Samstag, 16.11.2019

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Hände hoch für Trommler, Magier, Akrobaten

Die sechste Auflage von "Hands Up" der Regens-Wagner Zell Kultur in der Rother Kulturfabrik erhielt donnernden Applaus. - 20.10.2019 15:48 Uhr

Unter dem Namen „Ingravinado“ zeigten die beiden Akrobaten bei Hands Up in Roth, wozu Muskeln in der Lage sind. © Foto: Tobias Tschapka


Weit über 300 Gäste kamen in der Kulturfabrik in den Genuss eines bunt wechselnden Programms. Bereits am Nachmittag fand im Foyer die Vernissage des inklusiven Kunstprojekts "Was Kunst schafft!?" (Bericht folgt).

Moderiert wurde der an Attraktionen reiche Abend von den gehörlosen Regens-Wagner-Mitarbeitern Marcus Willam und Konrad Rubin, die als sehr unterschiedliche Clowns durchs Programm führten. All ihre Gebärden wurden von zwei Dolmetscherinnen in Worte übersetzt, damit auch wirklich alle dem Geschehen auf der Bühne folgen konnten.

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Hands Up in Roth

Regens Wagner Zell feiert die sechste Auflage von Hands Up.


Neben künstlerischen "Eigengewächsen" aus Zell wurden für "Hands Up" auch noch drei professionelle Gruppen engagiert, wobei die Auftritte im stetigen Wechsel stattfanden: "Drum Stars" mit einer mitreißenden Trommelperformance, das "Duo Ingravido" mit Kraft-Artistik sowie der Zauberer "Fralau". Von Regens Wagner stammten das Zeller Handtheater oder die Seniorengruppe, die mit einer speziellen Tanzaufführung das Publikum begeisterte.

Bei der Gebärden-Performance des Regens-Wagner-Mitarbeiters Sepp Wenzel mit weiteren Künstlern wurden Lieder in die Gehörlosensprache umgesetzt, während auf der Leinwand dazu Bilder gezeigt wurden: "Siehst du die Sonne" von Peter Maffay, später Wenzel mit dem John Lennon-Klassiker "Imagine".

Faszinierendes Spritzen

Aber nicht nur die Regens-Wagner-Künstler bekamen donnernden Applaus für ihre Darbietungen, sondern auch die drei Hauptacts. Wobei "donnernd" auch auf den Auftritt der Gruppe "Drum Stars" zutrifft, denn der von vielen Licht- und spektakulären Effekten begleitete Auftritt kann getrost als ohrenbetäubend bezeichnet werden. Und die vielen Nichthörenden im Publikum dürften die Schallwellen von der Bühne ebenfalls körperlich gespürt haben. Die vier Jungs aus Landsberg schlugen auf ihre von unten beleuchtenden und mit Wasser bedeckten Trommeln ein, was zu faszinierenden Spritz-Effekten führte – und zu nassen Gästen in den ersten Reihen. Zudem trommelten sie im wilden, genau abgestimmten Rhythmus auf Leitern, Gerüste und anderes ein, dass einem fast schwindelig wurde.

Der gehörlose Zauberer "Fralau", der in der Sparte 2004 sogar Weltmeister wurde, zeigte ein klassisches Magieprogramm, wie es im Buche steht. Mit dem "Zerstückeln" seiner Assistentin, die die Prozedur ohne einen einzigen Kratzer überstand, mit Verschwindenummern sowie mit Fesseltricks, bei denen Bürgermeister Ralph Edelhäußer assistieren durfte, wobei dieser wieder seine Qualitäten als Kabarettist unter Beweise stellte.

Schon der Anblick der jungen Männer des Duos "Ingravido" sorgte für Seufzer beim weiblichen Publikum, denn die Akrobaten aus Regensburg kletterten an einer Traversen-Konstruktion herum und nahmen scheinbar unmögliche Positionen ein, für die man neben Muskeln (dank der freien Oberkörper deutlich zu sehen) unglaubliche Körperbeherrschung braucht. Auch diese beiden Künstler bekamen viel Applaus, wobei Gehörlose ihren Beifall mit hoch erhobenen Händen ausdrücken – "Hands Up" war namensgebend für die gelungene neue Auflage von "Hands Up".

 

TOBIAS TSCHAPKA

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