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Montag, 21.10.2019

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"Gute Fee" ist in Roth noch etwas flügellahm

Aktion für Kinder wurde vor zwei Jahren ins Leben gerufen und wird nun neu justiert. - 15.05.2019 13:00 Uhr

Wie ein Lauffeuer hat sich die „Gute Fee"-Aktion bei Kindern und Eltern offenbar noch nicht verbreitet, weshalb man jetzt mit Schulen und Kitas kooperieren will. © Tobias Tschapka


IAngestoßen wurde die Aktion „Gute Fee“ 1999 in Stuttgart. Das gleichnamige Projekt, das "schnelle Hilfe für Kinder" zaubern soll, habe sich in Roth aber zu wenig herumgesprochen. So das Ergebnis einer Umfrage unter den 46 beteiligten Rother Händlern, Dienstleistern und Institutionen. Die hatten - auf Initiative der Stadt, dessen Jugendhaus/-büro und dem Verein Kreis-Metropole Roth e.V. - vor zwei Jahren einen orangefarbenen Aufkleber an ihre Türen gepappt. Ein Signal mit Botschaft: Wir sind kinderfreundlich! 

"Stell’ dir vor, wir spielen ,Gute Fee’ und keiner geht hin!" - Lässt sich so in etwa die Bilanz der vergangenen zwei Jahre auf einen Nenner bringen, Herr Weiß?

Simon Weiß, 34, ist seit 2010 pädagogischer Mitarbeiter im Jugendhaus der Stadt Roth und fungiert inzwischen auch als Stellvertreter von Jugendhaus/-büro-Chefin Karin Reich. 2017 hat der gebürtige Niederbayer das „Gute Fee“-Projekt gemeinsam mit dem Verein Kreis-Metropole Roth und der Stadt angeschoben. © Tobias Tschapka


Simon Weiß: Das ist jetzt aber sehr ketzerisch gesprochen! Mitnichten lässt sich die Bilanz so zusammenfassen, weil es ja Institutionen gibt, bei denen das Gute-Fee-Prinzip greift. Im Kino, wo sich viele Kinder aufhalten, ist das eben mehr der Fall, als beispielsweise im Bürgerbüro einer Partei...

Okay, aber wie viel Resonanz gab’s denn bis dato auf die "Gute Fee"-Aktion?

Weiß: Da muss ich nochmal auf meine erste Antwort zurückverweisen: Es gibt diejenigen Teilnehmer, die nach wie vor meinen: "Super Geschichte!". Und es gibt die, bei denen sich kaum ein Kind blicken lässt. Aber wie gesagt, das liegt in der Natur der Sache: Im Buchladen sind halt mehr Kinder unterwegs als in einem Autohaus. Folglich wird letzteres seine "Gute Fee"-Qualitäten auch seltener unter Beweis stellen müssen. Nur als Beispiel. Dass sich die Aktion allerdings bei Kindern und Eltern nicht so herumgesprochen hat, wie wir’s uns gewünscht hätten, hängt vielleicht damit zusammen, dass wir die Werbetrommel zu wenig gerührt haben.

Es geht darum, Kindern bei kleinen Nöten zu helfen: Sei es ein Telefonat zu ermöglichen, den dringlichen Toilettengang zu gewähren oder mit einem Taschentuch, einem Glas Wasser, einem Pflaster auszuhelfen - falls nötig. Doch viele der Rother Projekt-Teilnehmer hatten im Vorfeld schon erklärt, dass sie das ohnehin tun würden. War das Projekt somit von Anfang an überflüssig?

Weiß: Von ,überflüssig’ kann überhaupt keine Rede sein, da bestimmte Dinge wieder mehr ins Bewusstsein gerückt werden.

Worin sehen Sie also den Mehrwert der Initiative?

Weiß: Zuerst mal geht’s darum, dass Kinder Hilfe erhalten, wenn sie sie brauchen.

Dadurch kann die Stadt ihr Image als familienfreundliche Kommune natürlich schärfen. Das ist kein zu unterschätzender Aspekt.

Und wo wir schon mal beim Image sind: Für den Einzelhandel birgt diese Aktion die Chance, sich mehr Profil und Charakter zuzulegen – indem man auch mal jenseits des Verkaufstresens schaut, was in der Kommune passiert. Das schafft ,amazon’ nicht.

Außerdem entsteht hier gerade ein ,Wir-Gefühl’, indem das Engagement Einzelner gebündelt und nach außen transportiert wird. Auch das symbolisiert dieser "Gute Fee"-Aufkleber an den Türen.

Das Projekt ist aber nur ein kleines Mosaiksteinchen auf dem Weg zu einem großen Ziel: Wir wollen Gewissheit schaffen, dass in Roth nicht alles schlecht ist; dass Roth nicht tot ist...

Und wo lag dann Ihrer Meinung nach das Problem – zumal das Echo auf die "Gute Fee" ja nicht unbedingt der Brüller war, wie Sie zugeben müssen?

Weiß: Das war vielleicht ein Problem der Zuständigkeit. Nachdem der Vorsitz beim Metropolverein in andere Hände überging und nebenbei noch hunderttausend weitere Sachen laufen, ist die "Gute Fee" auf der Prioritätenliste einfach nach hinten gerutscht. Und dann muss man so einem Projekt ja auch Zeit geben, damit sich überhaupt herauskristallisieren kann, was gut läuft und wo noch Optimierungsbedarf besteht. An dem Punkt sind wir jetzt. Durch die Evaluierung können wir an den nötigen Stellschrauben drehen.

Welche sind das denn? Wie wollen Sie die Fee zum Flattern bringen?

Weiß: Da gibt’s schon Ideen. Vor allem möchten wir uns mehr an die Adressaten der Aktion wenden, an die Kinder. Dazu schwebt uns etwa die Kooperation mit Kindergärten oder Schulen vor. Dann klappt’s demnächst auch mit dem Flattern...

Informationen zur Aktion "Gute Fee" unter www.jugendhaus-roth.de. Wer mitmachen will – ob Gewerbetreibender, Kita oder Schulklasse – schreibt eine E-Mail ans Jugendhaus/-büro der Stadt Roth: info@jugendhaus-roth.de oder an den Verein Kreis-Metropole: vorstand@kmrh.de

Petra Bittner E-Mail

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