihrem Rad aus drei Metern Höhe über zehn Treppchen nach unten springen, dann muss doch die Angst mitfahren.

Otzelberger: Angst ist das falsche Wort. Wer Angst hat, sollte unseren Sport nicht ausüben. Respekt muss man haben, Respekt vor jedem Trick. Man muss sich an diese Tricks langsam herantasten. Das heißt, man sucht sich zuerst Rampen mit weniger Treppenstufen aus. Wenn man die sicher beherrscht, baut man eine halbe oder eine ganze Drehung in der Luft ein. Wenn das einigermaßen sitzt, kann man auch höher hinaus. Oder bei Sprüngen die Hände vom Lenker nehmen. Wichtig ist: Wenn man überzeugt ist, dass man den Trick drauf hat, dann muss man mit 110 Prozent losfahren. Dann darf es kein Zurück mehr geben.

Max Otzelberger, 22, gehört in Deutschland zu den besten Sportlern im Land, die mit dem Mountainbike durch die Skateparks heizen oder auf der Straße ihre Tricks zeigen. © Foto: Robert Gerner


Wie trainiert man so etwas?

Otzelberger: Wie gesagt, durch Herantasten. Außerdem haben wir an unserer Strecke in Eckersmühlen, die wir "Chickentrails" nennen, eine Schnitzelgrube. Also eine Grube, gefüllt mit Schaumstoff. Da fallen Sportler und Sportgerät etwas weicher. Auch wenn ich mir ausgerechnet dort die Außenbänder gerissen habe, weil mir mein Rad auf den Fuß gefallen ist. Da war dann der Fuß beziehungsweise das Band hinüber. Oft ist es aber auch andersherum. Acht Rahmen sind mir in meiner Karriere schon gebrochen.

Erzählen Sie ein bisschen von der Showtour durch Kanada.

Otzelberger: Nun ja, "The Rise" ist ein Hersteller, der für unsere Randsportart die richtigen Fahrradrahmen herstellt. Die müssen ja einiges aushalten. Einmal im Jahr veranstalten sie diese Partymaster-Tour durch Nordamerika.

Ich war schon im Vorjahr eingeladen, konnte aber wegen der Arbeit nicht. Diesmal hat es geklappt. Gemeinsam mit Kollegen aus Nordamerika und gemeinsam mit zwei Engländern und einem Österreicher. Man fährt halt mit dem Bus von Ort zu Ort, und die Jungs zeigen dann in Sporthallen und an markanten Punkten in den Städten ihr Können. Dazu gibt es Live-Musik mit Rockbands. Die Leute strömen zusammen, das sind einfach coole Events.

Und als Sportler bringt dich das wirklich weiter. Denn man kann sich von den Kollegen ja den einen oder anderen Trick abschauen und nachfragen, wie sie dieses oder jenes bewerkstelligen. Was mindestens ebenso wichtig ist: Ich konnte neue Kontakte knüpfen. Kurzum: Es war das Beste, was ich bisher gemacht habe.

Mit ihrem Mountainbike sind Sie in Skateparks eher die Ausnahme. Dort dominieren eher die BMX-Fahrer das Bild.

Otzelberger: Ja, stimmt. BMX ist schon Randsportart, und Skate- und Street-Biking ist noch einmal Randsportart innerhalb einer Randsportart. Aber ich bin 1,96 Meter groß. Wenn man fast zwei Meter misst, dann sieht das auf einem BMX-Rad ein bisschen albern aus.

Interview: ROBERT GERNER E-Mail

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